Ende und Neuanfang – Zeilen von Herz und Schmerz

Ich habe lange überlegt, wie ich diese Zeilen schreibe. Lange konnte ich nicht einmal den Blog nur öffnen. Jux ist tot. Dieser völlig unwirkliche Satz ist leider am 10.08.2021 bittere Wahrheit geworden. Was ist passiert?

Früh um 7 erhielt ich den Anruf meiner Freundin und Stallkollegin Renate. Ich solle sofort kommen, Jux steht regungslos und zitternd auf dem Paddock im Offenstall, setzt sein linkes Hinterbein nicht auf, die Tierärztin ist schon informiert. Weinend und zitternd fahre ich zum Stall. Mein kleiner Schatz schaut mich fragend an, als wolle er sagen: „Ich kann nicht gehen?!“. Man sieht sofort, das unterhalb des Knies etwas kaputt ist. Die Tierärztin trifft kurz darauf ein, röntgt und es bestätigt sich der Verdacht – Jux Schienbein ist in 100 Teile zersplittert. Mit tiefster Verzweiflung höre ich der Tierärztin zu und muss einsehen, das es Hier und Jetzt vorbei ist.

Ich umarme meinen tapferen, stillen und wissenden Ponymann. Ich spüre, das er es weiß. Er bekommt seine letzten Möhren, Äpfel und Leckerlis, ich kraule, küsse und rede mit ihm. Während die Tierärztin den Zugang zur Halsvene legt, halte ich Jux kleine Schnute und wir sehen uns die ganze Zeit tief in die Augen. So viel Liebe und Verbundenheit in diesen großen Kulleraugen. Es bricht mir das Herz. Bald wirkt die Narkose und Jux legt sich müde hin. Als er seine letzten Atemzüge macht, liege ich, an seinem Bauch sitzend, halb auf seinem Brustkorb. Lange bleibe ich so bei Jux liegen….

Die nächsten Wochen ziehen in einer tränenreichen Kummerwolke an mir vorbei. Niemand weiß, was passiert ist. Fremdeinwirkung ist ausgeschlossen, die gemischte Herde war immer harmonisch. Es war ein Unfall, warum und wie auch immer, aber nur ein einziger Moment – und alles ist vorbei. Meine Freunde und Familie fangen mich auf, trösten und lenken mich ab, so gut sie eben können.

An dem Tag wollten wir eigentlich mit Jux und Freunden wandern gehen. Der Sommer war so schön, erfüllt und glücklich. Wir waren wandern, baden, sind Kutsche gefahren, haben neue Tricks auf dem Platz geübt oder einfach die Zeit zusammen genossen. Nächstes Jahr wollte ich mit Jux sogar auf kleinen Dorfturnieren mit der Kutsche starten und entsprechend anfangen dafür zu trainieren. Aber was viel schwerer wiegt – ich habe meinen kleinen besten Freund verloren. Jux glich mehr einem Labrador, so wie er an mir hing und frei mit mir durch die Wälder zog. Hauptsache dabei, Hauptsache zusammen. Hätte er gekonnt, hätte er Abends mit auf dem Sofa gelegen und mit mir Netflix geschaut. Ich dachte, wir gehen mal zusammen ins Altersheim! Das älteste Shetland Pony Deutschlands ist aktuell 52! Jux ist gerade mal 14 Jahre jung geworden… Als frühere Wanderreiterin träumte ich von Wanderungen/Wanderfahrten bis an die Ostsee, durch halb Deutschland und mein großer Traum, entlang der Küste Spaniens. Wie gern, hätte ich all dies mit ihm erlebt.

Nun, 3 Monate später, habe ich etwas Kraft um darüber zu schreiben, auch wenn die Tränen kullern. Ich denke jeden Tag an Jux, sehe ihn hier und da und vermisse ihn unendlich. Ich glaube fest, dass der Tod nicht das Ende ist und weiß Jux Seele ist noch da und schaut nach mir. Wir sind nach wie vor stark verbunden, nur anders.

Was wird nun aus „das Wanderpony“? Wer mich bei Instagram verfolgt, der weiß es schon: Jux hat mir bereits seinen Nachfolger gesendet, der ganz unverhofft und relativ zeitig meinen Weg kreuzte. Oder wahrscheinlich genau zum richtigen Moment.

Über eine Freundin aus dem Stall erfuhr ich von Petro, der Freunden von ihr gehörte. Ohne Erwartungen, mit Jux im Herzen, fuhr ich mit Renate nach Sachsen Anhalt. Ohne Pferdeluft kann ich nicht atmen und das es weiter geht, stand für mich fest. Aber wann und wie, dies wollte ich dem Schicksal überlassen, nichts erzwingen. Es funkt, oder es funkt eben nicht. Jux soll und kann sowieso niemand ersetzen. Ich bat einzig um ein Zeichen, wenn das passende Pony vor mir steht.

Und dies erhielt ich überraschenderweise prompt. Als wir zu Dritt auf Petros Weide gehen, löst er sich von seiner kleinen Herde, kommt direkt auf mich zu und verpasst mir einen dicken Kuss auf die Lippen. Seine derzeitige Besitzerin lacht und sagt: „Petro, doch nicht direkt am ersten Date!“ Nach 10 Minuten zerwuselt er mir die Haare, als wisse er genau, worum es geht. Wir gehen spazieren, Petro spielt seinen ganzen Charme aus und blitzt mich schelmisch aus seinen Augen an. Er trabt vor, wir reden über alles und ich habe mich eigentlich schon längst für ihn entschieden – so wie er sich offensichtlich für mich. Ende September holen wir Petro schließlich ab und das Pony, welches sich sonst nicht von seiner Herde trennen wollte, läuft ohne einen Zweifel mit mir davon und geht auf den Hänger.

Petro und ich bei unserer 1. Begegnung

Mit Petro geht also mein Abenteuer und das „Wanderpony“ weiter. Wir werden wandern, irgendwann Kutsche fahren und unsere gemeinsame Zeit genießen. Denn das ist unser höchstes Gut – Zeit. Meine Trauerverarbeitung läuft parallel zu Petros Eingewöhnung. Nicht alle Tage sind leicht, aber Petro erdet mich, wie es nur Pferde vermögen. Wir lernen uns langsam kennen und haben unseren ganz eigenen Rhythmus dabei. Jux hat mich so Vieles gelehrt: u.a. im Hier und Jetzt sein, wahrhaftig fühlen & Hinhören, pure geballte Lebensfreude, Verbundenheit, bedingungslose Liebe und letztendlich Loslassen… Aber Jux ist viel mehr als jetzt „nur tot“, wie ein guter Freund zu mir sagte, und mit der Zeit, Akzeptanz und Liebe werde ich Lächeln können, wenn ich an ihn denke. Petro hilft mir dabei und während er die Packtaschen auf unseren Wanderungen trägt, trage ich Jux im Herzen.

24.08.21

Vom Abschied meines besten Freundes

Bei einem Spaziergang in der Sonne haben wir uns erkannt,
das Universum als verwandte Seelen uns einst verband.
Über gemähte Felder sind sind wir getanzt,
haben Träume in den Boden gepflanzt.

Hast mir gezeigt, die Welt aus deinen Augen zu sehen,
deine Wunden, Wünsche und Bedürfnisse zu verstehen.
Und mit Liebe, Verständnis und Respekt,
kam ans Licht, was war versteckt:
Ein Pony voller Schalk, Lebensfreude und Wanderlust,
ausreichend Äpfel und Möhren stets in die Wandertaschen haben gemusst.

Doch mit den Talenten war es noch nicht vorbei,
Dreh dich, leg dich, komm auf Pfiff, heb den Huf…eins,zwei,drei!
So manche Abenteuer haben wir erlebt
und oft schmusend aneinander geklebt.
Auch fleißig zogst die Kutsche mein Ponymann,
weil man so wunderschön den Wald erkunden kann.

Jede Sekunde haben wir zusammen genossen,
doch unbemerkt ist uns die Zeit entflossen.
Ein Anruf, ein Moment, dein Leben war vorbei,
mit deinem letzten Atemzug mein Herz zerbrach in Zwei.

Deine Seele ist nun frei wie der Wind,
flüstert leise in mein Ohr: „Oh bitte weine nicht mein Kind!
Immer zusammen findet, was zusammen gehört,
eine unendliche Verbindung haben wir beschwört.
Lebe, liebe, tanze und lache,
derweil ich von der anderen Seite über dich wache.“

Voller Liebe und Dankbarkeit lasse ich dich also gehen,
mit Tränen und einem Lächeln, wohl wissend,
wir werden uns wieder sehen.

Das Kutschpony Jux & Augen auf beim Kutschenkauf

Der Frühling verging wie im Flug. Er war sehr arbeitsreich für mich, deswegen war es hier etwas ruhig, und lehrreich für Jux. Nun erzähle ich gerne, was wir diese letzten verregneten Monate alles angestellt haben. Natürlich stand ganz groß Kutsche fahren auf dem Plan.

Ich trainierte regelmäßig Fahren vom Boden im Winter mit Jux, drehte zahlreiche Runden mit ihm vor mir laufend durch den Wald und hörte ab und zu mal Kommentare wie: „Ey, Sie haben ja die Kutsche vergessen!“. Hinter dem motiviert trabendem Jux herlaufend (und schnaubend), hatte ich meist keine Luft zum Antworten.

Mit dem ersten ordentlichen Schnee seit Jahren, nutzte ich die willkommene Gelegenheit und spannte meinem Pony einen Schlitten an. Da wir „Schleppen“ (das heißt Sachen, wie eine kleine Palette, hinter sich her ziehen) auf dem Platz ausreichend geübt hatten, reagierte er sehr gelassen und schaute nur sehr verdutzt, als ich dann daran dachte, mich auch auf den Schlitten zu setzen. Ich wollte mich natürlich ziehen lassen – er ging aber keinen Meter. Nichts half, der Ponymann schaute mich verständnislos an. Beim nächsten Versuch kam ich mit Verstärkung. Die liebe Romy nahm Jux am Halfter, während ich strahlend auf dem Gefährt Platz nahm. Nach den ersten Schritten gingen bei ihm die Lichter an! Er zog fleißig und motiviert und trabte voller Eifer. Der Winter war herrlich, der Wald glich Winterwonderland und wir nutzten jede Gelegenheit zum Schlittenfahren. Wir hatten jede Menge Spaß und der Lern-und Spaßeffekt für Jux´ Entwicklung war grandios.

Als der Schnee Geschichte war, wurde es ernst. Ich hatte mir bereits im Herbst bei Ebay eine geeignete, gebrauchte Gig, also eine kleinen Zweisitzer mit einer Achse, ergattert und wir waren vom Stand so weit, das einem ersten Anspannen nichts im Wege stand. Zusammen mit meiner guten erfahrenen Freundin Renate spannten wir das kleine Kutschpony das erste mal an und liefen los.

Jux war, wie erwartet sehr entspannt, so stieg ich bald auf, während Renate am Halfter führte und ich mit Zügeln und Peitsche das Gespann lenkte. Unsere ersten Runden waren sehr sehr klein. Am Anfang ist alles neu und die Konzentration kurz. Wir passten uns Jux Bedürfnissen und Lernfortschritten an und machten so einige Übungsrunden, die Stück für Stück größer wurden. Auch hier kam dann bald der Tag, wo ich spürte, das nächste mal, können wir es alleine wagen. Unsere erste richtige Fahrt Anfang April war ebenfalls kurz, aber ein voller Erfolg! Jux verhielt sich brav und war fein an den Hilfen, als hätte er nie etwas anderes getan. Ich war und bin mächtig stolz auf ihn!

So fuhr ich nun regelmäßig Gig mit meinem Wanderpony, sofern es das Wetter und meine Zeit zuließen. Ich optimierte des öfteren das Geschirr, passte dies und das an. Unsere Touren betrugen nun meist um die 6 bis 8km und Jux war (und ist) am Liebsten im Trab unterwegs. Wir üben natürlich viel Ruhe und Stehen, denn das muss ein Kutschpony vor Allem tun können – gehorsam und brav überall stehen bleiben.

Dann hatten wir sehr viel Glück im Unglück. Am Ende einer schönen Fahrt, ein paar Meter vor dem Stall, brach mir wortwörtlich der Sitz unter dem Hintern weg. Jux lief gemütlich Schritt. Es gab einen Ruck, noch einen, ich stieg ab und der Sitz klappte nach hinten weg. Jux preschte erschrocken los – ich hatte keine Chance ihn zu halten. Gott sei Dank blieb er nach einigen Metern unversehrt wild schnaubend stehen. Da wir quasi bereits am Stall waren, spannte ich ihn in aller Ruhe und mit unserer gewohnten Routine einfach vor Ort ab. So beruhigte er sich schnell, blieb artig stehen und ich führte ihn zum Anbindeplatz auf den Hof. Er war komplett unversehrt, ebenso wie ich. Ein Hoch auf unsere Schutzengel! In voller Fahrt, oder gar mit Beifahrer, hätte diese Situation in einer Katastrophe enden können… Danach inspizierte ich die Gig genau und stellte fest, das eine Schweißnaht gebrochen war! Mein Mann hatte die Gig vorher überholt, ich vor jeder Fahrt jede Schraube kontrolliert, aber an den Schweißnähten hatte ich nun wirklich nicht gezweifelt. Sicherheit ist das Allerwichtigste beim Kutsche fahren! Die Gig ging ihn die Werkstatt und wurde wieder fahrbar und verkehrssicher gemacht. Aber mein Vertrauen war hin. Jux zeigte bei der nächsten Fahrt keine Folgen vom Schreck und war brav und fleißig wie eh und je, wofür ich ebenfalls unendlich dankbar bin. Doch ich selbst war innerlich gehemmt. Ich möchte aber frei und voller Freude Fahren und in Zukunft meine Ausflüge auch mit meinen liebsten Menschen teilen und dabei sicher, entspannt genießen können. Dies könnte ich aber nicht, wenn die Angst im Nacken mitfahren würde. So fuhr ich mit meiner lieben Abenteurerin Christiane kurzerhand in den Kutschenhandel Sachsen.

Nach einer ausführlichen freundlichen Beratung, Probesitzen, Rechnen und meinem Bauchgefühl folgend, kaufte ich im Mai eine kleine Ponykutsche. Einen so genannten sportlichen geländetauglichen Trainingswagen, 2-Achser mit Bremsen vorne wie hinten, vollelliptische Blattfedern, 130kg schwer, 115cm breit und Ein-, wie Zweispännig fahrbar. (So viele Eckdaten kann ich übrigens nicht über mein Auto erzählen…) Das Gefühl von Sicherheit und die absolute Freude gab´s gleich mit dazu. Jux hat natürlich nun ordentlich mehr zu ziehen (anstelle der 40kg, die die Gig wog), aber auch hier haben wir keine Eile und bauen Stück für Stück Kondition auf und arbeiten am Muskelaufbau.

Die ersten Fahrten mit der neuen Kutsche haben wir bereits gedreht und wie erwartet, erweist sich Jux als arbeitswilliges motiviertes Pony. Die Ausfahrten werden nun Stück für Stück etwas länger, seinem Trainingsstand angepasst. Die 10km Marke haben wir noch nicht geknackt beim Fahren. Wir haben noch viele unentdeckte Wege vor uns, denn das weitläufige tolle Gelände ist noch teilweise neu für uns. Wir haben Zeit und ich freue mich auf jede einzelne Fahrt mit Jux.

Natürlich waren und gehen wir auch weiterhin viel wandern, denn wir lieben ja die Abwechslung. Auf kommende große Touren und kleine sommerliche Abenteuer, nehme ich euch natürlich wieder mit. Auf Instagram könnt ihr uns in den Stories fast täglich begleiten – schaut mal vorbei.

Mut zur Strecke Challenge 2020 – We made it!

Hurra hurra, unsere Schleife ist da! Ende Januar kam das ersehnte Paket endlich an und ich öffnete es voller Neugier. Ich bin ehrlich, es kullerten ein paar winzige Tränen der Freude. Jux gewinnt seine erste Schleife mit 13 Jahren. Darum geht es mir gar nicht um die Schleife selbst oder darum etwas zu gewinnen, sondern um Jux seinen Lebenswandel und die 160km die wir Seite an Seite gingen.

Noch Anfang 2019 schaute der kleine Fuchs sehnsüchtig über den Zaun und hatte keine große Ahnung, was es da draußen alles zu sehen gibt. Und nur ein Jahr später erkundet er mit mir die Winkel unserer Heimat Sachsen und ist ein waschechtes Wanderpony.

In nur 6 Monaten, von Mai bis Oktober 2020, sammelten wir alle Kilometer unserer Touren ab 5km. Wir erkundeten die Wege unserer direkten Umgebung, hatten unsere erste Tour mit Übernachtung , fuhren in den Urlaub und waren mal nur mit Sansa oder in Begleitung von Familie und guten Freunden unterwegs. Insgesamt sammelten wir nicht nur Meter, sondern vor allem schöne Erinnerungen. Ebenso konnten wir Erfahrungen für unsere kommenden Abenteuer schöpfen.

Mut zur Strecke schlug große Wellen und es nahmen viele Menschen mit ihren Vierbeinern teil. Die Mit-und Mutmachaktion verbindet zu Corona – Zeiten und auf Facebook und Instagram werden fleißig Geschichten geteilt. Mittlerweile kann man auch mit Hund, mit dem Fahrrad oder als Wassersportler teilnehmen.

Auch wir werden dieses Jahr wieder dabei sein, doch diesmal werden wir die Kilometer mit der Kutsche zählen! Im Frühling werden wir startklar sein und die Gegend mit unserem Zweisitzer im Trab erforschen! Ich freue mich schon sehr darauf und nehme euch natürlich wieder mit.

Tierkommunikation – der Weg des Verstehens

Vor gut einem Jahr veranlasste ich eine professionelle Tierkommunikation mit Jux, denn obwohl wir viel auf der sonnigen Seite des Weges wanderten, gab es ein paar wichtige Punkte, die etwas genauer betrachtet werden wollten.

Der Ponymann war damals gut ein halbes Jahr an meiner Seite und blühte immer mehr auf. Wir wanderten, spazierten und er genoss jede Tour in vollen Zügen. Es gab ein paar Gehorsamkeitsthemen, wie Hufe geben, angebunden ruhig stehen oder auf Druck weichen, die wir einfach im Alltag mit Ruhe und Wiederholungen übten und festigten.

Schon bald fing ich an, mit ihm auf dem Platz zu arbeiten: einfache Übungen der Bodenarbeit, Longieren, etwas Freiarbeit. Ab und an ließ ich Kinder aus dem engsten Kreis geführt reiten.

Bei „Arbeit“ merkte ich schnell, das Jux sich verschloss. So etwas wie Longiergurt anlegen und auf den Platz gehen, war Stress pur für ihn. Er war angespannt, sein Gesichtsausdruck sagte alles, er konnte nicht zuhören, explodierte schnell, stieg, schlug mit dem Kopf, rempelte mich an. Ich verlangte wenig, versuchte keinen Druck zu machen, mich klar auszudrücken und Ruhe zu vermitteln. Mein Erfolg war teils/teils – manche Dinge klappten gut und andere nicht. Und etwas Neues kam hinzu – Jux fing an zu schnappen und verpasste mir blaue Flecken. Ich wechselte Strategien, holte mir Hilfe, aber der Knoten wollte nicht platzen. Ich war ratlos.

Mir war klar, wir mussten uns erst kennenlernen. Nach den ersten Monaten fiel die Maske und Jux zeigte mir seine Baustellen und meine Defizite als Pferdefrau. Denn so grob und robust, wie er sein kann, so übersensibel und fein ist er wiederum. Zudem liest er meine Körpersprache genau. Ich muss mich also immer auf mich und Jux konzentrieren – je nach Tagesform eine kleine Herausforderung. Er ist ein Pferd, welches eine konstante Verbindung fordert und mich zu 100% spiegelt.

Es gab auch Situationen, die ich als Erfahrung buchte. Jux mochte nicht von Fremden angefasst werden – gleich gar nicht im Gesicht. Er zwickte einem Mann, der mich auf unserer Tour ansprach und ihm die Nase streicheln wollte, direkt in den Oberschenkel. Ich wollte im Erdboden versinken und entschuldigte mich mehrfach. Der gute Mann nahm es zum Glück gelassen und ich passte in Zukunft auf. Ebenso fremdelte Jux und reagierte empfindlich auf die Energien anderer Menschen. Mit mir alleine auf Tour war er ein braver, zufriedener Engel, aber auf dem Reitplatz und unterwegs mit Wanderfreunden, konnte es unter Umständen anstrengend werden.

Als Tierheilpraktikerin sorgte ich natürlich für sein Wohl. Ich klärte alles ab, massierte, löste Blockaden, setzte Akupunkturnadeln und das Wanderpony nahm all dies dankend an.

Nach einem halben Jahr als Ponybesitzerin, im Januar 2020, erreichte ich den Gipfel der Ratlosigkeit mit Jux. Nach einem gepfeffertem Biss in den Finger und Stagnation auf dem Reitplatz, wo mir zu diesem Zeitpunkt eine erfahrende Freundin in der Freiarbeit nach Kenzie Dyslie half, bat ich die Pferdefrau Saskia Eubling um Hilfe. Sie ist nicht nur Trainerin und Therapeutin, sondern auch Tierkommunikateurin. Ich wollte und musste wissen, was mit Jux wirklich los war. Gab es ein zu bewältigendes Trauma oder Ängste? Hatte er Schmerzen? Lag es an mir? Was wünschte er sich? Fehlten ihm Gefährten in seiner Größe? Ich verstand nicht, warum ich ihn einerseits frei wie einen Hund laufen lassen konnte und er mir sichtlich vertraute, und mich den nächsten Moment plötzlich zwicken wollte, oder auf dem Platz blockierte.

Nach Saskias erste Kontaktaufnahme mit Jux, verkündete sie mir, dass er mich gerne in der Kommunikation bei sich haben wollte. Ich musste natürlich direkt schmunzeln, war berührt und wir fanden einen Termin. Am besagten Zeitpunkt setzte ich mich im Offenstall zu Jux ins Stroh. Die Schmusebacke erkundete jeden Winkel meiner Jacke und Haare, gab mir etliche sanfte Küsse mit seiner Schnute und schaute mir lange tief in die Augen. Ich spürte die Verbindung, die Liebe und kraulte meinen kleinen Fellfreund. Nach knapp einer halben Stunde wandte er sich ab und ging Heu mümpeln. Gespannt wartete ich auf Saskias Bericht.

Saskia erzählte von einer aufgeweckten Unterhaltung mit meinem fröhlichen Pony. Er fühlte sich wohl, gesund, genoss jeden Moment mit mir, liebt das Laufen, Wandern und Erkunden. Er hat mich gern für sich allein und ansonsten plagte ihn schreckliche Langeweile. Langeweile mit viel a – Laaaaangeweile. Er wolle toben, spielen und zwicken, mehr Spaß haben! Manchmal verstünde er mich nicht und hätte Angst, etwas falsch zu machen. Laute, unruhige Kinder und gestresste Menschen mag er nicht. Jux wiederholte mehrfach, wie wichtig im Spielen und Spaß sei, und er mich zu mehr Humor und Leichtigkeit animieren wolle. Saskia erklärte ihm, das er mit mir nicht wie mit einem Pferd spielen und mich zwicken könnte, sie mir aber seine Wünsche übermitteln würde.

Ich war natürlich berührt und erleichtert nach dieser Kommunikation, denn zum einen ging es Jux gut und zum anderen hatte ich jetzt etwas, worauf ich aufbauen konnte. Jux war also teils unterfordert und in anderen Bereichen überfordert. Saskia trug mir zudem auf, jede Situation in der Jux schnappte, zu analysieren. Was haben wir eben gemacht, wie habe ich mich bewegt, worauf hat Jux reagiert? Und aus welcher Motivation – Übermut oder Überforderung/Angst?

Saskia sagte mir: „Es liegt an dir zu erkennen, die Energie und Tagesform von Jux einzuschätzen, wenn du in den Stall kommst, dich flexibel danach zu richten und eure Zeit entsprechend zu gestalten. Es liegt an dir zu erkennen, wann und warum Jux zwickt. Es liegt an dir zu erkennen und es zu verändern.“

Das ist tatsächlich der beste Ratschlag, den ich je bekommen habe und an den ich mich heute noch halte, denn danach platzte der Knoten.

Jux brauch viel Abwechslung, Bewegung, Spiel, Spaß, Training in kleinen Schritten mit viel Lob und immer wieder Zeit mit mir allein. Ich fing an zu klickern und Jux lernte in Minuten hochmotiviert einfache Tricks. Ich erkannte unterschiedlichste Situationen, zBsp. wenn ich ihn an der Straße sehr kurz nahm, weil uns ein Auto überholte. Wir übten dann kleinschrittig mit viel Zuspruch und Ruhe. Wenn etwas nicht klappt, halte ich inne, erde mich, reflektiere und frage erneut.

Und so lösten sich Stück für Stück unsere Probleme. Jetzt, genau ein Jahr später, in dem neuen Stall ,wo Jux seine Freunde hat, mit denen er ausgiebig toben und zwicken kann, ist er noch ein ganzes Stück zufriedener, offener, wirkt angekommen und hat sich insgesamt so gut entwickelt. Ich bin natürlich stolz und und von Herzen dankbar für unseren Weg und die Hilfe, die wir bekommen haben. Jux, mein seliges Wanderpony.

Ich möchte hiermit authentisch und ehrlich zeigen, das nicht alle Wege immer sonnig und voller Glitzer sind. Ich möchte Mut machen und animieren, bei Problemen aller Art innezuhalten, zu überdenken und gegebenenfalls Neues auszuprobieren, denn wie Saskia so schön sagte– Es liegt an uns zu erkennen. Und dann wird auch alles gut. <3

Neue Wege

Hallo Ihr Lieben! Hier war es die letzten 2 Monate ruhig, denn wir hatten gut zu tun und den Kopf woanders – im neuen Stall, denn Jux ist zum 01. November umgezogen!

Die meisten Pferdebesitzer kennen das Thema sicherlich und haben eventuell schon Stallwechsel hinter sich. Jux steht seit ca 10 Jahren im selben Offenstall in Gesellschaft von Großpferden, zu dem ganz in meiner Nähe und es war soweit auch alles gut, doch stellte ich mir auch Fragen:

Was wollen wir als Pony-Mensch-Team erreichen? Welches Umfeld hilft uns, uns weiter zu entwickeln? Und vor Allem: Wie und wo kann ich Jux Wünsche und Bedürfnisse am Besten erfüllen? Ebenso hatte ich auch den Wunsch nach Gemeinschaft und Austausch mit erfahrenen und bei Bedarf helfenden Gleichgesinnten (z.Bsp. Thema Ausbildung Fahrpony).

Nach dem Gespräch mit einer guten Freundin und einem schicksalhaften kleinen Anstoß, ging dann auch alles ganz schnell. Mit einem weinenden und lachendem Auge ein letztes mal Grasen in unserem Garten und dann ging es es schon ab auf den Hänger. Der neue Stall ist nicht so weit weg, doch der Luxus vom Pony fast am Haus ist nun vorbei.

Mit Jux offener und neugieriger Art meisterten wir den Start im neuen Zuhause. Anfangs stand er getrennt auf dem Paddock, um die Herdeneingliederung so ruhig wie möglich zu gestalten. Und bereits am vierten Tag war Jux integriert und musste sich nun einfach einleben und den neuen Stallalltag kennenlernen. Den November haben wir weitestgehend die Seele baumeln lassen, alles in Ruhe kennengelernt und die Umgebung erkundet.

Uns erwartet ein wundervolles Gelände voller neuer Wege und Möglichkeiten, Ausflüge in der Gruppe oder alleine, Seen, ein riesiger Wald, Felder und Weite. In anderen Worten: mein Kopf ist voller Pläne und Touren! 😉

Und ich denke Jux ist auch ein Stück weit zufriedener. Er liebt die riesigen Koppeln, die er anfangs mehrfach hoch und runter galoppierte, vor Freude buckelnd und quiekend. Aber vor Allem sein Freund Funi, der junge Isländer-Wallach, mit dem er tobt und tollt, steigt, zwickt und einfach ausgelassen spielt, trägt ein großes Stück an seiner Freude bei. Meinen Ponymann so glücklich zu sehen, bedeutet mir natürlich alles und ich weiß, es war die richtige Entscheidung.

Nun haben wir im Dezember auch das Training für die Kutsche wieder aufgenommen und schon die ersten Runden vom Platz geschleppt. Hier geht es auch bald weiter und wir nehmen euch wieder auf unsere Abenteuer und die nächsten Touren mit.

Bis dahin wünschen wir euch einen guten Rutsch ins neue Jahr 2021!

Jux goes Kutsche & Gastbeitrag von Linda mit Willy

Wir starten unser Projekt Kutsche! Am Wochenende hatte ich meine erste Fahreinheit mit dem schönem Lewitzer Wallach Lascar meiner gleichnamigen Freundin Claudia und was soll ich sagen: Es war wunderbar und ich bin hochmotiviert! Ich durfte mir alles genau anschauen, schon fleißig die Griffe üben und Lascar im Schritt und Trab durch den Wald lenken. Mich hat das Kutschfieber gepackt. September kommt Jux sein Kutschgeschirr von Sieltec an und im Herbst dann hoffentlich die Gig, wo 2 Personen Platz finden.

Ich nehme weiter fleißig Unterricht, Jux übt am langen Zügel bis die kleine Kutsche kommt und dann gehen wir viele kleine Schritte in Richtung Verlass-Fahrpony. Ich gebe uns alle Zeit der Welt, die wir brauchen, denn es gibt vieles zu beachten und einen geeigneten Trainer, der mir vor Ort mit Jux an der Kutsche hilft, suchen wir aktuell auch noch.

Aber was gibt es überhaupt zu beachten, wenn man ein Pony einfährt? Was macht Kutsche fahren überhaupt so interessant? Im folgenden Text gibt die liebe Linda, die ihren Shetty-Wallach Willy Anfang des Jahres eingefahren hat, einen kleinen Einblick in ihre Pony-Welt. Linda habe ich über Instagram kennen gelernt und wir planen nächstes Jahr auch einen Treff mit unseren Zwergen.

Erzähl doch mal Linda, wer bist du und wie bist du aufs Pony gekommen?

Hy, ich bin Linda. Ich bin 28 Jahre alt und wohne in der wunderschönen Hauptstadt. Auf die Shettys bin ich durch einen harten Schicksalsschlag gekommen.

Im Jahre 2016 wurde bei mir die Autoimmunerkrankung Multiple Sklerose diagnostiziert. Zu diesem Zeitpunkt war ich mitten in der Ausbildung zum Pferdewirt Schwerpunkt Reiten. Die Ausbildung musste ich beenden, da ich auf Grund der Erkrankung nicht mehr in der Lage war noch weiterhin als Bereiterin tätig zu sein.

Meine privaten Reitpferde zogen bei mir aus und ich überlegte meinen Selbstversorgerstall daheim am Haus aufzulösen. Eine Bekannte bekam diesen harten Lebenswandel mit und fragte an, ob ich Ihre zwei Junghengste für die Körung vorbereiten könne. Ich verneinte. So war ich genau dafür nicht mehr gesundheitlich in der Lage. Am selben Tag noch brachte die Bekannte aber ihre Junghengste zu mir. Ich war ehrlich gesagt wütend. Dies änderte sich aber schlagartig, als zwei Minishettyhengste den Anhänger verließen. Natürlich wurden die zwei bei mir untergebracht und ich bereitete diese für ihre Körung vor.

Bei den Voruntersuchungen, kristallisierte sich bereits raus, dass beide nicht zugelassen werden. Der Falbe hatte Partellaprobleme und der Schecke war zu elastisch im Bewegungsapparat. Sie entsprachen nicht den Zuchtkriterien.

Daraufhin wurden diese zwei gelegt und sollten verkauft werden, nachdem ich beide eingefahren hatte. Für mich waren sie zu klein und hatten eine zu kurze Schrittlänge, um das sie als Distanzfahrponys bei mir hätten bleiben können. Einer ging in den Kutschfahrsport und der andere bringt Kindern das Reiten bei.

So entstand die Leidenschaft für Shettys und vor alledem für das Fahren. Konnte ich so trotz meiner Erkrankung weiterhin dem Pferdesport treu bleiben. 2018 machte ich mich auf die Suche nach einem Nachwuchs-Fahr-Shetty, mit dem ich in ein paar Jahren in den Distanzfahrsport einsteigen kann.

Durch Zufall fand ich meinen Willy Wonka. Ich kannte ihn schon, hatte jedoch nicht auf dem Schirm, dass dieser kleiner Lichtfuchs genau zu meinen Kriterien passt. Als Jährling kaufte ich ihn. So entsprach er sowohl vom In- und Exterieur genau meinen Vorstellungen. Er kommt aus einem guten Vaterstamm, welche ein sehr stabiles Fundament aufweist. Ich suchte bewusst ein Shetty des alten Schlages. Ich plante einen langlebigen, robusten Langstreckenläufer zu finden.

Schon als Jungspund fand ich ihn umwerfend. Doch seit er nun aus der Aufzucht bei mir ist, ist der kleine nicht mehr weg zu denken. Ich freue mich schon, wenn Willy und ich in 30 Jahren zusammen alt werden.

Wie bist du aufs Kutsche fahren gekommen? 

Durch meine Erkrankung kann ich den Reitsport nicht mehr ausüben. Das Distanzreiten war schon immer meine Passion. Ich musste mir also überlegen, wie ich mein Hobby weiterhin ausüben kann. So kam ich auf den Distanzfahrsport. Eine absolute Randgruppe der Randgruppe.

Ich suchte mir im Internet die Finger wund um jemanden zu finden, welcher mit einem Shetty an Distanzfahrten startet. Hoffte ich darauf, irgendwo Informationen, Tipps und Tricks auszutauschen.

Leider blieb ich recht erfolglos. Das war die Geburtsstunde meiner Homepage und meiner Instagram Seite rund um das Thema Distanzfahren mit Shetty.

Willy ist altersgerecht erst seit kurzem vor dem Sulky. Daher wird der Leser auf meiner Homepage von Anfang an und in Echtzeit bei der Ausbildung eines Distanzfahrshetty mitgenommen.

Ich sehe meine Erkrankung realistisch. Ich hoffe, dass ich weiterhin so gut mit ihr leben kann. Doch sollte es wirklich einmal schlimmer werden und ich vllt mal im Rollstuhl sitzen müssen, so habe ich ein perfekt ausgebildetes Fahrpony, welches auf meine Erkrankung hin ausgebildet ist und es bereits jetzt schon kennt, von einem Stuhl aus angeschirrt zu werden.

Wie bist du die Sache angegangen? Hast du einen Lehrgang belegt?

Anfangs musste ich mir erst einmal genau überlegen, was ich von meinem Fahrpony erwarte und auf was ich Wert lege. Ebenfalls musste ich mein Ausbildungsrahmengerüst erstellen, was wie in welcher Reihenfolge ausgebildet wird und was auf welche Teilausbildung aufbaut. Simpel gesagt, ich musste einen Plan haben, wie ich Willys Ausbildung angehen möchte um ein für mich perfekt ausgebildetes Fahrpony zu bekommen.

Das Fahren war Ausbildungsinhalt meiner Pferdewirtausbildung. Ebenfalls habe ich mich durch entsprechende Fachlektüre weitergebildet. Im Sommer 2021 möchte ich mit Willy an meinem Fahrlehrgang teilnehmen.

Wie bildest du dein Pony aus?

An aller erster Stelle möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass mein Ausbildungsweg des Fahrens nicht die klassische Fahrlehre nach Achenbach ist. Dies ist meine spezielle Ausbildung für ein Fahrpony, welches auf meine Handicaps angepasst ausgebildet wird.

Dies ist keine Anleitung fürs Nachmachen. Hat man keine Erfahrung wie man ein Fahrpferd ausbildet bzw. fährt, so sollte man es bitte in einem Ausbildungstall von Fachleuten ausbilden lassen.

Ich habe bewusst Willy nicht in einen Fahrstall gebracht um ihn einfahren zu lassen. Die klassische Fahrweise nach Achenbach ist mit meinen Langzeitzielen nicht immer konform.

Willy lernte von Anfang an zusätzliche Stimmenkommandos. Da ich ihn vorausschauend Behindertengerecht ausbilden möchte. So lernte er auch, dass ich ihn sitzend von einem Stuhl aus aufschirren kann. So musste er lernen, dass er auf Kommando sich entsprechend zu drehen und bei mir am Stuhl einzuparken hat. Es gibt ein Spezialkommando, bei welchem er sofort steht. Egal wo, egal wie und egal wie lang. Er lässt sich über Stimme lenken und auch rückwärts einparken auf Stimme kann er. Er lernte von Anfang an kennen, dass er beim Putzen ruhig stehen bleiben muss aber auch sich auf Kommando drehen muss, so dass ich nicht um ihn herum laufen muss.

Wie ist denn euer aktueller Trainingsstand?

Willy wurde Anfang des Jahres von mir eingefahren. Nach einer 4-Monatigen Ausbildung gab es 2 Monate Fahrpause für Ihn. In dieser Zeit ging es auf Wanderung, wir gingen viel ans Wasser und der Kleine konnte so das neu erlernte verarbeiten und sich entwickeln.

Seit gut einem Monat ist Willy nun wieder vor dem Sulky tätig. Die Pause tat ihn gut und seitdem trotzt er vor Motivation. Er ist Straßensicher, geht sowohl alleine mit mir auf Tour und auch Ausritte mit unseren Großpferden im Stall sind alles kein Problem für Ihn. Immer wieder sind die Warmblutreiter erstaunt, wie schnell doch solch ein Shetty werden kann. So ein Powerranger ist auch durchaus mal schneller als ein Dressurpferd. Strecken um die 10-17 km sind kein Problem für den Kleinen. Zurzeit befinden wir uns in den ersten Zügen des Dressurfahrens. Wir sind Teil einer Showquadrille in der Willy das einzige Fahrpferd ist. Dies ist ebenfalls eine vollkommen neue Erfahrung und natürlich meistert er dies wie ein alter Hase.

Welchen Typ Kutsche fährst du?

Eingefahren habe ich Willy mit einem Sulky Cavaletti Sport Edition. Ein nettes Einsteigermodell, welches für gemütliche Fahrten vollkommen ausreicht. Diesen verkaufte ich nach dem Einfahren, da ich für das Ziel Distanzsport ein sicheres, komfortableres und robusteres bevorzuge.

Eingezogen ist nun unser geliebter Maier Sport Sulky Komfort mit hoher Rückenlehne in der wunderschönen Farbe Türkis. Unser Sulky ist extra leicht gebaut worden und hat die perfekten Voraussetzungen für einen Jahrzehnte langen Einsatz im Distanzfahrsport.

Was ist dein Ziel/Motivation?

Ich habe mit Willy viele Pläne. Was das Fahren angeht, so habe ich den Traum mit Willy ab 2022 seine ersten Distanzfahrten zu starten und ich gehe stark davon aus, dass wir es bis zu den Langstreckenfahrten schaffen werden. Dieses Ziel ist sehr anspruchsvoll und wird viele Jahre dauern.

2022 ist Willy 5 Jahre alt. Dies ist das Mindestalter für die ersten Kurzstreckenfahrten.

Eine weitere Leidenschaft von uns ist das Wandern. Immer wenn es die Zeit zulässt, sind wir zu Fuß ganz Deutschland erkunden. Meist sind es Tages- oder Wochenendtouren. Mindestens einmal im Jahr jedoch geht es auf eine Langwanderung. Dieses Jahr waren wir 70 km durch Havelland wandern.

Ab dem nächsten Jahr werden wir beginnen mit sogenannten Wanderfahrten. Das sind Wanderritte aber nur mit Sulky statt Reitpferd. Geplant ist im Frühling 2021 eine 100 km Wanderfahrt durchs Barnimer Land. Mein Langzeitziel in diesem Bereich ist es, einmal durch alle Bundesländer Deutschlands gefahren/gewandert zu sein. Das Schöne an diesem Ziel ist, dass mich dabei meine beste Freundin mit ihrem Jungpferd begleitet und wir noch viele Jahre Zeit dafür haben.

Wie gefällt deinem Shetty das Fahren? 

Willy ist absolut „Fahrgeil“ wenn man es genau nimmt. Vom Naturell ist er sehr bedacht und verschwendet keine Energie zu viel. Es kommt regelmäßig vor, dass der Herr beim Anschirren gerne mal einpennt. Dann ist der Hals sooo schwer, dass dieser im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Boden absackt. Ich scherze dann immer gerne und sage: „Akku alle! Wer hat vergessen ihn an die Ladestation zu stecken?“ – Immer wieder ist das der Scherz des Tages bei uns im Stall. Die ganze Stallgemeinschaft ist schon herzhaft darüber am Lachen. Willy ist fertig aufgeschirrt und auch schon angespannt. Doch der Herr macht gerne noch ein Schläfchen. Es kommt dann nicht selten vor, dass Willy so gerne noch gute 10-15 Minuten mitten aufn Hof steht und pennt. Wir Stallleute nutzen diese Zeit gerne noch für eine gemütliche Trinkpause.

Bin ich jedoch aufgesessen und gebe ihn das Kommando zum Antreten, so ist das Pony auf 100% arbeiten gestellt. Dann wird sich ins Brustblatt gelegt und die Hinterhand fängt an zu schieben. Er ist immer regulierbar und fein in der Kommunikation. Es braucht nur leise Kommandos und der Powerranger macht Kilometer um Kilometer. Immer freudig schnaubend, den Kopf in der Luft und die kleinen Öhrchen sind auf Empfang gestellt. So will er nie ein Kommando für Galopp verpassen. Am aller liebsten saust er in Minitraber-Manier neben den Großpferden her und zeigt, dass diese kurzen Beine sehr Energiesparend Strecke machen können. Mit einem leichten Rennsulky geht das Flitzen umso leichter und der Kleine braucht mindestens Strecken von 15 km um sich ausreichend auszupowern. Lange Schrittrunden findet er mega öde und zeigt dies auch.

Dies ist übrigens auch der Grund, weshalb ich mir bewusst ein Shetty fürs Fahren ausgesucht habe. Sie haben das perfekte Größen-Kraftverhältnis. Durch ihre Größe sind sie vom Schwerpunkt so gelagert, dass sie aerodynamisch mit niedrigen Trittphasen möglichst viel Meter machen vor dem Sulky. Ein Warmblut muss für einen Schritt oder Tritt sein Bein höher heben als ein Shetty. Dadurch kann das Shetty in der gleichen Zeit wie ein Großpferd mehrere Schritte machen und ist so von der Raumgewinnung schneller und Energiesparender als ein Reitpferd. Dies Beispiel sieht man bei den Pferden zum Beispiel bei den Isländern.

Alles in Allen bin ich der festen Überzeugung, dass jedes Pferd Spaß vor der Kutsche hat, wenn es eine fundierte Ausbildung genossen hat und der Mensch mit Sachversand handelt.

Was denkst du, ist das Wichtigste beim Einfahren?

Nichts ist schlimmer als das sogenannte gefährliche Halbwissen. Immer wieder lese ich in den Sozial Media von Fahrunfällen oder Fahrproblemen. Sehr schnell stellt sich dann raus, dass kein Fachwissen vorhanden ist, oder die Gefahr des Kutschfahrsports unterschätzt wird. Die Leidtragenden sind dann immer die Vierbeiner. Wie oft sehe ich im Internet schlechtsitzendes Equipment oder gar gefährliche Konstruktionen. Ich denke, ein großer Anteil daran trägt die Seltenheit der Fahrer.

Ich persönlich lege sehr viel Wert auf die Sicherheit beim Fahren und auf eine gefestigte und fundierte Ausbildung des Fahrponys. Ich erwarte bei einem Fahrpferd, dass es gelassen und entspannt steht beim Putzen, Aufschirren, Anspannen, Abspannen und Abschirren. Dies ist die Säule der Sicherheit der Fahrer. Dieser Teil der Ausbildung wird gerne einmal übergangen.

Willy kennt das freie Putzen und Anspannen. Egal wo ich ihn parke. Auf das Kommando „Halt“ steht er egal wie, wo und wie lange. Es ist Pflicht, dass er auch beim Abspannen und Abschirren frei stehen bleibt. Egal wie viel Ablenkung herrscht. Beim Abschirren ist mein Ablauf, dass ich Brustblatt abnehme, zum parkenden Sulky laufe und es darauf ablege, wieder die paar Meter zu Willy gehe, das Sellet mit Hintergeschirr abnehme, es ebenfalls wegbringe und anschließend er immer noch an der gleichen Stelle steht. Das Geringste Rumzappeln oder Gewichtverlagern wird mit einem Strengen „HALT!!!“ gemaßregelt. Zappelt er immer noch so gibt es eine deutliche Ansage. Da bin ich auch ohne viel Getue direkt streng. Sicherheit geht vor. Und über dieses Thema diskutiere ich nicht mit meinem Pony, denn ieser Gehorsam kann lebenswichtig sein.

Hast du eine lustige Anekdote zum Thema Fahren, die du gerne teilen möchtest?

Mit Willy hatte ich schon so einige witzige Situationen vor dem Sulky. Ein Bespiel ist die ein „Shetty im Marianenweizengraben“ Story. Wieder einmal erreichten wir einen Feldweg, welcher auf einmal zu Ende war. Also hieß es in den Traktorspuren fahrend aus dem Feld wieder rauskommen. Der Weizen war jedoch so hoch, dass Willy vollkommen verdeckt wurde davon. Und wie soll es auch anders sein, natürlich wurde dies direkt von einem Mitreiter via Handy aufgezeichnet. Das Ende vom Lied war, das man nur noch eine lauthals lachende Linda sieht, welche wie ein weißer Hai aus dem Feld lugt und sich recht zügig voran bewegt und dabei lauthals das Lied vom weißen Hai summt.

Ab und zu Überrollen wir auch gerne mal ein umgefallener Baum oder ich öffne und verschließe eine Schranke im Wald wie bei den Reiterspielen nur vom Sulky aus. Dies sorgt immer gerne einmal für Belustigung meiner Mitreiter wenn Willy rückwärts an eine Schranke ranfährt, diese auf meinen Schultern ablege und vorwärtsfahre um sie zu öffnen. Sind alle Reiter durch, so fahre ich Rückwärts wieder an die Schranke ran, verschließe sie und fahre vorwärts von ihr weg.

Tipp zum Abschluss?

Ich kann nur an jedem Pferdemenschen appellieren, wenn ihr eurer Pferd oder Pony einfahren wollt, dann macht dies bitte nicht auf eigene Faust. Sucht euch einen Fachmann, der euch entweder begleiten kann oder euer Pferd ausbildet. Spart nicht am falschen Ende und lasst euch und euer Pferd sachgerecht ausbilden. Ihr wollt euren Partner Pferd doch noch lange erhalten und das Hobby gemeinsam ausüben.

Wo kann man euch denn verfolgen?

Alles rund um Willys Ausbildungsweg kannst du auf unserer Homepage www.wandern-mit-hund-und-packpony.de erfahren. Auch auf unserer Instagram –Seite @Wanderfahrshetty kannst du uns folgen und witzige Kurzfilme und Bilder von uns sehen und natürlich auch immer Fragen stellen. Ich freue mich auf jeden Austausch unter Pferdemenschen.

Urlaub am See

Hätte man mir vor 1,5Jahren gesagt, dass ich mal mit einem Pony in den Urlaub fahre, hätte ich wahrscheinlich gelacht. Und nun sitze ich noch etwas aufgeregt im Auto, lächle erleichtert Christiane an, denn Jux ist sicher verstaut im Hänger hinter uns, und wir starten unsere Fahrt ins Lausitzer Seenland. Wir, das sind meine 25 Jahre ältere Freundin Christiane mit ihrer Labrador-Hündin Pretty, meine 12-jährige pferdevirusinfizierte Nichte Aaliyah, meine Xolodame Sansa und mein Wanderpony Jux. Wir sind sicher ein Bild für die Götter.

Mein Plan war es ursprünglich zu wandern und im Zelt und Wanderreitstationen zu nächtigen. Doch in einer Woche käme ich nicht wirklich weit und keine Route konnte mich wirklich fesseln. Die Touren in der Nähe kann ich außerdem auch an einem langen Wochenende wandern.

Dann erzählte mir eine Freundin von Katharina Beyer und ihrer Ranch im schönen Seenland in der Lausitz . Ich stöberte auf ihrer Web und Facebookseite und war sofort verliebt und schrieb ihr eine Whatsapp Nachricht, worauf sie mich anrief. Nach 10 Minuten sehr netten Gespräch buchte ich für Jux einen Paddock für eine Woche. Christiane, ebenfalls begeistert, fand 5 Minuten Fussweg entfernt prompt eine hundefreundliche Ferienwohnung bei Familie Kasper. Meine Nichte war ebenfalls außer sich vor Freude, als ich ihr davon berichtete. Und so war es safe – wir fahren mit Pony & Co in den Urlaub!

Ich war aufgeregt vor dem Start und dem Verladen, aber Jux ging ohne Zögern in den Hänger. Die knapp 80km fahren wir gemütlich. Bei unserer Ankunft auf Katis Ranch werden wir freundlich von ihr und vielen neugierigen Pferdeaugen empfangen. Jux ist schnell aus dem Hänger und sieht sich neugierig um. Wir bekommen Paddock 1 zugewiesen und ich lasse Jux da erst einmal ankommen. Wir hatten vorher kommuniziert und ich hatte die Wahl zwischen ponygeeigneter magerer Wiesenkoppel oder Sand-Paddock mit Unterstand. Da Jux gerne auch mal ein Dach über dem Kopf hat und die Koppel zusätzlich mit Bretterzaun gesichert ist, wählte ich diese. Das Angebot gibt es mit Vollpension oder als Selbstversorger. Da wir viel am Stall sein werden, kümmere ich mich selbst um mein Pony (= Ausmisten, Heu und Wasser auffüllen). Die Ranch liegt direkt am Waldrand, von Seen umgeben und ist eine kleine natürliche Pferdeoase. Offenstallhaltung mit verschieden Koppeln und Padocks, ein Roundpen, eine gemütliche Sitzecke und entspannte, zufriedene Pferde verleihen dem Ganzen eine harmonische Atmosphäre. Jux, der in neuer Umgebung für gewöhnlich an mir klebt und mir eifrig hinterher wiehert, wenn ich auch nur mal das WC benutzen möchte, ist sehr entspannt in seinem Paddock, schaut, beschnuppert alles und begutachtet sein Heu. Er wirkt nach kurzer Zeit bereits angekommen. So fahren wir erst einmal zu unserer Unterkunft. Die Ferienwohnung von Familie Kasper ist gemütlich und sauber. Nach kurzer freundlicher Unterhaltung und Schlüsselübergabe, packen wir aus, versorgen unsere Hunde und trinken gemütlich Kaffee.

Danach gehen wir vereint zurück zum Stall. Jux begrüßt uns freudig und wir schnappen uns den Ponymann und gehen eine gemütliche Runde um den Ziegelteich spazieren. Direkt neben der Ranch gelegen, nur einen Katzensprung über die Straße, lockt der See mit weißem Sandstrand und Ostsee-Feeling. Es ist Sonntag und überraschenderweise nur ein Pärchen am Strand. So können wir direkt mit den Hunden und Pony ans Wasser gehen. Pretty, als waschechter Labrador ist nach einer Sekunde leinelos bis zu den Ohren im Wasser, Aaliyah versucht Sansa zu überzeugen, dass nasse Pfoten nicht dramatisch sind, ich stehe mit ¾ Jeans nach 5 Minuten bis zum Po im Wasser und lache über Jux, welcher wie ein Verrückter mit den Vorderbeinen planscht und sich anschließend am Strand wälzt, und Christiane hält lachend alles auf Kamera fest.

Wir umrunden den großen Teich, den ein schöner Trail umschlängelt, welcher perfekt zum Pferdetraining ist. Nach jeder Biegung offenbart sich uns ein neuer Blick auf das glänzende Nass und wir sind verzaubert von den schönen Farben und der Natur. Es gibt einige Angler am Teich, welche an diversen kleinen Buchten nach Beute fischen. Nach knapp 4 km sind wir am Ausgangspunkt angelangt und da es sehr warm ist, beschließen wir Jux zu versorgen und ihm Ruhe zu gönnen.

Als ich mit meiner Nichte gerade Jux putze und kraule, kommt eilig eine tief dunkle Gewitterfront über den Wald auf uns zu. Man hört es schon gefährlich am Himmel brummeln. Wir packen schnell unsere Sachen zusammen und können uns gerade rechtzeitig in den Hänger flüchten, welcher auf der Ranch geparkt ist und als Jux „Sattelkammer“ dient. Ein Starkregen wie aus Kübeln platzt über uns herein, es donnert und blitzt. Aus den Fenstern des offenen Hängers beobachten wir sicher und trocken das Spektakel und Jux, welcher den Po gegen den Wind hält und stoisch die Dusche erträgt. Robust wie Ponys sind, macht ihm der Regen nichts aus. Ich nehme Sansa auf den Arm und so stehen wir da gute 20 Minuten, reden und eigentlich fehlt uns nur eine Schokolade mit Sahne, um das Ganze abzurunden. Nachdem die Front weiter gezogen ist und die Sonne wieder scheint, leuchtet alles in herrlichen Farben und wir knipsen ein paar Bilder vom herrlichen Anblick. Danach geht’s zurück zur Fewo.

Am frühen Abend mit tiefer Sonne schauen wir noch einmal nach Jux, der nach wie vor entspannt ist. Das beruhigt mich natürlich ungemein und so kann ich mich ebenfalls fallen lassen. Christiane und ich wollen ein kleines „Feierabend-Radler“ mit Blick auf den See trinken und gehen dafür auf eine künstlich angelegte Anhöhe, welche im Winter mit Schnee sicher eine geniale kleine Rodelbahn darstellt. Ganz oben haben wir eine Bank entdeckt. Der Plan ist, Jux grast, wir genießen alle den Ausblick und die Abendsonne. Doch mein Pony denkt anders, die Freude sticht und der kleine Racker galoppiert, quiekend und buckelnd, eine Runde nach der anderen. Zuhause würde ich ihn jetzt in sicherer Umgebung frei laufen und ihn seine 5 Minuten austoben lassen, und ich weiß, das wünscht er sich jetzt, aber das mache ich hier nicht. Das Pony ist „an“ und so vergessen wir die Bank und gehen eine Mini Runde spazieren und lassen anschließend den Abend am Stall ausklingen. Jux grast und beäugt seine neuen Kollegen und wir stoßen auf einen ersten gelungenen Tag an. Prost!

TAG 2

Die nächsten 2 Tage sollen sehr heiß werden und so gehen wir am nächsten Morgen zeitig mit Jux und den Hunden eine kleine Runde durch den Wald spazieren. Meine Nichte kümmert sich hauptsächlich um Sansa, aber übernimmt natürlich streckenweise immer mal wieder das Wanderpony. Aaliyah ist sehr sensibel und fein im Umgang mit Pferden, doch gerade dies nutzt der rote Frechdachs auch gerne aus. Er ist das Typ Pferd, welches immer testet und angebotene Lücken von Unaufmerksamkeit gerne nutzt. So schulen wir gleich die Durchsetzungskraft und Führungsqualitäten meiner Nichte, welche strahlt, wenn das Wanderpony wie ein Engel brav mit ihr läuft und das saftige Grün neben sich ausblendet. Ich bin sehr froh und dankbar die selbe Leidenschaft und Erlebnisse mit Aaliyah teilen zu können.

Nach dem Wald gehen wir wieder an den Badestrand, erneut wenig besucht. Meine Nichte führt Jux und beide gehen direkt ins Wasser. Jux ist im Badeparadies: er planscht, wälzt sich im Wasser, wälzt sich im Sand, um dann wieder in den See zu gehen und von vorne anzufangen. Aaliyah geht mit Jux weiter ins Wasser, er folgt neugierig und eh sich beide versehen, wird es tiefer und sie schwimmen zusammen eine kleine Runde. Mein Herz hüpft während ich meine 2 Lieblinge dabei beobachte. Wir sind alle begeistert und genießen den Moment am See. Die Hunde toben am Strand und Christiane und ich halten unsere Füße ins Wasser.

Am Nachmittag lassen wir Jux ausruhen und gehen an einem der vielen Seen mit Hundestrand baden. Als ich dort ins Wasser gehe, folgt mir nun auch Sansa und schwimmt bis zu mir. Eine Wasserratte ist sie aber definitiv nicht – sie dreht sofort um und schaut mich am Ufer auffordernd an, sie dachte wohl mich retten zu müssen. Den Abend lassen wir wieder auf der Ranch ausklingen und meine Nichte verwöhnt und krault Jux an seinen Lieblingsstellen.

TAG 3

…ist der heißeste Tag der Woche mit über 30 Grad. Aaliyah und ich gehen zeitig mit Jux an den See planschen und eine kleine Runde im Ort spazieren. Danach fahren wir mit den Hunden an den Senftenberger See baden. Kati schickt mit gegen Mittag Stallpost via Whatsapp: Jux liegt ausgestreckt und schlafend mitten im Paddock. Am 3 Tag in neuer Umgebung mit Kids-Tagescamp auf dem Hof – ich bin begeistert! Mein Pony ist vollends angekommen und fühlt sich sichtlich wohl auf Katis wunderschöner Ranch.

Als wir spät vom Baden zurück sind, gehe ich alleine zu Jux, denn meine Reisegefährten sind alle k.o. Es hat bereits abgekühlt und Jux ist frisch und munter. Wir gehen eine kleine Runde durch den Wald und joggen einen Teil davon. Ich wähle einen neuen Weg und so kommen wir auf ein Stoppelfeld, über das und den Wald Hinweg uns die untergehende Sonne anstrahlt. Ich lasse Jux hier am Rand grasen und genieße die Stille und das Licht.

Den Rest des Weges gehen wir entspannt zurück. Im Stall angekommen, gibt mir Julia, eine total nette Pferdebesitzerin, Tipps zu lokalen Wanderwegen und sehenswerten Orten. Sie ist so lieb und sendet mir ihre getrackten Routen, so das ich die Strecken direkt kopieren kann und weiß, was uns erwartet. Local Guides wie Julia sind gold wert.

Da morgen der kühlste Tag der Woche werden soll, werden wir morgen gleich die längste Strecke unseres Urlaubs wandern und gleichzeitig Kilometer für Mut zur Strecke sammeln.

TAG 4

Da Pretty Herzkrank ist, geht Christiane heute alleine gemütlich an einen neuen auserwählten Hundestrand baden. Aaliyah und ich ziehen also zu Zweit in tierischer Begleitung los. Jux trägt seine Wanderpacktaschen mit ausreichend Wasser und unserem Proviant. Der Weg führt anfangs durch den Wald an der Ranch, dann über Feldwege, ein Stück an der Straße entlang, über Bahnschienen und wieder über Feldwege zurück in den Wald. Es ist leicht bewölkt und gutes Wanderwetter. Wir reden viel, Sansa und Jux laufen motiviert und brav mit und hier und da machen wir Halt zum Trinken und Fotos knipsen.

Rechts von uns taucht mitten im Wald eine alte Kaserne auf (denken wir zumindest). Wir laufen vorbei an hohen verfallenden und mit Graffiti besprühten Mauern, mit Wachtürmen und teilweise noch befestigtem Stacheldraht. Der Wald links von uns ist an manchen Abschnitten ebenfalls noch mit rostigem Stacheldraht eingezäunt, was wir unmöglich finden – als potentielle Verletzungsquelle für Wildtiere und Passanten. Nach einem Stück kommen wir an einen Eingang mit offenen Tor vorbei und wir erhaschen einen kurzen Blick auf diesen Lost Place – offensichtlich aus dem 2.Weltkrieg. Meine Nichte ist ganz Ohr und beeindruckt und erdrückt von diesem Stück dunkler Geschichte.

Weiter durch den Wald laufen wir direkt auf die Kriegsgräberstätte Nardt zu. Auf einer großen Wiese mitten im Wald reiht ein Grabstein an den anderen. Dies verleiht der Ruhestätte etwas amerikanisches. Ich laufe mit Jux und Sansa durch die Reihen und lese die lange Liste an Namen auf den Steinen. Am anderen Ende der Anlage steht ein großes Kreuz und eine Gedenktafel, welche wir interessiert lesen. Die vermeintliche Kaserne war das Gefangenenlager Elsterhorst, in dem etliche Menschen verschiedener Herkunft Leid erfuhren und den Tod fanden. Meine Nicht wirkt überwältigt von so viel Grausamkeit in einer so schönen Gegend und ich beantworte geduldig alle Fragen zum 2.Weltkrieg. Es scheint alles unvorstellbar, wo doch jeder Mensch im Grunde nach einem erfüllten und friedvollen Leben strebt. Wir ziehen schon bald weiter und lassen diesen geschichtsträchtigen Fleck zurück.

Schon ein kurzes Stück weiter erwartet uns das nächste Abenteuer – ein Flugplatz. Das dieser auf der Route liegt, wusste ich, aber wir müssen direkt an der Landebahn vorbei und die ist im vollen Betrieb! Segelflugzeuge starten und landen im Minutentakt. Jux prustet und wird schon von Weitem unruhig. Aber Jux der Gelassenheitsprofi lässt sich auch hier kontrollieren und mit ein paar Volten und Vorwärtsdrang bewältigen wir die Strecke recht gut. Mein Vorteil ist, das Jux generell an mir klebt, sich stark an mir orientiert und in Schreckmomenten auch zu mir gerannt kommt. Das heißt, wenn ich entspannt bin, dann ist es auch im Regelfall mein Wanderpony.

Erst vor uns, dann direkt neben uns und am Ende über unseren Köpfen hinweg, starten und landen die Flugzeuge. Was für ein Spektakel! Meine Nichte ist begeistert, fotografiert und filmt fleißig. Am Ende können wir sogar stehen bleiben und noch einen Moment in Ruhe zuschauen.

Das letzte Stück des Weges führt wieder durch den Wald. Wir machen wieder eine Pause und schnabulieren die letzten Vorräte der Packtaschen. Es ist jetzt früher Nachmittag, die Sonne scheint nun gnadenlos und wir möchten einfach nur noch eins – am See bei der Ranch ankommen, uns von allem befreien und baden. Ich bete innerlich für einen leicht besuchten Strand.

Endlich am See angekommen – nach 12,5km in 4,5 Stunden, treffen wir auf Katharina mit ihren Ferienkids, welche quietschvergnügt im Wasser planschen. Wir befreien Jux von seinen Taschen und geben uns der herrlichen Abkühlung hin. Jux trinkt ausgiebig, planscht kurz mit den Vorderbeinen und steht dann erst einmal bauchtief im Wasser und genießt.

Dann gibt es kein Halten mehr, der Labrador in ihm kommt zum Vorschein und wir schwimmen gemeinsam im See. Ein kleiner Traum geht in Erfüllung und dieser Moment wird eines meiner unvergesslichen Highlights. Wir umkreisen die Kids im Wasser, die von der Wasserratte auf Hufen begeistert sind und es folgt ein wilder Wechsel von Baden und Wälzen. Jux ist im Wahn und hat sichtlich Spaß. Sansa tobt am Strand und meine Nichte ist ebenfalls voll in ihrem Element.

So verbringen wir eine Stunde, bis Jux zur Ranch gehen möchte. Wir folgen Kati und den Kids mit nassen Sachen und versorgen Jux in seinem Paddock. Wir sind alle müde, aber glücklich und zufrieden. Wie gern hätte ich einen See bei uns Zuhause! Christiane gesellt sich zu uns und wir gehen dann zurück zum Strand, entspannen gemeinsam auf der Decke und tauschen uns über unsere Erlebnisse aus.

TAG 5

Heute kommt uns mein Partner Phil mit unseren anderen 2 Hunden Emma & Milow besuchen. Wir wollen alle gemeinsam zur sagenumwobenen Krabat-Mühle wandern. Die Krabat-Sage handelt von einem normal sterblichen Jungen der Region, welcher in dieser Mühle Zauberkräfte erlangte und diese überwiegend zu guten Zwecken einsetzte. Die Geschichten und Erzählungen sind wunderschön und fantasievoll. Sie begeistern Klein und Groß. Krabat bewegte sich im Raum zwischen Hoyerswerda und der Oberlausitz und es gibt verschiedene alte Schriften, die seine Existenz belegen. Die Mühle selbst ist ein Nachbau der Originalen, da diese im Jahr 1868 vollständig abbrannte. Es gibt sogar einen Film über Krabat mit gleichen Namen, mit Schauspielern wie Daniel Brühl in der Besetzung.

Wir sind alle neugierig und so starten wir gut gelaunt die kleine Wanderung durch den Wald zur nahe gelegenen Mühle. Jux ist mit am Start und ich bin guter Dinge, das er passieren darf.

Schon bald an der Krabat-Mühle Schwarzkollm angekommen, dürfen wir komplett in die Anlage eintreten. Während meine Nichte und Phil die Mühle erkunden, warten Christiane und ich mit den Tieren im Schatten. Auf dem Erlebnishof gibt es einen Rundweg mit vielen Tafeln und Interaktionen, die die Geschichte des Zauberlehrlings Krabat beschreiben. Enge Wege, Brücken, Passagen, viele Menschen, Kinder und andere Hunde – für Jux alles kein Problem. Er folgt mir brav, ruhig und gelassen. Ich bin mal wieder stolz auf den Ponymann, denn ich kann ihn für jede Aktivität begeistern! Sein Motto scheint das Selbe zu sein, wie das meiner Hunde – Hauptsache dabei!

Nach einem Erfrischungsgetränk, wandern wir gemütlich zurück, gönnen Jux den Rest des Tages Ruhe und gehen am Geierswalder See baden.

TAG 6 + 7

Unser letzter Tag – Morgen geht es zurück nach Hause. Da es die Tage mit über 30 Grad wieder sehr warm wird, wollen wir morgen Vormittag schon starten, damit wir nicht in die Mittagshitze kommen. Wir verbringen den heutigen Morgen am Stall und plaudern mit Katharina, welche uns zum Schluss noch ein kleines Bade-Leckerli beschert. Eine kleine Wanderung entfernt liegt der Grüne See mit kleinem Strand und herrlicher farbenfroher Kulisse.

Wir folgen der Wegbeschreibung und können unseren Augen kaum trauen, der kleine See mit seinen Farben ist einfach wunderschön. Wir genießen den Moment, machen Fotos, werfe Stöcke für die Hunde und auch Jux tobt sich wieder aus. Diese Location ist ein kleines Highlight und ein fabelhafter Abschluss für unseren Urlaub mit Pony. Wir sitzen am kleinen grünen See mit unseren Fellnasen und beschließen – nächstes Jahr kommen wir wieder! Es gibt noch viele Routen, Seen und Orte die wir erkunden möchten. Auch die Fahrräder möchten wir das nächste mal mitnehmen, einen kleinen Wanderritt machen und einfach mehr Zeit hier verbringen. Wie schön doch Sachsen ist und wie nah gelegen wir Erholung in der Natur finden können.

Die Heimreise erfolgt unproblematisch und Jux wird freudig wiehernd von seinen Stallkollegen begrüßt. Was würde ich geben, um Jux Erzählungen nun zu lauschen, denn er hat sicher eine Menge zu berichten.

Wanderung zum Hubertus Hof – Unsere 1. Tour mit Übernachtung

TAG 1

Es ist soweit – unsere erste längere Tour mit Übernachtung. Für den Anfang wähle ich die Luxusvariante: Für Jux gibt es einen Paddock voller Heu am Stall mit seinen Isi-Kumpels und ich habe das Gästezimmer meiner Freundin Renate gebucht. Die Tour geht zum 17km entfernten Hubertus Hof in Weinböhla, den Jux bereits von unserer Moritzburg-Wanderung kennt.

Um es uns leicht zu machen, habe ich vorab schon ein paar Sachen zu meinen Freunden gefahren, und so tragen wir nur das Nötigste und unser Proviant.

Wir starten Himmelfahrt am Morgen bei Sonnenschein und guter Laune. Wenn Jux die Packtaschen sieht, weiß er schon, das es auf längere Tour geht und beobachtetet mich dann erwartungsvoll beim satteln und packen, um dann hochmotiviert zu starten. So auch an diesem Tag.

Die Tour geht Anfangs durch die Ortschaft, den Wald und dann viele Feldwege und kleine Dörfer, eine große Landstraße und wieder ab in den Wald in Oberau, der uns dann direkt zum Hof führt.

Jux läuft motiviert und munter, er liebt neue Wege, ist unerschrocken und cool. Sogar als ein Zug in kurzer Entfernung vorbei rauscht, bleibt er einfach stehen und schaut interessiert. Wir machen viele kleine Pausen, da wo das Gras schön grün ist und wir Schatten haben, denn die Sonne scheint und es ist schon zeitig warm. Da Männertag ist, erwarte ich viele lustige Gruppen, aber tatsächlich begegnet uns nur eine einzige Männertruppe, der Jux verblüfft hinterherschaut. Die Landstraßenüberquerung machen wir problemlos.

Nach ca 5 gemütlichen Stunden kommen wir in Oberau an und machen erst einmal Picknick mit meiner Schwester und ihren 2 Kindern. Sie haben dort einen Garten und so genießen wir die Pause und ich den tollen Kaffee. Als Jux von einer Bremse oder Hirschlausfliege geärgert wird, schießt er einem Moment panisch los, bockt, schlägt aus und ist total außer sich. Ich kann ihn beruhigen, aber der genaue Auslöser bleibt mir unerkannt. Ein paar Meter grast er dann friedlich weiter, als wäre nichts gewesen. Meine Nichte macht große Augen: „Jux macht ja Rodeo wie ein wilder Mustang!“ Wir lachen und mutmaßen. Einer seiner Spitznamen ist „der rote Blitz“, denn Jux kann eine rennende kleine feurige Fellkugel sein, wenn er will und seine 5 Minuten hat.

Dann geht’s auch schon weiter. Es ist noch knapp eine Stunde Weg durch den Wald bis zum Stall. Meine Nichte Aaliyah und mein Neffe Romeo begleiten mich ein Stück. Voller Stolz führt meine 12-jährige Nichte das Wanderpony. Aaliyah ist selbst ein leidenschaftliches Pferdemädchen und liebt ihre Reitbeteiligung Black, das weiße Pferd meiner Freundin Romy, ohne Ende.

Die letzten Kilometer laufe ich alleine weiter und kurz darauf im Stall angekommen, werden wir schon mit Kaffee&Kuchen und Sekt von Renate und Jacky erwartet.

Wir bringen Jux mit seinen 3 Isländerfreunden auf die Koppel, sie begrüßen sich freudig und grasen prompt friedlich zusammen. Besonders der junge Funi und Jux verstehen sich gut. Wir schnattern, schauen den Pferden zu und ich ruhe meine Füße aus.

Später bringen wir die Pferde in den Offenstall, wo sie alle zusammen stehen sollen, füttern und füllen Heu auf. Die Herde ist ganz harmonisch und Jux tiefenentspannt. Er fühlt sich sichtlich wohl. Jackis kleine Tochter Frieda ist nun auch da und wackelt zwischen den Pferden umher. Ich beobachte sie erstaunt, denn der 3-Käse-Hoch ist ganz ruhig, bestimmt und selbstsicher, und die Pferde respektieren sie vollkommen. Sie hat so jung schon diese Energie und Aura, die es für Pferde braucht und ich bin mir sicher, sie wird mal eine tolle Pferdefrau. Auch bei Jux, der Kinder nur relativ toll findet – je nach Aufgeregtheitsgrad quasi, wendet sich der kleinen Frieda zu, die schwer in ihn verliebt ist, und lässt sich von allen Seiten umarmen, herzen und begutachten. Wir müssen schmunzeln und Jacky meint zwinkernd: „Frieda macht schon mal die Ankaufsuntersuchung!“

Als wir schon fast fertig sind, passiert es: Jux missachtet wiederholt Warnungen vom Herdenchef Klaufi, bis dieser explodiert und Jux seinen Platz aufzeigt – mit einer kurzer Jagd und einem Biss in den Po. Ich hatte so etwas leider befürchtet und für 2 Nächte auch keine Vergesellschaftung vorgesehen, doch die Pferde kennen sich ja und da alles so gut lief… Nun gut, ich habe als Tierheilpraktikerin immer meine Notfallapotheke dabei und gebe Jux Arnika Globulis. Bis auf einen blauen Fleck (und sein Ego), hat er zum Glück keinen Schaden genommen. Wir trennen die Gruppe, und Jux nächtigt mit Funi auf dem abgetrennten Teil des Paddocks. Es kehrt ruckzuck wieder Ruhe ein und das gut riechende Heu wird gemümpelt.

Wir machen uns auf zum Grillabend bei Renate und als wir später am Abend nochmal vorbeifahren, überraschen wir die 2 Füchse beim fröhlichem Spielen miteinander. Wir beobachteten die friedlichen Pferde noch eine Weile in der Abenddämmerung und machen uns dann selbst auf den Weg zurück und ins Bett.

TAG 2

Frisch mit Kaffee getankt sind wir zeitig am Stall und finden Funi liegend und Jux stehend und dösend bei ihm vor. Die 2 sind einfach zuckersüß zusammen!

Heute Vormittag wollen Jacky mit Funi und ihrer Tochter Frieda, Hund Lenny und ich zum Großteich wandern. Eine Pflegebeteiligung kommt mit Isländer Socki ebenfalls mit und ein Nachbarsjunge begleitet uns auch. Jux ist gut gelaunt und läuft energisch & neugierig neben mir her – mein kleines Duracell Wanderpony! Der Weg führt komplett auf weichem Sandboden durch den Wald – ein Traum. Am Teich angekommen, wird auch gleich eifrig geplanscht. Es gibt einen kleinen Strand, mitten im Schilf versteckt, mit einem kleinen Steg aus Steinen, was sehr praktisch ist – so bleiben meine Füße trocken. Jux beobachtet Funi, wie dieser sich im Wasser wälzt und macht Ansätze ihn zu kopieren, bis es dann wohl doch zu kalt am Bauch ist, aber die halben Pony-Kniebeugen, die er macht, sehen urkomisch aus. Wir lassen die Pferde grasen und machen ein kleines Picknick, bis wir auf einem anderen Weg zurück zum Stall gehen.Wir schaffen die Pferde für ein paar Stunden auf die Koppel, lassen Jux aber in einem abgetrennten Bereich, damit er in Ruhe grasen oder dösen kann.

Am Nachmittag gehen wir mit Renate und ihren 2 Hunden noch eine kleine Runde durch den Wald spazieren. Jux ist voller Energie, er hat offensichtlich Siesta gehalten. Renate fragt mich, ob Jux wirklich wie ein Hund folgt und immer bei mir bleibt, wie sie auf ein paar Videos von mir gesehen hat. Ich antworte mit: „Klar, der läuft nicht weg.“ und werfe Jux das Seil über den Rücken. Mein Pony schießt los und verschwindet im Stechtrab hinter der Anhöhe vor uns. Wir schauen uns erschrocken und überrascht an. Damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet. Ich rufe Jux wiederholt – nichts. Mein Herz rutscht nun doch in die Hosentasche, ich gehe in Gedanken die Karte durch und wann die nächste Straße kommt und sage zu meiner Freundin: „Ähm, ich renne dann mal lieber hinterher!“. Wie ich los sprinten will, fängt Renate aber schon an zu lachen. Jux schießt gerade im Affengalopp die Anhöhe wieder herunter, die pure Panik in seinen Augen – er sieht mich und rennt mir direkt in die Arme, so das ich mit dem Oberkörper auf ihn falle und ihn automatisch umarme – filmreif. „Mach das nie wieder!“, sage ich zu ihm und mein kleiner bester Freund brummelt aufgeregt und erleichtert. Renate läuft immer noch lachend weiter und sagt nur trocken „Cool, der läuft ja wirklich nicht weg!“. Ich muss nicht erwähnen, wie erleichtert und voller Liebe ich war, …und wie brav „bei Fuss“ Jux den Rest des Weges ging.

Den Spätnachmittag verbringen wir am Stall. Wir testen die Wippe auf dem Reitplatz (welche Jux wie ein wahrer Streber auf Anhieb meistert), er wälzt sich mehrfach genüsslich im Sand, beschnuppert sich mit Renates Pferd Kyra (welche ihn völlig uninteressant findet), und schauen Frieda und Jux beim Kuscheln zu. Jux hatte sie sogar mit einem Wiehern begrüßt, welches sie mit einem süßen, herzigen „ Juuuuuuux!!!“ beantwortete, um direkt zu ihm zu rennen und ihn zu umarmen. Es kommt nur auf die Energie an, denke ich mir und werde nicht fertig mit Staunen.

Wir gönnen uns ein Radler und genießen die schöne Atmosphäre auf dem Hof. Da es am Stall direkt eine Gaststätte gibt, sind wir gut versorgt. An diesem Abend nach der Heufütterung fängt leider auch Funi an, Jux zu schicken und zu jagen. Wir beobachten das Ganze eine Weile, in der Hoffnung das es sich beruhigt, doch das tut es leider nicht. Ich möchte kein weiteres Risiko eingehen und so stellen wir Funi zum Rest seiner Herde und Jux bleibt in dem schon abgetrennten Bereich des Paddocks für sich alleine. Er hat aber direkten Sichtkontakt zu seinen Isländer-Freunden. Sicher ist sicher, denn Pferde können sehr rabiat untereinander sein und für 2 Nächte müssen sie keine Rangordnung klären. So kann das Wanderpony außerdem genügend Ruhe finden und sich erholen, denn morgen geht es die 17km wieder zurück nach Hause.

TAG 3

Es hat die halbe Nacht geregnet und so begrüßt mich am nächsten Morgen ein nasses, aber gut gelauntes Pony. Shettys sind robust und wetterfest – das Wetter macht Jux also gar nichts aus. Ich binde ihn in der Stallgasse an, um wenigstens im Trockenem packen zu können, denn es regnet immer noch relativ stark. Jux ist etwas aufgeregt und steht kaum still. Ich beschließe seine Packtaschen hier zu lassen, um sie die darauffolgenden Tage abzuholen, und nur meinen Rucksack plus Regenponcho zu tragen.

Romy und ihr Pferd Black begleiten mich die Strecke bis nach Oberau. Ich berichtete bereits im Beitrag Heimatliebe über die Zwei. Ich warte mit Jacky und Renate vorm Stall, Jux grast noch etwas. Es regnet nicht mehr so stark. Da kommen sie auch schon geritten – gebisslos nur mit Knotenhalfter, Fellpad und Cowboyhut – ein tolles Bild, wie direkt aus der kanadischen Serie Heartland gesprungen! Wir plaudern kurz, drücken uns alle zum Abschied und dann laufen Romy und ich schon los. Im Morgen im Regen durch den Wald zu gehen hat eine eigene schöne Atmosphäre – es riecht wunderbar, alles ist so ruhig und pur. Ich berichte von meinen Erlebnissen und wir denken bereits wieder über nächste Touren nach. An einer Lichtung machen wir ein paar Fotos und Romy schwingt sich auf ihren hübschen Schimmel und ich knipse sie im Galopp. Wir sind uns sicher, das Black teils spanisches Blut hat, so anmutig wie er sich darbieten kann und voller Power loslegt– mit ca 30 Jahren!

Am Waldende verabschieden uns auch wir und Jux und ich laufen im leichten Nieselregen den Rest des Weges. Wir machen wieder mehrere kurzen Pausen und kommen zügig voran. Nach 17km und insgesamt 5 Stunden sind wir wieder Zuhause. So sind wir in 3 Tagen 45,95km gelaufen, die wir unserem Konto für Mut zur Strecke gutschreiben können.

Mein Fazit für unsere erste Tour mit Übernachtung ist: Jux ist ein geprüftes waschechtes Wanderpony! Cool, neugierig, offen und mit Spaß an der Sache voll dabei. Für seine Hufe werde ich Hufschuhe bestellen, denn mit dem ganzen asphaltierten Wegen und Schotterpisten, haben sie sich vorne doch etwas mehr abgenutzt.

Als nächstes Vorhaben steht die waschechte Outdoor-Übernachtungs-Variante an, mit der ich eigentlich unterwegs sein will: Ich mit Zelt und Jux mit einem mobilen Weidezaun-Paddock – alleine ohne Pferdekumpels. Seid gespannt – ich bin es auch!

Mut zur Strecke Challenge

Mut zur Strecke Herausforderung 2020 – Wir sind dabei!

Worum geht es? Die Challenge Mut zur Strecke wurde von Distanzreitern ins Leben gerufen, die aufgrund von Corona aktuell pausieren müssen. Mit der Aktion kann jeder für sich 160km sammeln, in seinem ganz persönlichen Rhytmus bis zum 01.12.2020. Vom Pferderücken aus oder wandernd – Jeder kann frei bestimmen, wie er die Kilometer sammelt. Mut zur Strecke soll verbinden, inspirieren und Mut machen.

Wir laufen die 160km bis zum 01.12.20 und tracken dabei via App alle Wanderungen ab 5km. Unsere kleineren täglichen Spaziergänge im Alltag zähle ich hier nicht mit. Auf Instagram werde ich alles im Feed und in den Stories teilen und hier im Blog über die größeren Touren und Fortschritte berichten.

Warum machen wir mit? Ende Mai 2019 lernte ich Jux kennen und genau einen Monat später kaufte ich ihn. Er war mollig, traurig und hatte den Hof schon lange nicht mehr verlassen. Schon bald ist er an meiner Seite, mit der Zuwendung und unseren Wandertouren, aufgeblüht. Der Wandel, den Jux in diesem Jahr gemacht hat, ist einfach wundervoll. Wenn ich alte Fotos ansehe, fällt mir das besonders auf – seine Augen leuchten jetzt, sein Fell glänzt, er ist fit und viel schlanker und er hat eine selbsbewusste Haltung erlangt. Mein Pony strahlt vor Glück. Doch wie vielen Ponys geht es heute noch so, wie es Jux vor einem Jahr ging? Ich kenne etliche Geschichten von Shettys und Minis, die ihr Dasein als Rasenmäher fristen, nicht artgerecht und/oder alleine gehalten werden oder zu klein geworden sind für ihre Reiter und nicht mehr bewegt werden und sich schlichtweg langweilen. Doch auch ein kleines Pony ist ein vollwertiges Pferd und möchte so behandelt werden.

Wir wandern die 160km sowieso, aber ich möchte mit der Schleife, die Jux sich dann verdient hat, ein Zeichen setzen. Für alle Shettys, für uns, für Jux Leben und sein Wandel – von 0 auf 160km quasi. 💕💮

Heimatliebe

Es ist Ostern, ich habe Urlaub und eigentlich wollte ich mit Jux meine erste Wanderung mit Übernachtung unternehmen. Doch dann kam Corona. Die geltenden Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen machen uns einen Strich durch die Rechnung. Nun gut, aufgeschoben ist ja bekanntlich nicht aufgehoben und so machen wir eben lokale Tagestouren.

Natürlich haben wir schon so manche Routen in unserer Umgebung getestet, haben unsere Lieblingsrunden und kennen unser Gebiet recht gut. Aber es gibt hier etliche Wanderrouten und hinter jeder Biegung, unauffälligem Pfad oder dem schlichten Feldweg kann die Landschaft schon anders aussehen oder sich ein schöner Weg offenbaren. Zudem wohnen wir, wie ich finde, in einer wunderschönen Gegend, die einfach zum Wandern generell, Reiten, Fahrradfahren und Laufen mit Tieren einlädt.

Diera-Zehren liegt mitten auf der sächsischen Weinstraße, welche sich von Pirna bis nach Diesbar-Seußlitz entlang der Elbe schlängelt. So haben wir quasi einen Weinberg neben dem anderen liegen, von einem verträumtem Weingut bis zum nächsten mit herrlichen Ausblick, ist es nicht weit. Dann haben wir die Elbe mit ihren schönen Ufern und Wiesen, den Radweg und den Göhrischfelsen, der sich auf der anderen Elbseite abhebt. Der Golkwald beginnt gleich ein Stück hinter unserem Haus und besitzt viele schöne unterschiedliche Wanderwege, mystische Heidengräber und den Nonnenstein. Der kleine Gosebach plätschert auch durch den Wald. Als kleines Dorf bzw Gemeinde gibt es hier natürlich auch unzählige Felder und schöne Wege, die praktisch immer wieder anders aussehen und sich von Dorf zu Dorf hangeln. Jux, Sansa und ich können quasi in jede Richtung laufen und haben ein vielfältiges Angebot an Landschaften, dazu alles Wander-und tierfreundlich, – ein Privileg.

Welche Wege und Routen kenne ich also noch nicht? Ich studiere bei Google Maps, einer Wander-App und diversen Fahrradtouren und Wanderreitkarten meine Möglichkeiten neue Wege zu erkunden. Die Winzerhöfe haben meist wunderschöne Anlagen und Wege und wir haben gleich 3 in unsere Nähe. Winzerhof Golk, am Wald gelegen und gleich um die Ecke, kennen wir bereits.

Das wunderschöne Schloß Proschwitz mit seiner großen Anlage, Weinbergen und schönen Ausblicken auf die Elbe und Meißen ist echt ein Traum und eine große Tagestour mit knapp 20km. Ich möchte mir diese tolle Wanderung aber aufheben, um sie mit Freunden zu teilen und zu genießen – wie guter Wein eben.

Und dann haben wir noch das Weingut Jan Ulrich in Diesbar Seußlitz, wessen Restaurant wir auch gerne besuchen. Durch diese Weinberge soll auch ein schöner Wanderweg führen und den werde ich als 1. testen.

Für Mitte April ist es gegen Mittag schon recht warm und da die Route nur etwas über 10km beträgt, erspare ich Jux das Gepäck. Sansa kommt natürlich auch mit. Wir starten am Elberadweg und biegen dann bald schon am Weingut Jan Ulrich an der ausgestellten Doppelspindelpresse in die Anlage ab. Seit über 25 Jahren werden hier auf 16 Hektar Rebfläche diverse Weinsorten angebaut. Die Tour durch die Weinberge wurde mir schon mehrfach empfohlen. Der schmale Weg führt aufwärts entlang an kleinen Steinmauern und wird anfangs von blühenden Obstbäumen gesäumt, dann aber bald von Reben und bunten Blumen abgelöst. Es ist früher Vormittag, ich höre nur Vögel singen und Jux kleines Hufgetrappel. Ich liebe diese Ruhe und die frohe Neugierde der Tiere, wenn wir neue Wege erforschen. Jux läuft dann auch gut frei ohne Strick mit und hat sichtlich Spaß – es wird geschaut, geschnüffelt, fix ins grüne Gras gebissen und schnell zu mir aufgeholt. Es ist so ruhig und idyllisch, das wir sogar ein Reh, welches in einem Gestrüpp ganz nah unentdeckt bei uns liegt, erst spät aufschrecken, um dann verzaubert hinterherzuschauen, wie es gemütlich davon springt.

Wir genießen den Weg durch die Anlage und laufen dann von Löbsal aus, über Felwege zurück in den Golkwald hinein. Jux kennt sich schon so gut aus, das er, als ich den falschen Weg an einer Lichtung abbiegen will, stehen bleibt und den Weg anschaut, welcher der Richtige bzw der Schönste nach Hause ist. Meinen Fehler, besser gesagt, weniger schönen gewählten Umweg, bemerke ich bald und staune nicht schlecht über mein Pony. Jux hat eben auch alle Qualitäten eines Großpferdes und kennt den besten Weg nach Hause.

Wir kommen mittags wieder an und während ich Kaffee schlürfe, Sansa einen Knochen kaut, grast Jux auf unserem Rasen – welchen er stolz seine ganz alleine Koppel nennen darf. Seinen Stall mit seinen Pferdekollegen sehen wir von hier aus, und ab und an blickt er hinüber, und ich schwöre, er grinst dabei.

Die anderen Tage machen wir mehrere kleinere bis größere Touren entlang der Elbe und durch den Wald, alles Routen die ich noch testen wollte und allesamt für gut befinde. Die größte Tour machen wir entlang des Sächsischen Fernreitweges, welcher am Golkwald entlang und über die Dörfer führt.

Richtung Naundörfel geht es komplett gesattelt und ausgestattet mit meinem Lieblingsduo Sansa & Jux durch den Wald, vorbei an Rapsfeldern und Rinderherden. Vor Letzteren hat Jux Respekt. Er wird aufgeregt und die kleine Hufen werden flink, aber er bleibt immer bei mir und händelbar. Das erste Mal, als wir auf Kühe getroffen sind, ganz am Anfang unserer Pony-Mensch-Beziehung, rollte Jux panisch die Augen, stieg und wollte sich losreißen. Zum Glück konnte ich ihn damals schnell beruhigen und mit Lob und ruhiger Art davon überzeugen, das eine Kuh nur eine Kuh ist. Der Ponymann ist von Haus aus ein neugieriger Typ und dieser Bonus kommt uns in solchen Momenten zu Gute. Vor den Rindern gab es im Wald aber schon die erste Prüfung – ein relativ großer umgestürzter Baumstamm mitten auf dem schmalen Weg. Unumgänglich lag er da, es hieß drüber steigen oder umkehren und einen anderen Weg gehen. Hop oder top dachte ich mir, entweder springt mein vollbeladenes Pony und folgt mir, oder eben nicht. Jux schaut verdutzt, denn der Stamm geht ihm bis zur Brust und Sansa und ich warten schon auf der anderen Seite. Das Pony, welches auf dem Reitplatz sogar nicht gerne springt, kalkuliert, schaut und springt mit einem Riesensatz gekonnt darüber. Ich juble ihm zu, lobe und baue in Gedanken schon einen Freispringparcour für ihn – vielleicht hat es ja etwas in ihm motiviert.

Hinter dem Naundörfel in einem kleinen Wäldchen auf der Winzerwiese treffe ich mich mit meiner Freundin Romy, ihrem Schimmel Black und Hund Martini. Wir laufen einen kleinen Teil der Strecke zusammen und testen die Harmonie unseres Wanderteams, da wir zukünftig auch zusammen mal loslaufen wollen. Wir wandern ein Stück und lassen die Pferde grasen. Wir haben uns quasi in der Mitte kurz getroffen, bevor jeder den Heimweg antritt. Romy und ihr fast 30 jähriger Black sind schon ein Leben lang, seit ihrer Kindheit, zusammen und ein ganz tolles Team. Er wurde ihren Eltern damals als viel älter, turniergängig und pechschwarz verkauft, daher der Name. Doch das Pferdchen vom Händler war quasi roh, blutjung und wechselte nach einiger Zeit die Fellfarbe, denn Schimmel werden schwarz geboren. So erlebten die Zwei viele Abenteuer und sind das Dreamteam, welches sie heute sind. Wir verabschieden uns, schmieden Pläne und Videochatten noch ein Stück auf dem Heimweg miteinander. Es ist sehr warm an diesem Tag und nach 17km zurück im Stall, sind wir alle selig und müde.

Wir lieben die Ruhe auf unseren Touren zu Dritt, aber geteilte Freude ist bekanntlich doppelte Freude und so plane ich die erste Tour mit Übernachtung und Freunden nun für Mai. Ich bin gespannt und freue mich schon darauf!