Wanderung zum Schloss Moritzburg

Ich hab mich auf diesen Tag gefreut. Meine erste Wanderung mit Freunden und anderen Pferden und zugleich unsere erste gemeinsame Fahrt mit dem Hänger. Ich selber besitze weder den Führerschein für einen Pferdehänger, noch habe ich einen, aber meine gute und erfahrene Freundin Reni holt mich & Jux ab. Den Hänger habe ich mir von einer lieben Nachbarin geliehen. Jux geht brav und zügig auf den Hänger und wir fahren los. Start ist auf dem Hubertus Hof in Weinböhla, wo Reni ihre schöne, große, dunkle Stute Kyra stehen hat. Ebenfalls begleiten uns Jacki und ihre 3 Isländer Klaufi, Sokki & Funi. Die Reitbeteiligung Manuela und Beagle Lenny kommen auch mit. Auf dem kleinen feinen Hof mit Offenstall angekommen, lasse ich Jux erst einmal auf dem Reitplatz laufen, schauen und entspannen. Neugierig beäugen sich die Pferde, während wir ein Gläschen Sekt zur Begrüßung trinken. Dann wird fix geputzt, der leicht gefüllte Wanderrucksack umgeschnallt und schon laufen wir los und verschwinden im Wald.

Die Wanderwege sind anfangs sehr matschig und die Ponys müssen schauen, wo sie ihre Hufe setzen. Auch ein paar kleine Hopser über große Pfützen sind dabei. Jux ist konzentriert und arbeitet sich gut durch. Sein Rucksack verrutscht ein paar mal, bis ich das Gewicht bzw die Möhren besser in den Taschen verteile. Die Pferde beschnuppern sich im Laufen immer mal wieder und mein kleiner Zwerg ist ganz angetan von seinen neuen Freunden. Wir machen ein paar kurze Pausen, wandern entspannt und dann sind wir auch schon am Schloss Moritzburg.

Das traumhafte Schloss aus dem 18. Jahrhundert, welches vor allem aus dem Märchen „3 Haselnüsse für Aschenbrödel“ bekannt ist, ist auch an diesem Tag gut besucht und so laufen wir am hinteren Teil um den großen Schlossteich herum. Unsere 5 Pferde laufen entspannt an Kutschen und Touristen vorbei, unbeeindruckt von der Kulisse und dem Trubel. Ein netter Mann macht ein Gruppenbild von uns und Leute sprechen uns neugierig an.

Wir laufen weiter zum Fasanenschlösschen und Leuchtturm, aber auch dieser ist so gut besucht, das wir hier keinen großen Stopp machen und uns eine Stelle am Großteich suchen, wo die Pferde in Ruhe trinken können. Kyra planscht begeistert mit den Vorderbeinen im Wasser und Jux beobachtet sie dabei. Keine 2 Minuten später probiert er es selber aus und findet schnell Spaß an dem neuen Spiel. Wir müssen herzhaft Lachen. Als nächstes suchen wir uns eine große Wiese, wo die Pferde grasen und wir etwas von unserem Proviant Naschen können.

Dann geht es auch schon auf den Rückweg wieder durch den Wald und über Felder, vorbei am Dippelsdorfer Teich. Jux und Funi, der 4 jährige Isländer-Fuchs, welcher aktuell mitten in der Jungpferdeausbildung steckt, verstehen sich wunderbar. Jacki und ich laufen eine gute Strecke nebeneinander und sie erzählt mir von ihren Pferden. Klaufi (22 Jahre) und der Schecke Sokki (20) sind gebürtige Isländer und sie lernte beide vor vielen Jahren bei ihrem Aufenthalt auf der Insel kennen. Klaufi galt als schwieriges, kaum reitbares Pferd, da er quasi ohne Bremse einfach kopflos rannte – bis er seinen Reiter erfolgreich absetzte. Der lokale Guide sah etwas in Jacqueline und setzte sie auf das wilde Pferd. Klaufi rannte los wie immer, nur setzte er Jacki nicht ab, sondern er wurde nach einer Weile ruhiger, lies sich lenken und die Geschwindigkeit drosseln. Von da an ritt sie ihn jeden Tag. Zurück in der Heimat dauerte es ein halbes Jahr, bis sie in Island anrief, um nach Klaufi zu fragen – um am Telefon zu hören, das der Guide seit Monaten auf ihren Anruf wartete und wusste das beide einfach zusammen gehören. So wurde aus dem wilden Klaufi, das ruhige liebevolle Therapiepferd, welches er heute ist, denn Jacqueline Knöpfel ist Reitpädagogin und Therapeutin auf dem Hubertus Hof in Weinböhla – Reitpädagogik Tollpatsch – und fördert mit ihren 3 Pferden Kinder und Erwachsene, therapeutisch und spielerisch, gibt Reitunterricht und Nachhilfe für die Schule.

Nach 24km sind wir zurück im Stall, alle müde, aber glücklich. Wir verpflegen zuerst die Pferde, es gibt Müsli, Möhren und Heu und es wird sich ausgiebig gewälzt. Mit zufriedenen entspannten Pferden, welche uns von ihren Paddocks aus im Auge halten, gönnen wir uns leckeren, von Renate gebackenen, Kuchen und Kaffee. Meine Füße schmerzen – ich habe leider die falschen Schuhe getragen und auch Jux brauch bald Hufschuhe, noch bevor wir im Spätfrühling unsere mehrtägige Tour starten. Wir genießen die Nachmittagssonne und träumen direkt von den nächsten Routen und möglichen Wegen und Stationen. So schnell hat mein kleines Wanderpony waschechte Reiter zum Wandern begeistert. Er hat das so toll gemacht und hatte sichtlich Spaß. Ich platze vor Glück und Stolz. Beim anschließenden Verladen zögert Jux und schaut immer wieder zu seinen neuen Freunden. Ich tröste ihn – keine Sorge kleiner Mann, ihr seht euch bald wieder.

Wanderung zum Schloss Seußlitz

In meiner schönen Heimat Sachsen sprießen alle paar Ortschaften verträumte Burgen und Schlösser aus dem Boden. So haben auch wir in Diesbar-Seußlitz, an der Elbe gelegen, das Barockschloss Seußlitz. Es ist umgeben von Weinbergen und liegt mitten im Naturschutzgebiet Seußlitzer Grund. Es wurde um 1250 vom Heinrich dem Erlauchten gebaut, besitzt eine eigene Kirche, einen Teich, wunderschöne Gärten und Skulpturen und ist einen Besuch wert. Der Kulturkreis Seußlitz pflegt ehrenamtlich die Anlage, da der aktuelle Besitzer das Schloss leider zunehmend verfallen lässt. Ich mag diesen Ort, welcher im Schlaf zu liegen scheint, sehr.

Ich schnappe mir mein kleines rotes Wanderpony. Die ganze Woche hat es immer wieder geregnet und heute soll sich die Sonne durchkämpfen. Ich möchte gleichzeitig Jux neue Packtaschen testen, welche er erst einmal Probe getragen hat. Das Thema Packsattel ist einen eigenen Beitrag wert. Für den Anfang und unsere Tagestouren mit leichten Gepäck, habe ich mich nun für den Shetty-Wanderrucksack von Tyson´s Breeches entschieden. Er besitzt ein bequemes Brustgeschirr, ein kleines Hinterzeug, damit nichts verrutscht, und Pauschen für optimale Wirbelsäulenfreiheit. Beim ersten kleinen Test hat Jux sich sehr wohl gefühlt und auch nach einer Strecke Trab saß noch alles an seinem Platz. Die Taschen bleiben heute noch leer und werden erst bei der nächsten Wanderung gefüllt.

So weit so gut. Wir laufen los und holen unsere Freundin Christiane mit ihrer Hündin Pretty ab. Der Weg zum Schloss führt entlang der Elbe auf dem Radweg, welcher im Sommer stark befahren ist, aber bei dem kalten Wind heute, haben wir ihn fast für uns allein. Wir laufen gemütliche 4 km vorbei an Weinbergen, Elbwiesen, Restaurants und kleinen Höfen. Das etwas stürmische Wetter macht meinem Wanderpony nichts aus. Jux ist ein sehr cooler Typ, der nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen ist. Kurz vor dem Schloss kommt dann endlich die Sonne raus.

Wir spazieren über die Anlage und Christiane fotografiert fleißig. Gärtner pflegen die Beete und schauen uns neugierig zu. Mein Lieblingsspot an einer kaputten Steintreppe mit dem Schloss und der Turmuhr im Hintergrund, wird zur Kulisse für das angehende Showpony. Ich habe erst vor kurzem mit dem Klickern begonnen und wir üben uns noch an den Basics. Jux ist sehr motiviert und entwickelt sich zum Streber. Da ich ihm unter anderem das Steigen beibringen möchte, hat er zuletzt gelernt, auf Kommando ein Vorderbein zu heben. Er lässt sich brav positionieren, bleibt ordentlich stehen und hebt seine kurzen Pummelbeinchen. Ich bin mega stolz! Jux klebt nicht an mir, und kann sich trotz fremder Kulisse auf mich konzentrieren. Ich bin happy.

Wir spazieren entspannt über die Parkanlage. Mehrmals muss ich Jux vom Wälzen abhalten, der sich nur zu gern dem weichem Sandboden der Wege hingeben würde. Ein kleiner Bach führt zum Teich und ich möchte schauen, ob Jux ihn mit mir überquert. Nö. Nicht mal ein Leckerchen kann ihn überzeugen. Ich muss einfach Lachen, so wie er mich anschaut. Laufen wir halt nebenher und benutzen dann die Brücke. Nach dem Schloss und vielen Fotos, setzen wir uns an der Elbe auf eine Bank, erfrischen uns, genießen die herrliche Sonne und lassen Jux grasen.

Auf dem Rückweg glitzern die Sonnenstrahlen auf der Elbe, Jux schnaubt entspannt und nach knapp 12km insgesamt sind wir zurück im Stall und das Wanderpony selig. Ich freue mich bereits auf den Frühling und unsere kommenden Touren.

Die Grüne Kutsche – vom Aussteigen und Leben

Mitte August 2019 gehe ich mit meinen Tieren und Freundin Christiane und ihrer Labradorhündin Pretty eine Runde an der Elbe spazieren. Es ist warm und die Fellnasen kühlen sich gerne im Wasser ab. Zurück im Dorf machen wir eine Entdeckung. Auf der großen Elbwiese vor dem Radweg stehen 2 große parkende Kutschen mit 9 grasenden Pferden davor, eine Ziege und eine vierköpfige Familie mit 2 Hunden, welche da offensichtlich campt. Wir sind neugierig, aber wollen nicht direkt überfallen und gehen erst einmal weiter.

Tage später sind sie immer noch da und ich lese das Schild „Heilpraktiker & Schmied“ an einen der Planwagen. Perfekt, denn Jux Hufe benötigen eine fachmännische Bearbeitung. Wir nähern uns und werden sofort freundlich begrüßt. Familie Schneiders stellt sich vor: Barbara, Daniel und ihre erwachsenen Kinder Sarah und Julian. Spontan können auch direkt Jux Hufe bearbeitet werden. Während Daniel professionell schneidet und raspelt und Julian assistiert, unterhalten wir uns alle ganz offen und angeregt. Familie Schneiders erzählt mir und Christiane, welche mich begleitet, das sie bereits seit über 2 Jahren mit ihren Kutschen und Tieren durch Deutschland reisen. Sie machen kurze oder längere Rast, dort wo es ihnen gefällt und haben schon so manches Abenteuer erlebt. Die Atmosphäre ist total schön – wir stehen im Schatten unter Bäumen, Grillen zirpen, Pferde schnauben und Familie Schneiders ist total herzlich, offen und ich habe das Gefühl, als würde man sich schon viel länger kennen, als eben 15 Minuten.

Früher arbeitete Daniel bei Siemens in Berlin und Barbara leitete ein Hotel, die Kids gingen zur Schule. Sie hatten eine Abmachung: Wenn sie kein echtes Lächeln mehr auf den Lippen tragen könnten, würden sie aussteigen. Als Sarah und Julian mit der Schule fertig waren, wagten sie es. Sie zogen gemeinsam los. Raus aus der Komfortzone, raus aus dem Hamsterrad und rein ins Leben. Was für ein Mut! Ich bewundere sie.

Jux Hufe sind fertig und wir trinken ein Glas Wasser zusammen. Mein kleines Pony ist fasziniert von Hazel, der Ziege. Hazel wurde per Hand von Barbara aufgezogen, sie rettete ihn und er ist wie ein Hund immer dabei. Ich unterhalte mich mit Daniel über alternative Heilmethoden und Reiki. Er möchte es sehen und bittet um eine Demonstration an Jux. Ich lege meine Hände auf den kleinen Ponymann, erkläre dabei was ich tue und wahrnehme. Daniel steht neben mir und sagt nun, was er empfindet. Er bestätigt mich in meiner Arbeit und sagt mir direkt, aber sanft, persönliche Sachen über mich und Themen, die ich noch aufarbeiten und loslassen darf. Ich muss spontan an Tamme Hanken denken, der ja auch eine Gabe hatte. Christiane und ich verbringen noch eine ganze Weile des Nachmittags bei der gastfreundlichen Familie und verabreden uns auf die kommenden Tage.

Wir besuchen die Aussteigerfamilie regelmäßig auf unseren Runden. Wir reden über Gott und die Welt, lauschen gespannt ihren abenteuerlichen Reisegeschichten, ich helfe Sarah beim Spanisch lernen, und wir schmunzeln über unsere Tiere. Jux ist schwer verliebt in die kleine Classic Pony Stute und lässt nichts unversucht. Aber sie hat wenig Interesse und bleibt lieber bei ihrem Kaltbluthengst, der von der eingezäunten Koppel aus eifersüchtig nach ihr ruft. Das schöne große Tier hält seine Herde zusammen und wir beobachten gespannt die Pferde in ihrem natürlichen Verhalten. Selbstverständlich achten wir auf Sicherheit und einen gesunden Abstand für Jux.

Mittlerweile hat sich der Aufenthalt der Lebenskünstler im Dorf herumgesprochen und es ist selten, das sie keinen Besuch haben. Jeder wird herzlich begrüßt und ist willkommen. Alle Fragen werden geduldig beantwortet und Kinder auf Wunsch kurz auf den Pferden spazieren geführt. Familie Schneiders schließt man einfach und schnell ins Herz.

Als sie ankündigen, das sie bald weiter gen Osten ziehen werden, beschließen wir einen gemeinsamen Grillabend zu machen. Nach Arbeit radle ich zu den Elbwiesen und verbringe einen wunderschönen Abend mit ihnen, Christiane und ein paar Anwohnern aus dem Dorf. Es wird gegessen, gelacht und munter unterhalten. Der Sonnenuntergang ist wunderschön, die Kulisse ein Traum. Der Moment ist magisch und unvergesslich. Ich verstehe Familie Schneiders. Losgesagt von allen Zwängen, frei und ungezwungen, sicher nicht immer leicht, aber 100% echt. Kein zermahlendes Hamsterrad, Träume und Wünsche hinten angestellt – im „Funktionieren-Modus“. Sie inspirieren mich und viele Leute und vielleicht traut man sich künftig einen Schritt raus der Komfortzone und lässt öfter mal einen Mut-Ausbruch zu und lebt seine eigenen unvergesslichen Abenteuer. Wir verabschieden uns und ich bin mir sicher, eines Tages sehen wir uns irgendwo wieder.

Bis dahin kann man Daniel, Barbara, Sarah und Julian bei Instagram und ihrem Blog unter https://gruenekutsche.weebly.com/ weiterhin verfolgen und ein Stück auf ihrer Reise begleiten.

Bald geht´s hier los!

Die Seite befindet sich im Aufbau und wird Stück für Stück gefüttert, gestaltet und vervollständigt. 🙂

Unter über uns und wir wollen wandern könnt Ihr schon etwas über meine Tiere, mich und unsere Projekte lesen.

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Viel Spaß und komm bald wieder vorbei. Wir freuen uns auf euch!

Jux, Sansa & Claudia