Tierkommunikation – der Weg des Verstehens

Vor gut einem Jahr veranlasste ich eine professionelle Tierkommunikation mit Jux, denn obwohl wir viel auf der sonnigen Seite des Weges wanderten, gab es ein paar wichtige Punkte, die etwas genauer betrachtet werden wollten.

Der Ponymann war damals gut ein halbes Jahr an meiner Seite und blühte immer mehr auf. Wir wanderten, spazierten und er genoss jede Tour in vollen Zügen. Es gab ein paar Gehorsamkeitsthemen, wie Hufe geben, angebunden ruhig stehen oder auf Druck weichen, die wir einfach im Alltag mit Ruhe und Wiederholungen übten und festigten.

Schon bald fing ich an, mit ihm auf dem Platz zu arbeiten: einfache Übungen der Bodenarbeit, Longieren, etwas Freiarbeit. Ab und an ließ ich Kinder aus dem engsten Kreis geführt reiten.

Bei „Arbeit“ merkte ich schnell, das Jux sich verschloss. So etwas wie Longiergurt anlegen und auf den Platz gehen, war Stress pur für ihn. Er war angespannt, sein Gesichtsausdruck sagte alles, er konnte nicht zuhören, explodierte schnell, stieg, schlug mit dem Kopf, rempelte mich an. Ich verlangte wenig, versuchte keinen Druck zu machen, mich klar auszudrücken und Ruhe zu vermitteln. Mein Erfolg war teils/teils – manche Dinge klappten gut und andere nicht. Und etwas Neues kam hinzu – Jux fing an zu schnappen und verpasste mir blaue Flecken. Ich wechselte Strategien, holte mir Hilfe, aber der Knoten wollte nicht platzen. Ich war ratlos.

Mir war klar, wir mussten uns erst kennenlernen. Nach den ersten Monaten fiel die Maske und Jux zeigte mir seine Baustellen und meine Defizite als Pferdefrau. Denn so grob und robust, wie er sein kann, so übersensibel und fein ist er wiederum. Zudem liest er meine Körpersprache genau. Ich muss mich also immer auf mich und Jux konzentrieren – je nach Tagesform eine kleine Herausforderung. Er ist ein Pferd, welches eine konstante Verbindung fordert und mich zu 100% spiegelt.

Es gab auch Situationen, die ich als Erfahrung buchte. Jux mochte nicht von Fremden angefasst werden – gleich gar nicht im Gesicht. Er zwickte einem Mann, der mich auf unserer Tour ansprach und ihm die Nase streicheln wollte, direkt in den Oberschenkel. Ich wollte im Erdboden versinken und entschuldigte mich mehrfach. Der gute Mann nahm es zum Glück gelassen und ich passte in Zukunft auf. Ebenso fremdelte Jux und reagierte empfindlich auf die Energien anderer Menschen. Mit mir alleine auf Tour war er ein braver, zufriedener Engel, aber auf dem Reitplatz und unterwegs mit Wanderfreunden, konnte es unter Umständen anstrengend werden.

Als Tierheilpraktikerin sorgte ich natürlich für sein Wohl. Ich klärte alles ab, massierte, löste Blockaden, setzte Akupunkturnadeln und das Wanderpony nahm all dies dankend an.

Nach einem halben Jahr als Ponybesitzerin, im Januar 2020, erreichte ich den Gipfel der Ratlosigkeit mit Jux. Nach einem gepfeffertem Biss in den Finger und Stagnation auf dem Reitplatz, wo mir zu diesem Zeitpunkt eine erfahrende Freundin in der Freiarbeit nach Kenzie Dyslie half, bat ich die Pferdefrau Saskia Eubling um Hilfe. Sie ist nicht nur Trainerin und Therapeutin, sondern auch Tierkommunikateurin. Ich wollte und musste wissen, was mit Jux wirklich los war. Gab es ein zu bewältigendes Trauma oder Ängste? Hatte er Schmerzen? Lag es an mir? Was wünschte er sich? Fehlten ihm Gefährten in seiner Größe? Ich verstand nicht, warum ich ihn einerseits frei wie einen Hund laufen lassen konnte und er mir sichtlich vertraute, und mich den nächsten Moment plötzlich zwicken wollte, oder auf dem Platz blockierte.

Nach Saskias erste Kontaktaufnahme mit Jux, verkündete sie mir, dass er mich gerne in der Kommunikation bei sich haben wollte. Ich musste natürlich direkt schmunzeln, war berührt und wir fanden einen Termin. Am besagten Zeitpunkt setzte ich mich im Offenstall zu Jux ins Stroh. Die Schmusebacke erkundete jeden Winkel meiner Jacke und Haare, gab mir etliche sanfte Küsse mit seiner Schnute und schaute mir lange tief in die Augen. Ich spürte die Verbindung, die Liebe und kraulte meinen kleinen Fellfreund. Nach knapp einer halben Stunde wandte er sich ab und ging Heu mümpeln. Gespannt wartete ich auf Saskias Bericht.

Saskia erzählte von einer aufgeweckten Unterhaltung mit meinem fröhlichen Pony. Er fühlte sich wohl, gesund, genoss jeden Moment mit mir, liebt das Laufen, Wandern und Erkunden. Er hat mich gern für sich allein und ansonsten plagte ihn schreckliche Langeweile. Langeweile mit viel a – Laaaaangeweile. Er wolle toben, spielen und zwicken, mehr Spaß haben! Manchmal verstünde er mich nicht und hätte Angst, etwas falsch zu machen. Laute, unruhige Kinder und gestresste Menschen mag er nicht. Jux wiederholte mehrfach, wie wichtig im Spielen und Spaß sei, und er mich zu mehr Humor und Leichtigkeit animieren wolle. Saskia erklärte ihm, das er mit mir nicht wie mit einem Pferd spielen und mich zwicken könnte, sie mir aber seine Wünsche übermitteln würde.

Ich war natürlich berührt und erleichtert nach dieser Kommunikation, denn zum einen ging es Jux gut und zum anderen hatte ich jetzt etwas, worauf ich aufbauen konnte. Jux war also teils unterfordert und in anderen Bereichen überfordert. Saskia trug mir zudem auf, jede Situation in der Jux schnappte, zu analysieren. Was haben wir eben gemacht, wie habe ich mich bewegt, worauf hat Jux reagiert? Und aus welcher Motivation – Übermut oder Überforderung/Angst?

Saskia sagte mir: „Es liegt an dir zu erkennen, die Energie und Tagesform von Jux einzuschätzen, wenn du in den Stall kommst, dich flexibel danach zu richten und eure Zeit entsprechend zu gestalten. Es liegt an dir zu erkennen, wann und warum Jux zwickt. Es liegt an dir zu erkennen und es zu verändern.“

Das ist tatsächlich der beste Ratschlag, den ich je bekommen habe und an den ich mich heute noch halte, denn danach platzte der Knoten.

Jux brauch viel Abwechslung, Bewegung, Spiel, Spaß, Training in kleinen Schritten mit viel Lob und immer wieder Zeit mit mir allein. Ich fing an zu klickern und Jux lernte in Minuten hochmotiviert einfache Tricks. Ich erkannte unterschiedlichste Situationen, zBsp. wenn ich ihn an der Straße sehr kurz nahm, weil uns ein Auto überholte. Wir übten dann kleinschrittig mit viel Zuspruch und Ruhe. Wenn etwas nicht klappt, halte ich inne, erde mich, reflektiere und frage erneut.

Und so lösten sich Stück für Stück unsere Probleme. Jetzt, genau ein Jahr später, in dem neuen Stall ,wo Jux seine Freunde hat, mit denen er ausgiebig toben und zwicken kann, ist er noch ein ganzes Stück zufriedener, offener, wirkt angekommen und hat sich insgesamt so gut entwickelt. Ich bin natürlich stolz und und von Herzen dankbar für unseren Weg und die Hilfe, die wir bekommen haben. Jux, mein seliges Wanderpony.

Ich möchte hiermit authentisch und ehrlich zeigen, das nicht alle Wege immer sonnig und voller Glitzer sind. Ich möchte Mut machen und animieren, bei Problemen aller Art innezuhalten, zu überdenken und gegebenenfalls Neues auszuprobieren, denn wie Saskia so schön sagte– Es liegt an uns zu erkennen. Und dann wird auch alles gut. <3

Die Grüne Kutsche – vom Aussteigen und Leben

Mitte August 2019 gehe ich mit meinen Tieren und Freundin Christiane und ihrer Labradorhündin Pretty eine Runde an der Elbe spazieren. Es ist warm und die Fellnasen kühlen sich gerne im Wasser ab. Zurück im Dorf machen wir eine Entdeckung. Auf der großen Elbwiese vor dem Radweg stehen 2 große parkende Kutschen mit 9 grasenden Pferden davor, eine Ziege und eine vierköpfige Familie mit 2 Hunden, welche da offensichtlich campt. Wir sind neugierig, aber wollen nicht direkt überfallen und gehen erst einmal weiter.

Tage später sind sie immer noch da und ich lese das Schild „Heilpraktiker & Schmied“ an einen der Planwagen. Perfekt, denn Jux Hufe benötigen eine fachmännische Bearbeitung. Wir nähern uns und werden sofort freundlich begrüßt. Familie Schneiders stellt sich vor: Barbara, Daniel und ihre erwachsenen Kinder Sarah und Julian. Spontan können auch direkt Jux Hufe bearbeitet werden. Während Daniel professionell schneidet und raspelt und Julian assistiert, unterhalten wir uns alle ganz offen und angeregt. Familie Schneiders erzählt mir und Christiane, welche mich begleitet, das sie bereits seit über 2 Jahren mit ihren Kutschen und Tieren durch Deutschland reisen. Sie machen kurze oder längere Rast, dort wo es ihnen gefällt und haben schon so manches Abenteuer erlebt. Die Atmosphäre ist total schön – wir stehen im Schatten unter Bäumen, Grillen zirpen, Pferde schnauben und Familie Schneiders ist total herzlich, offen und ich habe das Gefühl, als würde man sich schon viel länger kennen, als eben 15 Minuten.

Früher arbeitete Daniel bei Siemens in Berlin und Barbara leitete ein Hotel, die Kids gingen zur Schule. Sie hatten eine Abmachung: Wenn sie kein echtes Lächeln mehr auf den Lippen tragen könnten, würden sie aussteigen. Als Sarah und Julian mit der Schule fertig waren, wagten sie es. Sie zogen gemeinsam los. Raus aus der Komfortzone, raus aus dem Hamsterrad und rein ins Leben. Was für ein Mut! Ich bewundere sie.

Jux Hufe sind fertig und wir trinken ein Glas Wasser zusammen. Mein kleines Pony ist fasziniert von Hazel, der Ziege. Hazel wurde per Hand von Barbara aufgezogen, sie rettete ihn und er ist wie ein Hund immer dabei. Ich unterhalte mich mit Daniel über alternative Heilmethoden und Reiki. Er möchte es sehen und bittet um eine Demonstration an Jux. Ich lege meine Hände auf den kleinen Ponymann, erkläre dabei was ich tue und wahrnehme. Daniel steht neben mir und sagt nun, was er empfindet. Er bestätigt mich in meiner Arbeit und sagt mir direkt, aber sanft, persönliche Sachen über mich und Themen, die ich noch aufarbeiten und loslassen darf. Ich muss spontan an Tamme Hanken denken, der ja auch eine Gabe hatte. Christiane und ich verbringen noch eine ganze Weile des Nachmittags bei der gastfreundlichen Familie und verabreden uns auf die kommenden Tage.

Wir besuchen die Aussteigerfamilie regelmäßig auf unseren Runden. Wir reden über Gott und die Welt, lauschen gespannt ihren abenteuerlichen Reisegeschichten, ich helfe Sarah beim Spanisch lernen, und wir schmunzeln über unsere Tiere. Jux ist schwer verliebt in die kleine Classic Pony Stute und lässt nichts unversucht. Aber sie hat wenig Interesse und bleibt lieber bei ihrem Kaltbluthengst, der von der eingezäunten Koppel aus eifersüchtig nach ihr ruft. Das schöne große Tier hält seine Herde zusammen und wir beobachten gespannt die Pferde in ihrem natürlichen Verhalten. Selbstverständlich achten wir auf Sicherheit und einen gesunden Abstand für Jux.

Mittlerweile hat sich der Aufenthalt der Lebenskünstler im Dorf herumgesprochen und es ist selten, das sie keinen Besuch haben. Jeder wird herzlich begrüßt und ist willkommen. Alle Fragen werden geduldig beantwortet und Kinder auf Wunsch kurz auf den Pferden spazieren geführt. Familie Schneiders schließt man einfach und schnell ins Herz.

Als sie ankündigen, das sie bald weiter gen Osten ziehen werden, beschließen wir einen gemeinsamen Grillabend zu machen. Nach Arbeit radle ich zu den Elbwiesen und verbringe einen wunderschönen Abend mit ihnen, Christiane und ein paar Anwohnern aus dem Dorf. Es wird gegessen, gelacht und munter unterhalten. Der Sonnenuntergang ist wunderschön, die Kulisse ein Traum. Der Moment ist magisch und unvergesslich. Ich verstehe Familie Schneiders. Losgesagt von allen Zwängen, frei und ungezwungen, sicher nicht immer leicht, aber 100% echt. Kein zermahlendes Hamsterrad, Träume und Wünsche hinten angestellt – im „Funktionieren-Modus“. Sie inspirieren mich und viele Leute und vielleicht traut man sich künftig einen Schritt raus der Komfortzone und lässt öfter mal einen Mut-Ausbruch zu und lebt seine eigenen unvergesslichen Abenteuer. Wir verabschieden uns und ich bin mir sicher, eines Tages sehen wir uns irgendwo wieder.

Bis dahin kann man Daniel, Barbara, Sarah und Julian bei Instagram und ihrem Blog unter https://gruenekutsche.weebly.com/ weiterhin verfolgen und ein Stück auf ihrer Reise begleiten.