Das Kutschpony Jux & Augen auf beim Kutschenkauf

Der Frühling verging wie im Flug. Er war sehr arbeitsreich für mich, deswegen war es hier etwas ruhig, und lehrreich für Jux. Nun erzähle ich gerne, was wir diese letzten verregneten Monate alles angestellt haben. Natürlich stand ganz groß Kutsche fahren auf dem Plan.

Ich trainierte regelmäßig Fahren vom Boden im Winter mit Jux, drehte zahlreiche Runden mit ihm vor mir laufend durch den Wald und hörte ab und zu mal Kommentare wie: „Ey, Sie haben ja die Kutsche vergessen!“. Hinter dem motiviert trabendem Jux herlaufend (und schnaubend), hatte ich meist keine Luft zum Antworten.

Mit dem ersten ordentlichen Schnee seit Jahren, nutzte ich die willkommene Gelegenheit und spannte meinem Pony einen Schlitten an. Da wir „Schleppen“ (das heißt Sachen, wie eine kleine Palette, hinter sich her ziehen) auf dem Platz ausreichend geübt hatten, reagierte er sehr gelassen und schaute nur sehr verdutzt, als ich dann daran dachte, mich auch auf den Schlitten zu setzen. Ich wollte mich natürlich ziehen lassen – er ging aber keinen Meter. Nichts half, der Ponymann schaute mich verständnislos an. Beim nächsten Versuch kam ich mit Verstärkung. Die liebe Romy nahm Jux am Halfter, während ich strahlend auf dem Gefährt Platz nahm. Nach den ersten Schritten gingen bei ihm die Lichter an! Er zog fleißig und motiviert und trabte voller Eifer. Der Winter war herrlich, der Wald glich Winterwonderland und wir nutzten jede Gelegenheit zum Schlittenfahren. Wir hatten jede Menge Spaß und der Lern-und Spaßeffekt für Jux´ Entwicklung war grandios.

Als der Schnee Geschichte war, wurde es ernst. Ich hatte mir bereits im Herbst bei Ebay eine geeignete, gebrauchte Gig, also eine kleinen Zweisitzer mit einer Achse, ergattert und wir waren vom Stand so weit, das einem ersten Anspannen nichts im Wege stand. Zusammen mit meiner guten erfahrenen Freundin Renate spannten wir das kleine Kutschpony das erste mal an und liefen los.

Jux war, wie erwartet sehr entspannt, so stieg ich bald auf, während Renate am Halfter führte und ich mit Zügeln und Peitsche das Gespann lenkte. Unsere ersten Runden waren sehr sehr klein. Am Anfang ist alles neu und die Konzentration kurz. Wir passten uns Jux Bedürfnissen und Lernfortschritten an und machten so einige Übungsrunden, die Stück für Stück größer wurden. Auch hier kam dann bald der Tag, wo ich spürte, das nächste mal, können wir es alleine wagen. Unsere erste richtige Fahrt Anfang April war ebenfalls kurz, aber ein voller Erfolg! Jux verhielt sich brav und war fein an den Hilfen, als hätte er nie etwas anderes getan. Ich war und bin mächtig stolz auf ihn!

So fuhr ich nun regelmäßig Gig mit meinem Wanderpony, sofern es das Wetter und meine Zeit zuließen. Ich optimierte des öfteren das Geschirr, passte dies und das an. Unsere Touren betrugen nun meist um die 6 bis 8km und Jux war (und ist) am Liebsten im Trab unterwegs. Wir üben natürlich viel Ruhe und Stehen, denn das muss ein Kutschpony vor Allem tun können – gehorsam und brav überall stehen bleiben.

Dann hatten wir sehr viel Glück im Unglück. Am Ende einer schönen Fahrt, ein paar Meter vor dem Stall, brach mir wortwörtlich der Sitz unter dem Hintern weg. Jux lief gemütlich Schritt. Es gab einen Ruck, noch einen, ich stieg ab und der Sitz klappte nach hinten weg. Jux preschte erschrocken los – ich hatte keine Chance ihn zu halten. Gott sei Dank blieb er nach einigen Metern unversehrt wild schnaubend stehen. Da wir quasi bereits am Stall waren, spannte ich ihn in aller Ruhe und mit unserer gewohnten Routine einfach vor Ort ab. So beruhigte er sich schnell, blieb artig stehen und ich führte ihn zum Anbindeplatz auf den Hof. Er war komplett unversehrt, ebenso wie ich. Ein Hoch auf unsere Schutzengel! In voller Fahrt, oder gar mit Beifahrer, hätte diese Situation in einer Katastrophe enden können… Danach inspizierte ich die Gig genau und stellte fest, das eine Schweißnaht gebrochen war! Mein Mann hatte die Gig vorher überholt, ich vor jeder Fahrt jede Schraube kontrolliert, aber an den Schweißnähten hatte ich nun wirklich nicht gezweifelt. Sicherheit ist das Allerwichtigste beim Kutsche fahren! Die Gig ging ihn die Werkstatt und wurde wieder fahrbar und verkehrssicher gemacht. Aber mein Vertrauen war hin. Jux zeigte bei der nächsten Fahrt keine Folgen vom Schreck und war brav und fleißig wie eh und je, wofür ich ebenfalls unendlich dankbar bin. Doch ich selbst war innerlich gehemmt. Ich möchte aber frei und voller Freude Fahren und in Zukunft meine Ausflüge auch mit meinen liebsten Menschen teilen und dabei sicher, entspannt genießen können. Dies könnte ich aber nicht, wenn die Angst im Nacken mitfahren würde. So fuhr ich mit meiner lieben Abenteurerin Christiane kurzerhand in den Kutschenhandel Sachsen.

Nach einer ausführlichen freundlichen Beratung, Probesitzen, Rechnen und meinem Bauchgefühl folgend, kaufte ich im Mai eine kleine Ponykutsche. Einen so genannten sportlichen geländetauglichen Trainingswagen, 2-Achser mit Bremsen vorne wie hinten, vollelliptische Blattfedern, 130kg schwer, 115cm breit und Ein-, wie Zweispännig fahrbar. (So viele Eckdaten kann ich übrigens nicht über mein Auto erzählen…) Das Gefühl von Sicherheit und die absolute Freude gab´s gleich mit dazu. Jux hat natürlich nun ordentlich mehr zu ziehen (anstelle der 40kg, die die Gig wog), aber auch hier haben wir keine Eile und bauen Stück für Stück Kondition auf und arbeiten am Muskelaufbau.

Die ersten Fahrten mit der neuen Kutsche haben wir bereits gedreht und wie erwartet, erweist sich Jux als arbeitswilliges motiviertes Pony. Die Ausfahrten werden nun Stück für Stück etwas länger, seinem Trainingsstand angepasst. Die 10km Marke haben wir noch nicht geknackt beim Fahren. Wir haben noch viele unentdeckte Wege vor uns, denn das weitläufige tolle Gelände ist noch teilweise neu für uns. Wir haben Zeit und ich freue mich auf jede einzelne Fahrt mit Jux.

Natürlich waren und gehen wir auch weiterhin viel wandern, denn wir lieben ja die Abwechslung. Auf kommende große Touren und kleine sommerliche Abenteuer, nehme ich euch natürlich wieder mit. Auf Instagram könnt ihr uns in den Stories fast täglich begleiten – schaut mal vorbei.

Jux goes Kutsche & Gastbeitrag von Linda mit Willy

Wir starten unser Projekt Kutsche! Am Wochenende hatte ich meine erste Fahreinheit mit dem schönem Lewitzer Wallach Lascar meiner gleichnamigen Freundin Claudia und was soll ich sagen: Es war wunderbar und ich bin hochmotiviert! Ich durfte mir alles genau anschauen, schon fleißig die Griffe üben und Lascar im Schritt und Trab durch den Wald lenken. Mich hat das Kutschfieber gepackt. September kommt Jux sein Kutschgeschirr von Sieltec an und im Herbst dann hoffentlich die Gig, wo 2 Personen Platz finden.

Ich nehme weiter fleißig Unterricht, Jux übt am langen Zügel bis die kleine Kutsche kommt und dann gehen wir viele kleine Schritte in Richtung Verlass-Fahrpony. Ich gebe uns alle Zeit der Welt, die wir brauchen, denn es gibt vieles zu beachten und einen geeigneten Trainer, der mir vor Ort mit Jux an der Kutsche hilft, suchen wir aktuell auch noch.

Aber was gibt es überhaupt zu beachten, wenn man ein Pony einfährt? Was macht Kutsche fahren überhaupt so interessant? Im folgenden Text gibt die liebe Linda, die ihren Shetty-Wallach Willy Anfang des Jahres eingefahren hat, einen kleinen Einblick in ihre Pony-Welt. Linda habe ich über Instagram kennen gelernt und wir planen nächstes Jahr auch einen Treff mit unseren Zwergen.

Erzähl doch mal Linda, wer bist du und wie bist du aufs Pony gekommen?

Hy, ich bin Linda. Ich bin 28 Jahre alt und wohne in der wunderschönen Hauptstadt. Auf die Shettys bin ich durch einen harten Schicksalsschlag gekommen.

Im Jahre 2016 wurde bei mir die Autoimmunerkrankung Multiple Sklerose diagnostiziert. Zu diesem Zeitpunkt war ich mitten in der Ausbildung zum Pferdewirt Schwerpunkt Reiten. Die Ausbildung musste ich beenden, da ich auf Grund der Erkrankung nicht mehr in der Lage war noch weiterhin als Bereiterin tätig zu sein.

Meine privaten Reitpferde zogen bei mir aus und ich überlegte meinen Selbstversorgerstall daheim am Haus aufzulösen. Eine Bekannte bekam diesen harten Lebenswandel mit und fragte an, ob ich Ihre zwei Junghengste für die Körung vorbereiten könne. Ich verneinte. So war ich genau dafür nicht mehr gesundheitlich in der Lage. Am selben Tag noch brachte die Bekannte aber ihre Junghengste zu mir. Ich war ehrlich gesagt wütend. Dies änderte sich aber schlagartig, als zwei Minishettyhengste den Anhänger verließen. Natürlich wurden die zwei bei mir untergebracht und ich bereitete diese für ihre Körung vor.

Bei den Voruntersuchungen, kristallisierte sich bereits raus, dass beide nicht zugelassen werden. Der Falbe hatte Partellaprobleme und der Schecke war zu elastisch im Bewegungsapparat. Sie entsprachen nicht den Zuchtkriterien.

Daraufhin wurden diese zwei gelegt und sollten verkauft werden, nachdem ich beide eingefahren hatte. Für mich waren sie zu klein und hatten eine zu kurze Schrittlänge, um das sie als Distanzfahrponys bei mir hätten bleiben können. Einer ging in den Kutschfahrsport und der andere bringt Kindern das Reiten bei.

So entstand die Leidenschaft für Shettys und vor alledem für das Fahren. Konnte ich so trotz meiner Erkrankung weiterhin dem Pferdesport treu bleiben. 2018 machte ich mich auf die Suche nach einem Nachwuchs-Fahr-Shetty, mit dem ich in ein paar Jahren in den Distanzfahrsport einsteigen kann.

Durch Zufall fand ich meinen Willy Wonka. Ich kannte ihn schon, hatte jedoch nicht auf dem Schirm, dass dieser kleiner Lichtfuchs genau zu meinen Kriterien passt. Als Jährling kaufte ich ihn. So entsprach er sowohl vom In- und Exterieur genau meinen Vorstellungen. Er kommt aus einem guten Vaterstamm, welche ein sehr stabiles Fundament aufweist. Ich suchte bewusst ein Shetty des alten Schlages. Ich plante einen langlebigen, robusten Langstreckenläufer zu finden.

Schon als Jungspund fand ich ihn umwerfend. Doch seit er nun aus der Aufzucht bei mir ist, ist der kleine nicht mehr weg zu denken. Ich freue mich schon, wenn Willy und ich in 30 Jahren zusammen alt werden.

Wie bist du aufs Kutsche fahren gekommen? 

Durch meine Erkrankung kann ich den Reitsport nicht mehr ausüben. Das Distanzreiten war schon immer meine Passion. Ich musste mir also überlegen, wie ich mein Hobby weiterhin ausüben kann. So kam ich auf den Distanzfahrsport. Eine absolute Randgruppe der Randgruppe.

Ich suchte mir im Internet die Finger wund um jemanden zu finden, welcher mit einem Shetty an Distanzfahrten startet. Hoffte ich darauf, irgendwo Informationen, Tipps und Tricks auszutauschen.

Leider blieb ich recht erfolglos. Das war die Geburtsstunde meiner Homepage und meiner Instagram Seite rund um das Thema Distanzfahren mit Shetty.

Willy ist altersgerecht erst seit kurzem vor dem Sulky. Daher wird der Leser auf meiner Homepage von Anfang an und in Echtzeit bei der Ausbildung eines Distanzfahrshetty mitgenommen.

Ich sehe meine Erkrankung realistisch. Ich hoffe, dass ich weiterhin so gut mit ihr leben kann. Doch sollte es wirklich einmal schlimmer werden und ich vllt mal im Rollstuhl sitzen müssen, so habe ich ein perfekt ausgebildetes Fahrpony, welches auf meine Erkrankung hin ausgebildet ist und es bereits jetzt schon kennt, von einem Stuhl aus angeschirrt zu werden.

Wie bist du die Sache angegangen? Hast du einen Lehrgang belegt?

Anfangs musste ich mir erst einmal genau überlegen, was ich von meinem Fahrpony erwarte und auf was ich Wert lege. Ebenfalls musste ich mein Ausbildungsrahmengerüst erstellen, was wie in welcher Reihenfolge ausgebildet wird und was auf welche Teilausbildung aufbaut. Simpel gesagt, ich musste einen Plan haben, wie ich Willys Ausbildung angehen möchte um ein für mich perfekt ausgebildetes Fahrpony zu bekommen.

Das Fahren war Ausbildungsinhalt meiner Pferdewirtausbildung. Ebenfalls habe ich mich durch entsprechende Fachlektüre weitergebildet. Im Sommer 2021 möchte ich mit Willy an meinem Fahrlehrgang teilnehmen.

Wie bildest du dein Pony aus?

An aller erster Stelle möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass mein Ausbildungsweg des Fahrens nicht die klassische Fahrlehre nach Achenbach ist. Dies ist meine spezielle Ausbildung für ein Fahrpony, welches auf meine Handicaps angepasst ausgebildet wird.

Dies ist keine Anleitung fürs Nachmachen. Hat man keine Erfahrung wie man ein Fahrpferd ausbildet bzw. fährt, so sollte man es bitte in einem Ausbildungstall von Fachleuten ausbilden lassen.

Ich habe bewusst Willy nicht in einen Fahrstall gebracht um ihn einfahren zu lassen. Die klassische Fahrweise nach Achenbach ist mit meinen Langzeitzielen nicht immer konform.

Willy lernte von Anfang an zusätzliche Stimmenkommandos. Da ich ihn vorausschauend Behindertengerecht ausbilden möchte. So lernte er auch, dass ich ihn sitzend von einem Stuhl aus aufschirren kann. So musste er lernen, dass er auf Kommando sich entsprechend zu drehen und bei mir am Stuhl einzuparken hat. Es gibt ein Spezialkommando, bei welchem er sofort steht. Egal wo, egal wie und egal wie lang. Er lässt sich über Stimme lenken und auch rückwärts einparken auf Stimme kann er. Er lernte von Anfang an kennen, dass er beim Putzen ruhig stehen bleiben muss aber auch sich auf Kommando drehen muss, so dass ich nicht um ihn herum laufen muss.

Wie ist denn euer aktueller Trainingsstand?

Willy wurde Anfang des Jahres von mir eingefahren. Nach einer 4-Monatigen Ausbildung gab es 2 Monate Fahrpause für Ihn. In dieser Zeit ging es auf Wanderung, wir gingen viel ans Wasser und der Kleine konnte so das neu erlernte verarbeiten und sich entwickeln.

Seit gut einem Monat ist Willy nun wieder vor dem Sulky tätig. Die Pause tat ihn gut und seitdem trotzt er vor Motivation. Er ist Straßensicher, geht sowohl alleine mit mir auf Tour und auch Ausritte mit unseren Großpferden im Stall sind alles kein Problem für Ihn. Immer wieder sind die Warmblutreiter erstaunt, wie schnell doch solch ein Shetty werden kann. So ein Powerranger ist auch durchaus mal schneller als ein Dressurpferd. Strecken um die 10-17 km sind kein Problem für den Kleinen. Zurzeit befinden wir uns in den ersten Zügen des Dressurfahrens. Wir sind Teil einer Showquadrille in der Willy das einzige Fahrpferd ist. Dies ist ebenfalls eine vollkommen neue Erfahrung und natürlich meistert er dies wie ein alter Hase.

Welchen Typ Kutsche fährst du?

Eingefahren habe ich Willy mit einem Sulky Cavaletti Sport Edition. Ein nettes Einsteigermodell, welches für gemütliche Fahrten vollkommen ausreicht. Diesen verkaufte ich nach dem Einfahren, da ich für das Ziel Distanzsport ein sicheres, komfortableres und robusteres bevorzuge.

Eingezogen ist nun unser geliebter Maier Sport Sulky Komfort mit hoher Rückenlehne in der wunderschönen Farbe Türkis. Unser Sulky ist extra leicht gebaut worden und hat die perfekten Voraussetzungen für einen Jahrzehnte langen Einsatz im Distanzfahrsport.

Was ist dein Ziel/Motivation?

Ich habe mit Willy viele Pläne. Was das Fahren angeht, so habe ich den Traum mit Willy ab 2022 seine ersten Distanzfahrten zu starten und ich gehe stark davon aus, dass wir es bis zu den Langstreckenfahrten schaffen werden. Dieses Ziel ist sehr anspruchsvoll und wird viele Jahre dauern.

2022 ist Willy 5 Jahre alt. Dies ist das Mindestalter für die ersten Kurzstreckenfahrten.

Eine weitere Leidenschaft von uns ist das Wandern. Immer wenn es die Zeit zulässt, sind wir zu Fuß ganz Deutschland erkunden. Meist sind es Tages- oder Wochenendtouren. Mindestens einmal im Jahr jedoch geht es auf eine Langwanderung. Dieses Jahr waren wir 70 km durch Havelland wandern.

Ab dem nächsten Jahr werden wir beginnen mit sogenannten Wanderfahrten. Das sind Wanderritte aber nur mit Sulky statt Reitpferd. Geplant ist im Frühling 2021 eine 100 km Wanderfahrt durchs Barnimer Land. Mein Langzeitziel in diesem Bereich ist es, einmal durch alle Bundesländer Deutschlands gefahren/gewandert zu sein. Das Schöne an diesem Ziel ist, dass mich dabei meine beste Freundin mit ihrem Jungpferd begleitet und wir noch viele Jahre Zeit dafür haben.

Wie gefällt deinem Shetty das Fahren? 

Willy ist absolut „Fahrgeil“ wenn man es genau nimmt. Vom Naturell ist er sehr bedacht und verschwendet keine Energie zu viel. Es kommt regelmäßig vor, dass der Herr beim Anschirren gerne mal einpennt. Dann ist der Hals sooo schwer, dass dieser im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Boden absackt. Ich scherze dann immer gerne und sage: „Akku alle! Wer hat vergessen ihn an die Ladestation zu stecken?“ – Immer wieder ist das der Scherz des Tages bei uns im Stall. Die ganze Stallgemeinschaft ist schon herzhaft darüber am Lachen. Willy ist fertig aufgeschirrt und auch schon angespannt. Doch der Herr macht gerne noch ein Schläfchen. Es kommt dann nicht selten vor, dass Willy so gerne noch gute 10-15 Minuten mitten aufn Hof steht und pennt. Wir Stallleute nutzen diese Zeit gerne noch für eine gemütliche Trinkpause.

Bin ich jedoch aufgesessen und gebe ihn das Kommando zum Antreten, so ist das Pony auf 100% arbeiten gestellt. Dann wird sich ins Brustblatt gelegt und die Hinterhand fängt an zu schieben. Er ist immer regulierbar und fein in der Kommunikation. Es braucht nur leise Kommandos und der Powerranger macht Kilometer um Kilometer. Immer freudig schnaubend, den Kopf in der Luft und die kleinen Öhrchen sind auf Empfang gestellt. So will er nie ein Kommando für Galopp verpassen. Am aller liebsten saust er in Minitraber-Manier neben den Großpferden her und zeigt, dass diese kurzen Beine sehr Energiesparend Strecke machen können. Mit einem leichten Rennsulky geht das Flitzen umso leichter und der Kleine braucht mindestens Strecken von 15 km um sich ausreichend auszupowern. Lange Schrittrunden findet er mega öde und zeigt dies auch.

Dies ist übrigens auch der Grund, weshalb ich mir bewusst ein Shetty fürs Fahren ausgesucht habe. Sie haben das perfekte Größen-Kraftverhältnis. Durch ihre Größe sind sie vom Schwerpunkt so gelagert, dass sie aerodynamisch mit niedrigen Trittphasen möglichst viel Meter machen vor dem Sulky. Ein Warmblut muss für einen Schritt oder Tritt sein Bein höher heben als ein Shetty. Dadurch kann das Shetty in der gleichen Zeit wie ein Großpferd mehrere Schritte machen und ist so von der Raumgewinnung schneller und Energiesparender als ein Reitpferd. Dies Beispiel sieht man bei den Pferden zum Beispiel bei den Isländern.

Alles in Allen bin ich der festen Überzeugung, dass jedes Pferd Spaß vor der Kutsche hat, wenn es eine fundierte Ausbildung genossen hat und der Mensch mit Sachversand handelt.

Was denkst du, ist das Wichtigste beim Einfahren?

Nichts ist schlimmer als das sogenannte gefährliche Halbwissen. Immer wieder lese ich in den Sozial Media von Fahrunfällen oder Fahrproblemen. Sehr schnell stellt sich dann raus, dass kein Fachwissen vorhanden ist, oder die Gefahr des Kutschfahrsports unterschätzt wird. Die Leidtragenden sind dann immer die Vierbeiner. Wie oft sehe ich im Internet schlechtsitzendes Equipment oder gar gefährliche Konstruktionen. Ich denke, ein großer Anteil daran trägt die Seltenheit der Fahrer.

Ich persönlich lege sehr viel Wert auf die Sicherheit beim Fahren und auf eine gefestigte und fundierte Ausbildung des Fahrponys. Ich erwarte bei einem Fahrpferd, dass es gelassen und entspannt steht beim Putzen, Aufschirren, Anspannen, Abspannen und Abschirren. Dies ist die Säule der Sicherheit der Fahrer. Dieser Teil der Ausbildung wird gerne einmal übergangen.

Willy kennt das freie Putzen und Anspannen. Egal wo ich ihn parke. Auf das Kommando „Halt“ steht er egal wie, wo und wie lange. Es ist Pflicht, dass er auch beim Abspannen und Abschirren frei stehen bleibt. Egal wie viel Ablenkung herrscht. Beim Abschirren ist mein Ablauf, dass ich Brustblatt abnehme, zum parkenden Sulky laufe und es darauf ablege, wieder die paar Meter zu Willy gehe, das Sellet mit Hintergeschirr abnehme, es ebenfalls wegbringe und anschließend er immer noch an der gleichen Stelle steht. Das Geringste Rumzappeln oder Gewichtverlagern wird mit einem Strengen „HALT!!!“ gemaßregelt. Zappelt er immer noch so gibt es eine deutliche Ansage. Da bin ich auch ohne viel Getue direkt streng. Sicherheit geht vor. Und über dieses Thema diskutiere ich nicht mit meinem Pony, denn ieser Gehorsam kann lebenswichtig sein.

Hast du eine lustige Anekdote zum Thema Fahren, die du gerne teilen möchtest?

Mit Willy hatte ich schon so einige witzige Situationen vor dem Sulky. Ein Bespiel ist die ein „Shetty im Marianenweizengraben“ Story. Wieder einmal erreichten wir einen Feldweg, welcher auf einmal zu Ende war. Also hieß es in den Traktorspuren fahrend aus dem Feld wieder rauskommen. Der Weizen war jedoch so hoch, dass Willy vollkommen verdeckt wurde davon. Und wie soll es auch anders sein, natürlich wurde dies direkt von einem Mitreiter via Handy aufgezeichnet. Das Ende vom Lied war, das man nur noch eine lauthals lachende Linda sieht, welche wie ein weißer Hai aus dem Feld lugt und sich recht zügig voran bewegt und dabei lauthals das Lied vom weißen Hai summt.

Ab und zu Überrollen wir auch gerne mal ein umgefallener Baum oder ich öffne und verschließe eine Schranke im Wald wie bei den Reiterspielen nur vom Sulky aus. Dies sorgt immer gerne einmal für Belustigung meiner Mitreiter wenn Willy rückwärts an eine Schranke ranfährt, diese auf meinen Schultern ablege und vorwärtsfahre um sie zu öffnen. Sind alle Reiter durch, so fahre ich Rückwärts wieder an die Schranke ran, verschließe sie und fahre vorwärts von ihr weg.

Tipp zum Abschluss?

Ich kann nur an jedem Pferdemenschen appellieren, wenn ihr eurer Pferd oder Pony einfahren wollt, dann macht dies bitte nicht auf eigene Faust. Sucht euch einen Fachmann, der euch entweder begleiten kann oder euer Pferd ausbildet. Spart nicht am falschen Ende und lasst euch und euer Pferd sachgerecht ausbilden. Ihr wollt euren Partner Pferd doch noch lange erhalten und das Hobby gemeinsam ausüben.

Wo kann man euch denn verfolgen?

Alles rund um Willys Ausbildungsweg kannst du auf unserer Homepage www.wandern-mit-hund-und-packpony.de erfahren. Auch auf unserer Instagram –Seite @Wanderfahrshetty kannst du uns folgen und witzige Kurzfilme und Bilder von uns sehen und natürlich auch immer Fragen stellen. Ich freue mich auf jeden Austausch unter Pferdemenschen.