Urlaub am See

Hätte man mir vor 1,5Jahren gesagt, dass ich mal mit einem Pony in den Urlaub fahre, hätte ich wahrscheinlich gelacht. Und nun sitze ich noch etwas aufgeregt im Auto, lächle erleichtert Christiane an, denn Jux ist sicher verstaut im Hänger hinter uns, und wir starten unsere Fahrt ins Lausitzer Seenland. Wir, das sind meine 25 Jahre ältere Freundin Christiane mit ihrer Labrador-Hündin Pretty, meine 12-jährige pferdevirusinfizierte Nichte Aaliyah, meine Xolodame Sansa und mein Wanderpony Jux. Wir sind sicher ein Bild für die Götter.

Mein Plan war es ursprünglich zu wandern und im Zelt und Wanderreitstationen zu nächtigen. Doch in einer Woche käme ich nicht wirklich weit und keine Route konnte mich wirklich fesseln. Die Touren in der Nähe kann ich außerdem auch an einem langen Wochenende wandern.

Dann erzählte mir eine Freundin von Katharina Beyer und ihrer Ranch im schönen Seenland in der Lausitz . Ich stöberte auf ihrer Web und Facebookseite und war sofort verliebt und schrieb ihr eine Whatsapp Nachricht, worauf sie mich anrief. Nach 10 Minuten sehr netten Gespräch buchte ich für Jux einen Paddock für eine Woche. Christiane, ebenfalls begeistert, fand 5 Minuten Fussweg entfernt prompt eine hundefreundliche Ferienwohnung bei Familie Kasper. Meine Nichte war ebenfalls außer sich vor Freude, als ich ihr davon berichtete. Und so war es safe – wir fahren mit Pony & Co in den Urlaub!

Ich war aufgeregt vor dem Start und dem Verladen, aber Jux ging ohne Zögern in den Hänger. Die knapp 80km fahren wir gemütlich. Bei unserer Ankunft auf Katis Ranch werden wir freundlich von ihr und vielen neugierigen Pferdeaugen empfangen. Jux ist schnell aus dem Hänger und sieht sich neugierig um. Wir bekommen Paddock 1 zugewiesen und ich lasse Jux da erst einmal ankommen. Wir hatten vorher kommuniziert und ich hatte die Wahl zwischen ponygeeigneter magerer Wiesenkoppel oder Sand-Paddock mit Unterstand. Da Jux gerne auch mal ein Dach über dem Kopf hat und die Koppel zusätzlich mit Bretterzaun gesichert ist, wählte ich diese. Das Angebot gibt es mit Vollpension oder als Selbstversorger. Da wir viel am Stall sein werden, kümmere ich mich selbst um mein Pony (= Ausmisten, Heu und Wasser auffüllen). Die Ranch liegt direkt am Waldrand, von Seen umgeben und ist eine kleine natürliche Pferdeoase. Offenstallhaltung mit verschieden Koppeln und Padocks, ein Roundpen, eine gemütliche Sitzecke und entspannte, zufriedene Pferde verleihen dem Ganzen eine harmonische Atmosphäre. Jux, der in neuer Umgebung für gewöhnlich an mir klebt und mir eifrig hinterher wiehert, wenn ich auch nur mal das WC benutzen möchte, ist sehr entspannt in seinem Paddock, schaut, beschnuppert alles und begutachtet sein Heu. Er wirkt nach kurzer Zeit bereits angekommen. So fahren wir erst einmal zu unserer Unterkunft. Die Ferienwohnung von Familie Kasper ist gemütlich und sauber. Nach kurzer freundlicher Unterhaltung und Schlüsselübergabe, packen wir aus, versorgen unsere Hunde und trinken gemütlich Kaffee.

Danach gehen wir vereint zurück zum Stall. Jux begrüßt uns freudig und wir schnappen uns den Ponymann und gehen eine gemütliche Runde um den Ziegelteich spazieren. Direkt neben der Ranch gelegen, nur einen Katzensprung über die Straße, lockt der See mit weißem Sandstrand und Ostsee-Feeling. Es ist Sonntag und überraschenderweise nur ein Pärchen am Strand. So können wir direkt mit den Hunden und Pony ans Wasser gehen. Pretty, als waschechter Labrador ist nach einer Sekunde leinelos bis zu den Ohren im Wasser, Aaliyah versucht Sansa zu überzeugen, dass nasse Pfoten nicht dramatisch sind, ich stehe mit ¾ Jeans nach 5 Minuten bis zum Po im Wasser und lache über Jux, welcher wie ein Verrückter mit den Vorderbeinen planscht und sich anschließend am Strand wälzt, und Christiane hält lachend alles auf Kamera fest.

Wir umrunden den großen Teich, den ein schöner Trail umschlängelt, welcher perfekt zum Pferdetraining ist. Nach jeder Biegung offenbart sich uns ein neuer Blick auf das glänzende Nass und wir sind verzaubert von den schönen Farben und der Natur. Es gibt einige Angler am Teich, welche an diversen kleinen Buchten nach Beute fischen. Nach knapp 4 km sind wir am Ausgangspunkt angelangt und da es sehr warm ist, beschließen wir Jux zu versorgen und ihm Ruhe zu gönnen.

Als ich mit meiner Nichte gerade Jux putze und kraule, kommt eilig eine tief dunkle Gewitterfront über den Wald auf uns zu. Man hört es schon gefährlich am Himmel brummeln. Wir packen schnell unsere Sachen zusammen und können uns gerade rechtzeitig in den Hänger flüchten, welcher auf der Ranch geparkt ist und als Jux „Sattelkammer“ dient. Ein Starkregen wie aus Kübeln platzt über uns herein, es donnert und blitzt. Aus den Fenstern des offenen Hängers beobachten wir sicher und trocken das Spektakel und Jux, welcher den Po gegen den Wind hält und stoisch die Dusche erträgt. Robust wie Ponys sind, macht ihm der Regen nichts aus. Ich nehme Sansa auf den Arm und so stehen wir da gute 20 Minuten, reden und eigentlich fehlt uns nur eine Schokolade mit Sahne, um das Ganze abzurunden. Nachdem die Front weiter gezogen ist und die Sonne wieder scheint, leuchtet alles in herrlichen Farben und wir knipsen ein paar Bilder vom herrlichen Anblick. Danach geht’s zurück zur Fewo.

Am frühen Abend mit tiefer Sonne schauen wir noch einmal nach Jux, der nach wie vor entspannt ist. Das beruhigt mich natürlich ungemein und so kann ich mich ebenfalls fallen lassen. Christiane und ich wollen ein kleines „Feierabend-Radler“ mit Blick auf den See trinken und gehen dafür auf eine künstlich angelegte Anhöhe, welche im Winter mit Schnee sicher eine geniale kleine Rodelbahn darstellt. Ganz oben haben wir eine Bank entdeckt. Der Plan ist, Jux grast, wir genießen alle den Ausblick und die Abendsonne. Doch mein Pony denkt anders, die Freude sticht und der kleine Racker galoppiert, quiekend und buckelnd, eine Runde nach der anderen. Zuhause würde ich ihn jetzt in sicherer Umgebung frei laufen und ihn seine 5 Minuten austoben lassen, und ich weiß, das wünscht er sich jetzt, aber das mache ich hier nicht. Das Pony ist „an“ und so vergessen wir die Bank und gehen eine Mini Runde spazieren und lassen anschließend den Abend am Stall ausklingen. Jux grast und beäugt seine neuen Kollegen und wir stoßen auf einen ersten gelungenen Tag an. Prost!

TAG 2

Die nächsten 2 Tage sollen sehr heiß werden und so gehen wir am nächsten Morgen zeitig mit Jux und den Hunden eine kleine Runde durch den Wald spazieren. Meine Nichte kümmert sich hauptsächlich um Sansa, aber übernimmt natürlich streckenweise immer mal wieder das Wanderpony. Aaliyah ist sehr sensibel und fein im Umgang mit Pferden, doch gerade dies nutzt der rote Frechdachs auch gerne aus. Er ist das Typ Pferd, welches immer testet und angebotene Lücken von Unaufmerksamkeit gerne nutzt. So schulen wir gleich die Durchsetzungskraft und Führungsqualitäten meiner Nichte, welche strahlt, wenn das Wanderpony wie ein Engel brav mit ihr läuft und das saftige Grün neben sich ausblendet. Ich bin sehr froh und dankbar die selbe Leidenschaft und Erlebnisse mit Aaliyah teilen zu können.

Nach dem Wald gehen wir wieder an den Badestrand, erneut wenig besucht. Meine Nichte führt Jux und beide gehen direkt ins Wasser. Jux ist im Badeparadies: er planscht, wälzt sich im Wasser, wälzt sich im Sand, um dann wieder in den See zu gehen und von vorne anzufangen. Aaliyah geht mit Jux weiter ins Wasser, er folgt neugierig und eh sich beide versehen, wird es tiefer und sie schwimmen zusammen eine kleine Runde. Mein Herz hüpft während ich meine 2 Lieblinge dabei beobachte. Wir sind alle begeistert und genießen den Moment am See. Die Hunde toben am Strand und Christiane und ich halten unsere Füße ins Wasser.

Am Nachmittag lassen wir Jux ausruhen und gehen an einem der vielen Seen mit Hundestrand baden. Als ich dort ins Wasser gehe, folgt mir nun auch Sansa und schwimmt bis zu mir. Eine Wasserratte ist sie aber definitiv nicht – sie dreht sofort um und schaut mich am Ufer auffordernd an, sie dachte wohl mich retten zu müssen. Den Abend lassen wir wieder auf der Ranch ausklingen und meine Nichte verwöhnt und krault Jux an seinen Lieblingsstellen.

TAG 3

…ist der heißeste Tag der Woche mit über 30 Grad. Aaliyah und ich gehen zeitig mit Jux an den See planschen und eine kleine Runde im Ort spazieren. Danach fahren wir mit den Hunden an den Senftenberger See baden. Kati schickt mit gegen Mittag Stallpost via Whatsapp: Jux liegt ausgestreckt und schlafend mitten im Paddock. Am 3 Tag in neuer Umgebung mit Kids-Tagescamp auf dem Hof – ich bin begeistert! Mein Pony ist vollends angekommen und fühlt sich sichtlich wohl auf Katis wunderschöner Ranch.

Als wir spät vom Baden zurück sind, gehe ich alleine zu Jux, denn meine Reisegefährten sind alle k.o. Es hat bereits abgekühlt und Jux ist frisch und munter. Wir gehen eine kleine Runde durch den Wald und joggen einen Teil davon. Ich wähle einen neuen Weg und so kommen wir auf ein Stoppelfeld, über das und den Wald Hinweg uns die untergehende Sonne anstrahlt. Ich lasse Jux hier am Rand grasen und genieße die Stille und das Licht.

Den Rest des Weges gehen wir entspannt zurück. Im Stall angekommen, gibt mir Julia, eine total nette Pferdebesitzerin, Tipps zu lokalen Wanderwegen und sehenswerten Orten. Sie ist so lieb und sendet mir ihre getrackten Routen, so das ich die Strecken direkt kopieren kann und weiß, was uns erwartet. Local Guides wie Julia sind gold wert.

Da morgen der kühlste Tag der Woche werden soll, werden wir morgen gleich die längste Strecke unseres Urlaubs wandern und gleichzeitig Kilometer für Mut zur Strecke sammeln.

TAG 4

Da Pretty Herzkrank ist, geht Christiane heute alleine gemütlich an einen neuen auserwählten Hundestrand baden. Aaliyah und ich ziehen also zu Zweit in tierischer Begleitung los. Jux trägt seine Wanderpacktaschen mit ausreichend Wasser und unserem Proviant. Der Weg führt anfangs durch den Wald an der Ranch, dann über Feldwege, ein Stück an der Straße entlang, über Bahnschienen und wieder über Feldwege zurück in den Wald. Es ist leicht bewölkt und gutes Wanderwetter. Wir reden viel, Sansa und Jux laufen motiviert und brav mit und hier und da machen wir Halt zum Trinken und Fotos knipsen.

Rechts von uns taucht mitten im Wald eine alte Kaserne auf (denken wir zumindest). Wir laufen vorbei an hohen verfallenden und mit Graffiti besprühten Mauern, mit Wachtürmen und teilweise noch befestigtem Stacheldraht. Der Wald links von uns ist an manchen Abschnitten ebenfalls noch mit rostigem Stacheldraht eingezäunt, was wir unmöglich finden – als potentielle Verletzungsquelle für Wildtiere und Passanten. Nach einem Stück kommen wir an einen Eingang mit offenen Tor vorbei und wir erhaschen einen kurzen Blick auf diesen Lost Place – offensichtlich aus dem 2.Weltkrieg. Meine Nichte ist ganz Ohr und beeindruckt und erdrückt von diesem Stück dunkler Geschichte.

Weiter durch den Wald laufen wir direkt auf die Kriegsgräberstätte Nardt zu. Auf einer großen Wiese mitten im Wald reiht ein Grabstein an den anderen. Dies verleiht der Ruhestätte etwas amerikanisches. Ich laufe mit Jux und Sansa durch die Reihen und lese die lange Liste an Namen auf den Steinen. Am anderen Ende der Anlage steht ein großes Kreuz und eine Gedenktafel, welche wir interessiert lesen. Die vermeintliche Kaserne war das Gefangenenlager Elsterhorst, in dem etliche Menschen verschiedener Herkunft Leid erfuhren und den Tod fanden. Meine Nicht wirkt überwältigt von so viel Grausamkeit in einer so schönen Gegend und ich beantworte geduldig alle Fragen zum 2.Weltkrieg. Es scheint alles unvorstellbar, wo doch jeder Mensch im Grunde nach einem erfüllten und friedvollen Leben strebt. Wir ziehen schon bald weiter und lassen diesen geschichtsträchtigen Fleck zurück.

Schon ein kurzes Stück weiter erwartet uns das nächste Abenteuer – ein Flugplatz. Das dieser auf der Route liegt, wusste ich, aber wir müssen direkt an der Landebahn vorbei und die ist im vollen Betrieb! Segelflugzeuge starten und landen im Minutentakt. Jux prustet und wird schon von Weitem unruhig. Aber Jux der Gelassenheitsprofi lässt sich auch hier kontrollieren und mit ein paar Volten und Vorwärtsdrang bewältigen wir die Strecke recht gut. Mein Vorteil ist, das Jux generell an mir klebt, sich stark an mir orientiert und in Schreckmomenten auch zu mir gerannt kommt. Das heißt, wenn ich entspannt bin, dann ist es auch im Regelfall mein Wanderpony.

Erst vor uns, dann direkt neben uns und am Ende über unseren Köpfen hinweg, starten und landen die Flugzeuge. Was für ein Spektakel! Meine Nichte ist begeistert, fotografiert und filmt fleißig. Am Ende können wir sogar stehen bleiben und noch einen Moment in Ruhe zuschauen.

Das letzte Stück des Weges führt wieder durch den Wald. Wir machen wieder eine Pause und schnabulieren die letzten Vorräte der Packtaschen. Es ist jetzt früher Nachmittag, die Sonne scheint nun gnadenlos und wir möchten einfach nur noch eins – am See bei der Ranch ankommen, uns von allem befreien und baden. Ich bete innerlich für einen leicht besuchten Strand.

Endlich am See angekommen – nach 12,5km in 4,5 Stunden, treffen wir auf Katharina mit ihren Ferienkids, welche quietschvergnügt im Wasser planschen. Wir befreien Jux von seinen Taschen und geben uns der herrlichen Abkühlung hin. Jux trinkt ausgiebig, planscht kurz mit den Vorderbeinen und steht dann erst einmal bauchtief im Wasser und genießt.

Dann gibt es kein Halten mehr, der Labrador in ihm kommt zum Vorschein und wir schwimmen gemeinsam im See. Ein kleiner Traum geht in Erfüllung und dieser Moment wird eines meiner unvergesslichen Highlights. Wir umkreisen die Kids im Wasser, die von der Wasserratte auf Hufen begeistert sind und es folgt ein wilder Wechsel von Baden und Wälzen. Jux ist im Wahn und hat sichtlich Spaß. Sansa tobt am Strand und meine Nichte ist ebenfalls voll in ihrem Element.

So verbringen wir eine Stunde, bis Jux zur Ranch gehen möchte. Wir folgen Kati und den Kids mit nassen Sachen und versorgen Jux in seinem Paddock. Wir sind alle müde, aber glücklich und zufrieden. Wie gern hätte ich einen See bei uns Zuhause! Christiane gesellt sich zu uns und wir gehen dann zurück zum Strand, entspannen gemeinsam auf der Decke und tauschen uns über unsere Erlebnisse aus.

TAG 5

Heute kommt uns mein Partner Phil mit unseren anderen 2 Hunden Emma & Milow besuchen. Wir wollen alle gemeinsam zur sagenumwobenen Krabat-Mühle wandern. Die Krabat-Sage handelt von einem normal sterblichen Jungen der Region, welcher in dieser Mühle Zauberkräfte erlangte und diese überwiegend zu guten Zwecken einsetzte. Die Geschichten und Erzählungen sind wunderschön und fantasievoll. Sie begeistern Klein und Groß. Krabat bewegte sich im Raum zwischen Hoyerswerda und der Oberlausitz und es gibt verschiedene alte Schriften, die seine Existenz belegen. Die Mühle selbst ist ein Nachbau der Originalen, da diese im Jahr 1868 vollständig abbrannte. Es gibt sogar einen Film über Krabat mit gleichen Namen, mit Schauspielern wie Daniel Brühl in der Besetzung.

Wir sind alle neugierig und so starten wir gut gelaunt die kleine Wanderung durch den Wald zur nahe gelegenen Mühle. Jux ist mit am Start und ich bin guter Dinge, das er passieren darf.

Schon bald an der Krabat-Mühle Schwarzkollm angekommen, dürfen wir komplett in die Anlage eintreten. Während meine Nichte und Phil die Mühle erkunden, warten Christiane und ich mit den Tieren im Schatten. Auf dem Erlebnishof gibt es einen Rundweg mit vielen Tafeln und Interaktionen, die die Geschichte des Zauberlehrlings Krabat beschreiben. Enge Wege, Brücken, Passagen, viele Menschen, Kinder und andere Hunde – für Jux alles kein Problem. Er folgt mir brav, ruhig und gelassen. Ich bin mal wieder stolz auf den Ponymann, denn ich kann ihn für jede Aktivität begeistern! Sein Motto scheint das Selbe zu sein, wie das meiner Hunde – Hauptsache dabei!

Nach einem Erfrischungsgetränk, wandern wir gemütlich zurück, gönnen Jux den Rest des Tages Ruhe und gehen am Geierswalder See baden.

TAG 6 + 7

Unser letzter Tag – Morgen geht es zurück nach Hause. Da es die Tage mit über 30 Grad wieder sehr warm wird, wollen wir morgen Vormittag schon starten, damit wir nicht in die Mittagshitze kommen. Wir verbringen den heutigen Morgen am Stall und plaudern mit Katharina, welche uns zum Schluss noch ein kleines Bade-Leckerli beschert. Eine kleine Wanderung entfernt liegt der Grüne See mit kleinem Strand und herrlicher farbenfroher Kulisse.

Wir folgen der Wegbeschreibung und können unseren Augen kaum trauen, der kleine See mit seinen Farben ist einfach wunderschön. Wir genießen den Moment, machen Fotos, werfe Stöcke für die Hunde und auch Jux tobt sich wieder aus. Diese Location ist ein kleines Highlight und ein fabelhafter Abschluss für unseren Urlaub mit Pony. Wir sitzen am kleinen grünen See mit unseren Fellnasen und beschließen – nächstes Jahr kommen wir wieder! Es gibt noch viele Routen, Seen und Orte die wir erkunden möchten. Auch die Fahrräder möchten wir das nächste mal mitnehmen, einen kleinen Wanderritt machen und einfach mehr Zeit hier verbringen. Wie schön doch Sachsen ist und wie nah gelegen wir Erholung in der Natur finden können.

Die Heimreise erfolgt unproblematisch und Jux wird freudig wiehernd von seinen Stallkollegen begrüßt. Was würde ich geben, um Jux Erzählungen nun zu lauschen, denn er hat sicher eine Menge zu berichten.

Wanderung zum Hubertus Hof – Unsere 1. Tour mit Übernachtung

TAG 1

Es ist soweit – unsere erste längere Tour mit Übernachtung. Für den Anfang wähle ich die Luxusvariante: Für Jux gibt es einen Paddock voller Heu am Stall mit seinen Isi-Kumpels und ich habe das Gästezimmer meiner Freundin Renate gebucht. Die Tour geht zum 17km entfernten Hubertus Hof in Weinböhla, den Jux bereits von unserer Moritzburg-Wanderung kennt.

Um es uns leicht zu machen, habe ich vorab schon ein paar Sachen zu meinen Freunden gefahren, und so tragen wir nur das Nötigste und unser Proviant.

Wir starten Himmelfahrt am Morgen bei Sonnenschein und guter Laune. Wenn Jux die Packtaschen sieht, weiß er schon, das es auf längere Tour geht und beobachtetet mich dann erwartungsvoll beim satteln und packen, um dann hochmotiviert zu starten. So auch an diesem Tag.

Die Tour geht Anfangs durch die Ortschaft, den Wald und dann viele Feldwege und kleine Dörfer, eine große Landstraße und wieder ab in den Wald in Oberau, der uns dann direkt zum Hof führt.

Jux läuft motiviert und munter, er liebt neue Wege, ist unerschrocken und cool. Sogar als ein Zug in kurzer Entfernung vorbei rauscht, bleibt er einfach stehen und schaut interessiert. Wir machen viele kleine Pausen, da wo das Gras schön grün ist und wir Schatten haben, denn die Sonne scheint und es ist schon zeitig warm. Da Männertag ist, erwarte ich viele lustige Gruppen, aber tatsächlich begegnet uns nur eine einzige Männertruppe, der Jux verblüfft hinterherschaut. Die Landstraßenüberquerung machen wir problemlos.

Nach ca 5 gemütlichen Stunden kommen wir in Oberau an und machen erst einmal Picknick mit meiner Schwester und ihren 2 Kindern. Sie haben dort einen Garten und so genießen wir die Pause und ich den tollen Kaffee. Als Jux von einer Bremse oder Hirschlausfliege geärgert wird, schießt er einem Moment panisch los, bockt, schlägt aus und ist total außer sich. Ich kann ihn beruhigen, aber der genaue Auslöser bleibt mir unerkannt. Ein paar Meter grast er dann friedlich weiter, als wäre nichts gewesen. Meine Nichte macht große Augen: „Jux macht ja Rodeo wie ein wilder Mustang!“ Wir lachen und mutmaßen. Einer seiner Spitznamen ist „der rote Blitz“, denn Jux kann eine rennende kleine feurige Fellkugel sein, wenn er will und seine 5 Minuten hat.

Dann geht’s auch schon weiter. Es ist noch knapp eine Stunde Weg durch den Wald bis zum Stall. Meine Nichte Aaliyah und mein Neffe Romeo begleiten mich ein Stück. Voller Stolz führt meine 12-jährige Nichte das Wanderpony. Aaliyah ist selbst ein leidenschaftliches Pferdemädchen und liebt ihre Reitbeteiligung Black, das weiße Pferd meiner Freundin Romy, ohne Ende.

Die letzten Kilometer laufe ich alleine weiter und kurz darauf im Stall angekommen, werden wir schon mit Kaffee&Kuchen und Sekt von Renate und Jacky erwartet.

Wir bringen Jux mit seinen 3 Isländerfreunden auf die Koppel, sie begrüßen sich freudig und grasen prompt friedlich zusammen. Besonders der junge Funi und Jux verstehen sich gut. Wir schnattern, schauen den Pferden zu und ich ruhe meine Füße aus.

Später bringen wir die Pferde in den Offenstall, wo sie alle zusammen stehen sollen, füttern und füllen Heu auf. Die Herde ist ganz harmonisch und Jux tiefenentspannt. Er fühlt sich sichtlich wohl. Jackis kleine Tochter Frieda ist nun auch da und wackelt zwischen den Pferden umher. Ich beobachte sie erstaunt, denn der 3-Käse-Hoch ist ganz ruhig, bestimmt und selbstsicher, und die Pferde respektieren sie vollkommen. Sie hat so jung schon diese Energie und Aura, die es für Pferde braucht und ich bin mir sicher, sie wird mal eine tolle Pferdefrau. Auch bei Jux, der Kinder nur relativ toll findet – je nach Aufgeregtheitsgrad quasi, wendet sich der kleinen Frieda zu, die schwer in ihn verliebt ist, und lässt sich von allen Seiten umarmen, herzen und begutachten. Wir müssen schmunzeln und Jacky meint zwinkernd: „Frieda macht schon mal die Ankaufsuntersuchung!“

Als wir schon fast fertig sind, passiert es: Jux missachtet wiederholt Warnungen vom Herdenchef Klaufi, bis dieser explodiert und Jux seinen Platz aufzeigt – mit einer kurzer Jagd und einem Biss in den Po. Ich hatte so etwas leider befürchtet und für 2 Nächte auch keine Vergesellschaftung vorgesehen, doch die Pferde kennen sich ja und da alles so gut lief… Nun gut, ich habe als Tierheilpraktikerin immer meine Notfallapotheke dabei und gebe Jux Arnika Globulis. Bis auf einen blauen Fleck (und sein Ego), hat er zum Glück keinen Schaden genommen. Wir trennen die Gruppe, und Jux nächtigt mit Funi auf dem abgetrennten Teil des Paddocks. Es kehrt ruckzuck wieder Ruhe ein und das gut riechende Heu wird gemümpelt.

Wir machen uns auf zum Grillabend bei Renate und als wir später am Abend nochmal vorbeifahren, überraschen wir die 2 Füchse beim fröhlichem Spielen miteinander. Wir beobachteten die friedlichen Pferde noch eine Weile in der Abenddämmerung und machen uns dann selbst auf den Weg zurück und ins Bett.

TAG 2

Frisch mit Kaffee getankt sind wir zeitig am Stall und finden Funi liegend und Jux stehend und dösend bei ihm vor. Die 2 sind einfach zuckersüß zusammen!

Heute Vormittag wollen Jacky mit Funi und ihrer Tochter Frieda, Hund Lenny und ich zum Großteich wandern. Eine Pflegebeteiligung kommt mit Isländer Socki ebenfalls mit und ein Nachbarsjunge begleitet uns auch. Jux ist gut gelaunt und läuft energisch & neugierig neben mir her – mein kleines Duracell Wanderpony! Der Weg führt komplett auf weichem Sandboden durch den Wald – ein Traum. Am Teich angekommen, wird auch gleich eifrig geplanscht. Es gibt einen kleinen Strand, mitten im Schilf versteckt, mit einem kleinen Steg aus Steinen, was sehr praktisch ist – so bleiben meine Füße trocken. Jux beobachtet Funi, wie dieser sich im Wasser wälzt und macht Ansätze ihn zu kopieren, bis es dann wohl doch zu kalt am Bauch ist, aber die halben Pony-Kniebeugen, die er macht, sehen urkomisch aus. Wir lassen die Pferde grasen und machen ein kleines Picknick, bis wir auf einem anderen Weg zurück zum Stall gehen.Wir schaffen die Pferde für ein paar Stunden auf die Koppel, lassen Jux aber in einem abgetrennten Bereich, damit er in Ruhe grasen oder dösen kann.

Am Nachmittag gehen wir mit Renate und ihren 2 Hunden noch eine kleine Runde durch den Wald spazieren. Jux ist voller Energie, er hat offensichtlich Siesta gehalten. Renate fragt mich, ob Jux wirklich wie ein Hund folgt und immer bei mir bleibt, wie sie auf ein paar Videos von mir gesehen hat. Ich antworte mit: „Klar, der läuft nicht weg.“ und werfe Jux das Seil über den Rücken. Mein Pony schießt los und verschwindet im Stechtrab hinter der Anhöhe vor uns. Wir schauen uns erschrocken und überrascht an. Damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet. Ich rufe Jux wiederholt – nichts. Mein Herz rutscht nun doch in die Hosentasche, ich gehe in Gedanken die Karte durch und wann die nächste Straße kommt und sage zu meiner Freundin: „Ähm, ich renne dann mal lieber hinterher!“. Wie ich los sprinten will, fängt Renate aber schon an zu lachen. Jux schießt gerade im Affengalopp die Anhöhe wieder herunter, die pure Panik in seinen Augen – er sieht mich und rennt mir direkt in die Arme, so das ich mit dem Oberkörper auf ihn falle und ihn automatisch umarme – filmreif. „Mach das nie wieder!“, sage ich zu ihm und mein kleiner bester Freund brummelt aufgeregt und erleichtert. Renate läuft immer noch lachend weiter und sagt nur trocken „Cool, der läuft ja wirklich nicht weg!“. Ich muss nicht erwähnen, wie erleichtert und voller Liebe ich war, …und wie brav „bei Fuss“ Jux den Rest des Weges ging.

Den Spätnachmittag verbringen wir am Stall. Wir testen die Wippe auf dem Reitplatz (welche Jux wie ein wahrer Streber auf Anhieb meistert), er wälzt sich mehrfach genüsslich im Sand, beschnuppert sich mit Renates Pferd Kyra (welche ihn völlig uninteressant findet), und schauen Frieda und Jux beim Kuscheln zu. Jux hatte sie sogar mit einem Wiehern begrüßt, welches sie mit einem süßen, herzigen „ Juuuuuuux!!!“ beantwortete, um direkt zu ihm zu rennen und ihn zu umarmen. Es kommt nur auf die Energie an, denke ich mir und werde nicht fertig mit Staunen.

Wir gönnen uns ein Radler und genießen die schöne Atmosphäre auf dem Hof. Da es am Stall direkt eine Gaststätte gibt, sind wir gut versorgt. An diesem Abend nach der Heufütterung fängt leider auch Funi an, Jux zu schicken und zu jagen. Wir beobachten das Ganze eine Weile, in der Hoffnung das es sich beruhigt, doch das tut es leider nicht. Ich möchte kein weiteres Risiko eingehen und so stellen wir Funi zum Rest seiner Herde und Jux bleibt in dem schon abgetrennten Bereich des Paddocks für sich alleine. Er hat aber direkten Sichtkontakt zu seinen Isländer-Freunden. Sicher ist sicher, denn Pferde können sehr rabiat untereinander sein und für 2 Nächte müssen sie keine Rangordnung klären. So kann das Wanderpony außerdem genügend Ruhe finden und sich erholen, denn morgen geht es die 17km wieder zurück nach Hause.

TAG 3

Es hat die halbe Nacht geregnet und so begrüßt mich am nächsten Morgen ein nasses, aber gut gelauntes Pony. Shettys sind robust und wetterfest – das Wetter macht Jux also gar nichts aus. Ich binde ihn in der Stallgasse an, um wenigstens im Trockenem packen zu können, denn es regnet immer noch relativ stark. Jux ist etwas aufgeregt und steht kaum still. Ich beschließe seine Packtaschen hier zu lassen, um sie die darauffolgenden Tage abzuholen, und nur meinen Rucksack plus Regenponcho zu tragen.

Romy und ihr Pferd Black begleiten mich die Strecke bis nach Oberau. Ich berichtete bereits im Beitrag Heimatliebe über die Zwei. Ich warte mit Jacky und Renate vorm Stall, Jux grast noch etwas. Es regnet nicht mehr so stark. Da kommen sie auch schon geritten – gebisslos nur mit Knotenhalfter, Fellpad und Cowboyhut – ein tolles Bild, wie direkt aus der kanadischen Serie Heartland gesprungen! Wir plaudern kurz, drücken uns alle zum Abschied und dann laufen Romy und ich schon los. Im Morgen im Regen durch den Wald zu gehen hat eine eigene schöne Atmosphäre – es riecht wunderbar, alles ist so ruhig und pur. Ich berichte von meinen Erlebnissen und wir denken bereits wieder über nächste Touren nach. An einer Lichtung machen wir ein paar Fotos und Romy schwingt sich auf ihren hübschen Schimmel und ich knipse sie im Galopp. Wir sind uns sicher, das Black teils spanisches Blut hat, so anmutig wie er sich darbieten kann und voller Power loslegt– mit ca 30 Jahren!

Am Waldende verabschieden uns auch wir und Jux und ich laufen im leichten Nieselregen den Rest des Weges. Wir machen wieder mehrere kurzen Pausen und kommen zügig voran. Nach 17km und insgesamt 5 Stunden sind wir wieder Zuhause. So sind wir in 3 Tagen 45,95km gelaufen, die wir unserem Konto für Mut zur Strecke gutschreiben können.

Mein Fazit für unsere erste Tour mit Übernachtung ist: Jux ist ein geprüftes waschechtes Wanderpony! Cool, neugierig, offen und mit Spaß an der Sache voll dabei. Für seine Hufe werde ich Hufschuhe bestellen, denn mit dem ganzen asphaltierten Wegen und Schotterpisten, haben sie sich vorne doch etwas mehr abgenutzt.

Als nächstes Vorhaben steht die waschechte Outdoor-Übernachtungs-Variante an, mit der ich eigentlich unterwegs sein will: Ich mit Zelt und Jux mit einem mobilen Weidezaun-Paddock – alleine ohne Pferdekumpels. Seid gespannt – ich bin es auch!