Ende und Neuanfang – Zeilen von Herz und Schmerz

Ich habe lange überlegt, wie ich diese Zeilen schreibe. Lange konnte ich nicht einmal den Blog nur öffnen. Jux ist tot. Dieser völlig unwirkliche Satz ist leider am 10.08.2021 bittere Wahrheit geworden. Was ist passiert?

Früh um 7 erhielt ich den Anruf meiner Freundin und Stallkollegin Renate. Ich solle sofort kommen, Jux steht regungslos und zitternd auf dem Paddock im Offenstall, setzt sein linkes Hinterbein nicht auf, die Tierärztin ist schon informiert. Weinend und zitternd fahre ich zum Stall. Mein kleiner Schatz schaut mich fragend an, als wolle er sagen: „Ich kann nicht gehen?!“. Man sieht sofort, das unterhalb des Knies etwas kaputt ist. Die Tierärztin trifft kurz darauf ein, röntgt und es bestätigt sich der Verdacht – Jux Schienbein ist in 100 Teile zersplittert. Mit tiefster Verzweiflung höre ich der Tierärztin zu und muss einsehen, das es Hier und Jetzt vorbei ist.

Ich umarme meinen tapferen, stillen und wissenden Ponymann. Ich spüre, das er es weiß. Er bekommt seine letzten Möhren, Äpfel und Leckerlis, ich kraule, küsse und rede mit ihm. Während die Tierärztin den Zugang zur Halsvene legt, halte ich Jux kleine Schnute und wir sehen uns die ganze Zeit tief in die Augen. So viel Liebe und Verbundenheit in diesen großen Kulleraugen. Es bricht mir das Herz. Bald wirkt die Narkose und Jux legt sich müde hin. Als er seine letzten Atemzüge macht, liege ich, an seinem Bauch sitzend, halb auf seinem Brustkorb. Lange bleibe ich so bei Jux liegen….

Die nächsten Wochen ziehen in einer tränenreichen Kummerwolke an mir vorbei. Niemand weiß, was passiert ist. Fremdeinwirkung ist ausgeschlossen, die gemischte Herde war immer harmonisch. Es war ein Unfall, warum und wie auch immer, aber nur ein einziger Moment – und alles ist vorbei. Meine Freunde und Familie fangen mich auf, trösten und lenken mich ab, so gut sie eben können.

An dem Tag wollten wir eigentlich mit Jux und Freunden wandern gehen. Der Sommer war so schön, erfüllt und glücklich. Wir waren wandern, baden, sind Kutsche gefahren, haben neue Tricks auf dem Platz geübt oder einfach die Zeit zusammen genossen. Nächstes Jahr wollte ich mit Jux sogar auf kleinen Dorfturnieren mit der Kutsche starten und entsprechend anfangen dafür zu trainieren. Aber was viel schwerer wiegt – ich habe meinen kleinen besten Freund verloren. Jux glich mehr einem Labrador, so wie er an mir hing und frei mit mir durch die Wälder zog. Hauptsache dabei, Hauptsache zusammen. Hätte er gekonnt, hätte er Abends mit auf dem Sofa gelegen und mit mir Netflix geschaut. Ich dachte, wir gehen mal zusammen ins Altersheim! Das älteste Shetland Pony Deutschlands ist aktuell 52! Jux ist gerade mal 14 Jahre jung geworden… Als frühere Wanderreiterin träumte ich von Wanderungen/Wanderfahrten bis an die Ostsee, durch halb Deutschland und mein großer Traum, entlang der Küste Spaniens. Wie gern, hätte ich all dies mit ihm erlebt.

Nun, 3 Monate später, habe ich etwas Kraft um darüber zu schreiben, auch wenn die Tränen kullern. Ich denke jeden Tag an Jux, sehe ihn hier und da und vermisse ihn unendlich. Ich glaube fest, dass der Tod nicht das Ende ist und weiß Jux Seele ist noch da und schaut nach mir. Wir sind nach wie vor stark verbunden, nur anders.

Was wird nun aus „das Wanderpony“? Wer mich bei Instagram verfolgt, der weiß es schon: Jux hat mir bereits seinen Nachfolger gesendet, der ganz unverhofft und relativ zeitig meinen Weg kreuzte. Oder wahrscheinlich genau zum richtigen Moment.

Über eine Freundin aus dem Stall erfuhr ich von Petro, der Freunden von ihr gehörte. Ohne Erwartungen, mit Jux im Herzen, fuhr ich mit Renate nach Sachsen Anhalt. Ohne Pferdeluft kann ich nicht atmen und das es weiter geht, stand für mich fest. Aber wann und wie, dies wollte ich dem Schicksal überlassen, nichts erzwingen. Es funkt, oder es funkt eben nicht. Jux soll und kann sowieso niemand ersetzen. Ich bat einzig um ein Zeichen, wenn das passende Pony vor mir steht.

Und dies erhielt ich überraschenderweise prompt. Als wir zu Dritt auf Petros Weide gehen, löst er sich von seiner kleinen Herde, kommt direkt auf mich zu und verpasst mir einen dicken Kuss auf die Lippen. Seine derzeitige Besitzerin lacht und sagt: „Petro, doch nicht direkt am ersten Date!“ Nach 10 Minuten zerwuselt er mir die Haare, als wisse er genau, worum es geht. Wir gehen spazieren, Petro spielt seinen ganzen Charme aus und blitzt mich schelmisch aus seinen Augen an. Er trabt vor, wir reden über alles und ich habe mich eigentlich schon längst für ihn entschieden – so wie er sich offensichtlich für mich. Ende September holen wir Petro schließlich ab und das Pony, welches sich sonst nicht von seiner Herde trennen wollte, läuft ohne einen Zweifel mit mir davon und geht auf den Hänger.

Petro und ich bei unserer 1. Begegnung

Mit Petro geht also mein Abenteuer und das „Wanderpony“ weiter. Wir werden wandern, irgendwann Kutsche fahren und unsere gemeinsame Zeit genießen. Denn das ist unser höchstes Gut – Zeit. Meine Trauerverarbeitung läuft parallel zu Petros Eingewöhnung. Nicht alle Tage sind leicht, aber Petro erdet mich, wie es nur Pferde vermögen. Wir lernen uns langsam kennen und haben unseren ganz eigenen Rhythmus dabei. Jux hat mich so Vieles gelehrt: u.a. im Hier und Jetzt sein, wahrhaftig fühlen & Hinhören, pure geballte Lebensfreude, Verbundenheit, bedingungslose Liebe und letztendlich Loslassen… Aber Jux ist viel mehr als jetzt „nur tot“, wie ein guter Freund zu mir sagte, und mit der Zeit, Akzeptanz und Liebe werde ich Lächeln können, wenn ich an ihn denke. Petro hilft mir dabei und während er die Packtaschen auf unseren Wanderungen trägt, trage ich Jux im Herzen.

24.08.21

Vom Abschied meines besten Freundes

Bei einem Spaziergang in der Sonne haben wir uns erkannt,
das Universum als verwandte Seelen uns einst verband.
Über gemähte Felder sind sind wir getanzt,
haben Träume in den Boden gepflanzt.

Hast mir gezeigt, die Welt aus deinen Augen zu sehen,
deine Wunden, Wünsche und Bedürfnisse zu verstehen.
Und mit Liebe, Verständnis und Respekt,
kam ans Licht, was war versteckt:
Ein Pony voller Schalk, Lebensfreude und Wanderlust,
ausreichend Äpfel und Möhren stets in die Wandertaschen haben gemusst.

Doch mit den Talenten war es noch nicht vorbei,
Dreh dich, leg dich, komm auf Pfiff, heb den Huf…eins,zwei,drei!
So manche Abenteuer haben wir erlebt
und oft schmusend aneinander geklebt.
Auch fleißig zogst die Kutsche mein Ponymann,
weil man so wunderschön den Wald erkunden kann.

Jede Sekunde haben wir zusammen genossen,
doch unbemerkt ist uns die Zeit entflossen.
Ein Anruf, ein Moment, dein Leben war vorbei,
mit deinem letzten Atemzug mein Herz zerbrach in Zwei.

Deine Seele ist nun frei wie der Wind,
flüstert leise in mein Ohr: „Oh bitte weine nicht mein Kind!
Immer zusammen findet, was zusammen gehört,
eine unendliche Verbindung haben wir beschwört.
Lebe, liebe, tanze und lache,
derweil ich von der anderen Seite über dich wache.“

Voller Liebe und Dankbarkeit lasse ich dich also gehen,
mit Tränen und einem Lächeln, wohl wissend,
wir werden uns wieder sehen.

Mut zur Strecke Challenge 2020 – We made it!

Hurra hurra, unsere Schleife ist da! Ende Januar kam das ersehnte Paket endlich an und ich öffnete es voller Neugier. Ich bin ehrlich, es kullerten ein paar winzige Tränen der Freude. Jux gewinnt seine erste Schleife mit 13 Jahren. Darum geht es mir gar nicht um die Schleife selbst oder darum etwas zu gewinnen, sondern um Jux seinen Lebenswandel und die 160km die wir Seite an Seite gingen.

Noch Anfang 2019 schaute der kleine Fuchs sehnsüchtig über den Zaun und hatte keine große Ahnung, was es da draußen alles zu sehen gibt. Und nur ein Jahr später erkundet er mit mir die Winkel unserer Heimat Sachsen und ist ein waschechtes Wanderpony.

In nur 6 Monaten, von Mai bis Oktober 2020, sammelten wir alle Kilometer unserer Touren ab 5km. Wir erkundeten die Wege unserer direkten Umgebung, hatten unsere erste Tour mit Übernachtung , fuhren in den Urlaub und waren mal nur mit Sansa oder in Begleitung von Familie und guten Freunden unterwegs. Insgesamt sammelten wir nicht nur Meter, sondern vor allem schöne Erinnerungen. Ebenso konnten wir Erfahrungen für unsere kommenden Abenteuer schöpfen.

Mut zur Strecke schlug große Wellen und es nahmen viele Menschen mit ihren Vierbeinern teil. Die Mit-und Mutmachaktion verbindet zu Corona – Zeiten und auf Facebook und Instagram werden fleißig Geschichten geteilt. Mittlerweile kann man auch mit Hund, mit dem Fahrrad oder als Wassersportler teilnehmen.

Auch wir werden dieses Jahr wieder dabei sein, doch diesmal werden wir die Kilometer mit der Kutsche zählen! Im Frühling werden wir startklar sein und die Gegend mit unserem Zweisitzer im Trab erforschen! Ich freue mich schon sehr darauf und nehme euch natürlich wieder mit.

Neue Wege

Hallo Ihr Lieben! Hier war es die letzten 2 Monate ruhig, denn wir hatten gut zu tun und den Kopf woanders – im neuen Stall, denn Jux ist zum 01. November umgezogen!

Die meisten Pferdebesitzer kennen das Thema sicherlich und haben eventuell schon Stallwechsel hinter sich. Jux steht seit ca 10 Jahren im selben Offenstall in Gesellschaft von Großpferden, zu dem ganz in meiner Nähe und es war soweit auch alles gut, doch stellte ich mir auch Fragen:

Was wollen wir als Pony-Mensch-Team erreichen? Welches Umfeld hilft uns, uns weiter zu entwickeln? Und vor Allem: Wie und wo kann ich Jux Wünsche und Bedürfnisse am Besten erfüllen? Ebenso hatte ich auch den Wunsch nach Gemeinschaft und Austausch mit erfahrenen und bei Bedarf helfenden Gleichgesinnten (z.Bsp. Thema Ausbildung Fahrpony).

Nach dem Gespräch mit einer guten Freundin und einem schicksalhaften kleinen Anstoß, ging dann auch alles ganz schnell. Mit einem weinenden und lachendem Auge ein letztes mal Grasen in unserem Garten und dann ging es es schon ab auf den Hänger. Der neue Stall ist nicht so weit weg, doch der Luxus vom Pony fast am Haus ist nun vorbei.

Mit Jux offener und neugieriger Art meisterten wir den Start im neuen Zuhause. Anfangs stand er getrennt auf dem Paddock, um die Herdeneingliederung so ruhig wie möglich zu gestalten. Und bereits am vierten Tag war Jux integriert und musste sich nun einfach einleben und den neuen Stallalltag kennenlernen. Den November haben wir weitestgehend die Seele baumeln lassen, alles in Ruhe kennengelernt und die Umgebung erkundet.

Uns erwartet ein wundervolles Gelände voller neuer Wege und Möglichkeiten, Ausflüge in der Gruppe oder alleine, Seen, ein riesiger Wald, Felder und Weite. In anderen Worten: mein Kopf ist voller Pläne und Touren! 😉

Und ich denke Jux ist auch ein Stück weit zufriedener. Er liebt die riesigen Koppeln, die er anfangs mehrfach hoch und runter galoppierte, vor Freude buckelnd und quiekend. Aber vor Allem sein Freund Funi, der junge Isländer-Wallach, mit dem er tobt und tollt, steigt, zwickt und einfach ausgelassen spielt, trägt ein großes Stück an seiner Freude bei. Meinen Ponymann so glücklich zu sehen, bedeutet mir natürlich alles und ich weiß, es war die richtige Entscheidung.

Nun haben wir im Dezember auch das Training für die Kutsche wieder aufgenommen und schon die ersten Runden vom Platz geschleppt. Hier geht es auch bald weiter und wir nehmen euch wieder auf unsere Abenteuer und die nächsten Touren mit.

Bis dahin wünschen wir euch einen guten Rutsch ins neue Jahr 2021!

Mut zur Strecke Challenge

Mut zur Strecke Herausforderung 2020 – Wir sind dabei!

Worum geht es? Die Challenge Mut zur Strecke wurde von Distanzreitern ins Leben gerufen, die aufgrund von Corona aktuell pausieren müssen. Mit der Aktion kann jeder für sich 160km sammeln, in seinem ganz persönlichen Rhytmus bis zum 01.12.2020. Vom Pferderücken aus oder wandernd – Jeder kann frei bestimmen, wie er die Kilometer sammelt. Mut zur Strecke soll verbinden, inspirieren und Mut machen.

Wir laufen die 160km bis zum 01.12.20 und tracken dabei via App alle Wanderungen ab 5km. Unsere kleineren täglichen Spaziergänge im Alltag zähle ich hier nicht mit. Auf Instagram werde ich alles im Feed und in den Stories teilen und hier im Blog über die größeren Touren und Fortschritte berichten.

Warum machen wir mit? Ende Mai 2019 lernte ich Jux kennen und genau einen Monat später kaufte ich ihn. Er war mollig, traurig und hatte den Hof schon lange nicht mehr verlassen. Schon bald ist er an meiner Seite, mit der Zuwendung und unseren Wandertouren, aufgeblüht. Der Wandel, den Jux in diesem Jahr gemacht hat, ist einfach wundervoll. Wenn ich alte Fotos ansehe, fällt mir das besonders auf – seine Augen leuchten jetzt, sein Fell glänzt, er ist fit und viel schlanker und er hat eine selbsbewusste Haltung erlangt. Mein Pony strahlt vor Glück. Doch wie vielen Ponys geht es heute noch so, wie es Jux vor einem Jahr ging? Ich kenne etliche Geschichten von Shettys und Minis, die ihr Dasein als Rasenmäher fristen, nicht artgerecht und/oder alleine gehalten werden oder zu klein geworden sind für ihre Reiter und nicht mehr bewegt werden und sich schlichtweg langweilen. Doch auch ein kleines Pony ist ein vollwertiges Pferd und möchte so behandelt werden.

Wir wandern die 160km sowieso, aber ich möchte mit der Schleife, die Jux sich dann verdient hat, ein Zeichen setzen. Für alle Shettys, für uns, für Jux Leben und sein Wandel – von 0 auf 160km quasi. 💕💮

Bald geht´s hier los!

Die Seite befindet sich im Aufbau und wird Stück für Stück gefüttert, gestaltet und vervollständigt. 🙂

Unter über uns und wir wollen wandern könnt Ihr schon etwas über meine Tiere, mich und unsere Projekte lesen.

Zum Stöbern bis dahin, schau gerne auch bei Instagram vorbei! Button unten auf der Seite oder einfach daswanderpony bei IG eingeben. Ich poste regelmäßig alles rund um unseren tierischen Alltag.

Viel Spaß und komm bald wieder vorbei. Wir freuen uns auf euch!

Jux, Sansa & Claudia