Das Kutschpony Jux & Augen auf beim Kutschenkauf

Der Frühling verging wie im Flug. Er war sehr arbeitsreich für mich, deswegen war es hier etwas ruhig, und lehrreich für Jux. Nun erzähle ich gerne, was wir diese letzten verregneten Monate alles angestellt haben. Natürlich stand ganz groß Kutsche fahren auf dem Plan.

Ich trainierte regelmäßig Fahren vom Boden im Winter mit Jux, drehte zahlreiche Runden mit ihm vor mir laufend durch den Wald und hörte ab und zu mal Kommentare wie: „Ey, Sie haben ja die Kutsche vergessen!“. Hinter dem motiviert trabendem Jux herlaufend (und schnaubend), hatte ich meist keine Luft zum Antworten.

Mit dem ersten ordentlichen Schnee seit Jahren, nutzte ich die willkommene Gelegenheit und spannte meinem Pony einen Schlitten an. Da wir „Schleppen“ (das heißt Sachen, wie eine kleine Palette, hinter sich her ziehen) auf dem Platz ausreichend geübt hatten, reagierte er sehr gelassen und schaute nur sehr verdutzt, als ich dann daran dachte, mich auch auf den Schlitten zu setzen. Ich wollte mich natürlich ziehen lassen – er ging aber keinen Meter. Nichts half, der Ponymann schaute mich verständnislos an. Beim nächsten Versuch kam ich mit Verstärkung. Die liebe Romy nahm Jux am Halfter, während ich strahlend auf dem Gefährt Platz nahm. Nach den ersten Schritten gingen bei ihm die Lichter an! Er zog fleißig und motiviert und trabte voller Eifer. Der Winter war herrlich, der Wald glich Winterwonderland und wir nutzten jede Gelegenheit zum Schlittenfahren. Wir hatten jede Menge Spaß und der Lern-und Spaßeffekt für Jux´ Entwicklung war grandios.

Als der Schnee Geschichte war, wurde es ernst. Ich hatte mir bereits im Herbst bei Ebay eine geeignete, gebrauchte Gig, also eine kleinen Zweisitzer mit einer Achse, ergattert und wir waren vom Stand so weit, das einem ersten Anspannen nichts im Wege stand. Zusammen mit meiner guten erfahrenen Freundin Renate spannten wir das kleine Kutschpony das erste mal an und liefen los.

Jux war, wie erwartet sehr entspannt, so stieg ich bald auf, während Renate am Halfter führte und ich mit Zügeln und Peitsche das Gespann lenkte. Unsere ersten Runden waren sehr sehr klein. Am Anfang ist alles neu und die Konzentration kurz. Wir passten uns Jux Bedürfnissen und Lernfortschritten an und machten so einige Übungsrunden, die Stück für Stück größer wurden. Auch hier kam dann bald der Tag, wo ich spürte, das nächste mal, können wir es alleine wagen. Unsere erste richtige Fahrt Anfang April war ebenfalls kurz, aber ein voller Erfolg! Jux verhielt sich brav und war fein an den Hilfen, als hätte er nie etwas anderes getan. Ich war und bin mächtig stolz auf ihn!

So fuhr ich nun regelmäßig Gig mit meinem Wanderpony, sofern es das Wetter und meine Zeit zuließen. Ich optimierte des öfteren das Geschirr, passte dies und das an. Unsere Touren betrugen nun meist um die 6 bis 8km und Jux war (und ist) am Liebsten im Trab unterwegs. Wir üben natürlich viel Ruhe und Stehen, denn das muss ein Kutschpony vor Allem tun können – gehorsam und brav überall stehen bleiben.

Dann hatten wir sehr viel Glück im Unglück. Am Ende einer schönen Fahrt, ein paar Meter vor dem Stall, brach mir wortwörtlich der Sitz unter dem Hintern weg. Jux lief gemütlich Schritt. Es gab einen Ruck, noch einen, ich stieg ab und der Sitz klappte nach hinten weg. Jux preschte erschrocken los – ich hatte keine Chance ihn zu halten. Gott sei Dank blieb er nach einigen Metern unversehrt wild schnaubend stehen. Da wir quasi bereits am Stall waren, spannte ich ihn in aller Ruhe und mit unserer gewohnten Routine einfach vor Ort ab. So beruhigte er sich schnell, blieb artig stehen und ich führte ihn zum Anbindeplatz auf den Hof. Er war komplett unversehrt, ebenso wie ich. Ein Hoch auf unsere Schutzengel! In voller Fahrt, oder gar mit Beifahrer, hätte diese Situation in einer Katastrophe enden können… Danach inspizierte ich die Gig genau und stellte fest, das eine Schweißnaht gebrochen war! Mein Mann hatte die Gig vorher überholt, ich vor jeder Fahrt jede Schraube kontrolliert, aber an den Schweißnähten hatte ich nun wirklich nicht gezweifelt. Sicherheit ist das Allerwichtigste beim Kutsche fahren! Die Gig ging ihn die Werkstatt und wurde wieder fahrbar und verkehrssicher gemacht. Aber mein Vertrauen war hin. Jux zeigte bei der nächsten Fahrt keine Folgen vom Schreck und war brav und fleißig wie eh und je, wofür ich ebenfalls unendlich dankbar bin. Doch ich selbst war innerlich gehemmt. Ich möchte aber frei und voller Freude Fahren und in Zukunft meine Ausflüge auch mit meinen liebsten Menschen teilen und dabei sicher, entspannt genießen können. Dies könnte ich aber nicht, wenn die Angst im Nacken mitfahren würde. So fuhr ich mit meiner lieben Abenteurerin Christiane kurzerhand in den Kutschenhandel Sachsen.

Nach einer ausführlichen freundlichen Beratung, Probesitzen, Rechnen und meinem Bauchgefühl folgend, kaufte ich im Mai eine kleine Ponykutsche. Einen so genannten sportlichen geländetauglichen Trainingswagen, 2-Achser mit Bremsen vorne wie hinten, vollelliptische Blattfedern, 130kg schwer, 115cm breit und Ein-, wie Zweispännig fahrbar. (So viele Eckdaten kann ich übrigens nicht über mein Auto erzählen…) Das Gefühl von Sicherheit und die absolute Freude gab´s gleich mit dazu. Jux hat natürlich nun ordentlich mehr zu ziehen (anstelle der 40kg, die die Gig wog), aber auch hier haben wir keine Eile und bauen Stück für Stück Kondition auf und arbeiten am Muskelaufbau.

Die ersten Fahrten mit der neuen Kutsche haben wir bereits gedreht und wie erwartet, erweist sich Jux als arbeitswilliges motiviertes Pony. Die Ausfahrten werden nun Stück für Stück etwas länger, seinem Trainingsstand angepasst. Die 10km Marke haben wir noch nicht geknackt beim Fahren. Wir haben noch viele unentdeckte Wege vor uns, denn das weitläufige tolle Gelände ist noch teilweise neu für uns. Wir haben Zeit und ich freue mich auf jede einzelne Fahrt mit Jux.

Natürlich waren und gehen wir auch weiterhin viel wandern, denn wir lieben ja die Abwechslung. Auf kommende große Touren und kleine sommerliche Abenteuer, nehme ich euch natürlich wieder mit. Auf Instagram könnt ihr uns in den Stories fast täglich begleiten – schaut mal vorbei.

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