Wanderung zum Hubertus Hof – Unsere 1. Tour mit Übernachtung

TAG 1

Es ist soweit – unsere erste längere Tour mit Übernachtung. Für den Anfang wähle ich die Luxusvariante: Für Jux gibt es einen Paddock voller Heu am Stall mit seinen Isi-Kumpels und ich habe das Gästezimmer meiner Freundin Renate gebucht. Die Tour geht zum 17km entfernten Hubertus Hof in Weinböhla, den Jux bereits von unserer Moritzburg-Wanderung kennt.

Um es uns leicht zu machen, habe ich vorab schon ein paar Sachen zu meinen Freunden gefahren, und so tragen wir nur das Nötigste und unser Proviant.

Wir starten Himmelfahrt am Morgen bei Sonnenschein und guter Laune. Wenn Jux die Packtaschen sieht, weiß er schon, das es auf längere Tour geht und beobachtetet mich dann erwartungsvoll beim satteln und packen, um dann hochmotiviert zu starten. So auch an diesem Tag.

Die Tour geht Anfangs durch die Ortschaft, den Wald und dann viele Feldwege und kleine Dörfer, eine große Landstraße und wieder ab in den Wald in Oberau, der uns dann direkt zum Hof führt.

Jux läuft motiviert und munter, er liebt neue Wege, ist unerschrocken und cool. Sogar als ein Zug in kurzer Entfernung vorbei rauscht, bleibt er einfach stehen und schaut interessiert. Wir machen viele kleine Pausen, da wo das Gras schön grün ist und wir Schatten haben, denn die Sonne scheint und es ist schon zeitig warm. Da Männertag ist, erwarte ich viele lustige Gruppen, aber tatsächlich begegnet uns nur eine einzige Männertruppe, der Jux verblüfft hinterherschaut. Die Landstraßenüberquerung machen wir problemlos.

Nach ca 5 gemütlichen Stunden kommen wir in Oberau an und machen erst einmal Picknick mit meiner Schwester und ihren 2 Kindern. Sie haben dort einen Garten und so genießen wir die Pause und ich den tollen Kaffee. Als Jux von einer Bremse oder Hirschlausfliege geärgert wird, schießt er einem Moment panisch los, bockt, schlägt aus und ist total außer sich. Ich kann ihn beruhigen, aber der genaue Auslöser bleibt mir unerkannt. Ein paar Meter grast er dann friedlich weiter, als wäre nichts gewesen. Meine Nichte macht große Augen: „Jux macht ja Rodeo wie ein wilder Mustang!“ Wir lachen und mutmaßen. Einer seiner Spitznamen ist „der rote Blitz“, denn Jux kann eine rennende kleine feurige Fellkugel sein, wenn er will und seine 5 Minuten hat.

Dann geht’s auch schon weiter. Es ist noch knapp eine Stunde Weg durch den Wald bis zum Stall. Meine Nichte Aaliyah und mein Neffe Romeo begleiten mich ein Stück. Voller Stolz führt meine 12-jährige Nichte das Wanderpony. Aaliyah ist selbst ein leidenschaftliches Pferdemädchen und liebt ihre Reitbeteiligung Black, das weiße Pferd meiner Freundin Romy, ohne Ende.

Die letzten Kilometer laufe ich alleine weiter und kurz darauf im Stall angekommen, werden wir schon mit Kaffee&Kuchen und Sekt von Renate und Jacky erwartet.

Wir bringen Jux mit seinen 3 Isländerfreunden auf die Koppel, sie begrüßen sich freudig und grasen prompt friedlich zusammen. Besonders der junge Funi und Jux verstehen sich gut. Wir schnattern, schauen den Pferden zu und ich ruhe meine Füße aus.

Später bringen wir die Pferde in den Offenstall, wo sie alle zusammen stehen sollen, füttern und füllen Heu auf. Die Herde ist ganz harmonisch und Jux tiefenentspannt. Er fühlt sich sichtlich wohl. Jackis kleine Tochter Frieda ist nun auch da und wackelt zwischen den Pferden umher. Ich beobachte sie erstaunt, denn der 3-Käse-Hoch ist ganz ruhig, bestimmt und selbstsicher, und die Pferde respektieren sie vollkommen. Sie hat so jung schon diese Energie und Aura, die es für Pferde braucht und ich bin mir sicher, sie wird mal eine tolle Pferdefrau. Auch bei Jux, der Kinder nur relativ toll findet – je nach Aufgeregtheitsgrad quasi, wendet sich der kleinen Frieda zu, die schwer in ihn verliebt ist, und lässt sich von allen Seiten umarmen, herzen und begutachten. Wir müssen schmunzeln und Jacky meint zwinkernd: „Frieda macht schon mal die Ankaufsuntersuchung!“

Als wir schon fast fertig sind, passiert es: Jux missachtet wiederholt Warnungen vom Herdenchef Klaufi, bis dieser explodiert und Jux seinen Platz aufzeigt – mit einer kurzer Jagd und einem Biss in den Po. Ich hatte so etwas leider befürchtet und für 2 Nächte auch keine Vergesellschaftung vorgesehen, doch die Pferde kennen sich ja und da alles so gut lief… Nun gut, ich habe als Tierheilpraktikerin immer meine Notfallapotheke dabei und gebe Jux Arnika Globulis. Bis auf einen blauen Fleck (und sein Ego), hat er zum Glück keinen Schaden genommen. Wir trennen die Gruppe, und Jux nächtigt mit Funi auf dem abgetrennten Teil des Paddocks. Es kehrt ruckzuck wieder Ruhe ein und das gut riechende Heu wird gemümpelt.

Wir machen uns auf zum Grillabend bei Renate und als wir später am Abend nochmal vorbeifahren, überraschen wir die 2 Füchse beim fröhlichem Spielen miteinander. Wir beobachteten die friedlichen Pferde noch eine Weile in der Abenddämmerung und machen uns dann selbst auf den Weg zurück und ins Bett.

TAG 2

Frisch mit Kaffee getankt sind wir zeitig am Stall und finden Funi liegend und Jux stehend und dösend bei ihm vor. Die 2 sind einfach zuckersüß zusammen!

Heute Vormittag wollen Jacky mit Funi und ihrer Tochter Frieda, Hund Lenny und ich zum Großteich wandern. Eine Pflegebeteiligung kommt mit Isländer Socki ebenfalls mit und ein Nachbarsjunge begleitet uns auch. Jux ist gut gelaunt und läuft energisch & neugierig neben mir her – mein kleines Duracell Wanderpony! Der Weg führt komplett auf weichem Sandboden durch den Wald – ein Traum. Am Teich angekommen, wird auch gleich eifrig geplanscht. Es gibt einen kleinen Strand, mitten im Schilf versteckt, mit einem kleinen Steg aus Steinen, was sehr praktisch ist – so bleiben meine Füße trocken. Jux beobachtet Funi, wie dieser sich im Wasser wälzt und macht Ansätze ihn zu kopieren, bis es dann wohl doch zu kalt am Bauch ist, aber die halben Pony-Kniebeugen, die er macht, sehen urkomisch aus. Wir lassen die Pferde grasen und machen ein kleines Picknick, bis wir auf einem anderen Weg zurück zum Stall gehen.Wir schaffen die Pferde für ein paar Stunden auf die Koppel, lassen Jux aber in einem abgetrennten Bereich, damit er in Ruhe grasen oder dösen kann.

Am Nachmittag gehen wir mit Renate und ihren 2 Hunden noch eine kleine Runde durch den Wald spazieren. Jux ist voller Energie, er hat offensichtlich Siesta gehalten. Renate fragt mich, ob Jux wirklich wie ein Hund folgt und immer bei mir bleibt, wie sie auf ein paar Videos von mir gesehen hat. Ich antworte mit: „Klar, der läuft nicht weg.“ und werfe Jux das Seil über den Rücken. Mein Pony schießt los und verschwindet im Stechtrab hinter der Anhöhe vor uns. Wir schauen uns erschrocken und überrascht an. Damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet. Ich rufe Jux wiederholt – nichts. Mein Herz rutscht nun doch in die Hosentasche, ich gehe in Gedanken die Karte durch und wann die nächste Straße kommt und sage zu meiner Freundin: „Ähm, ich renne dann mal lieber hinterher!“. Wie ich los sprinten will, fängt Renate aber schon an zu lachen. Jux schießt gerade im Affengalopp die Anhöhe wieder herunter, die pure Panik in seinen Augen – er sieht mich und rennt mir direkt in die Arme, so das ich mit dem Oberkörper auf ihn falle und ihn automatisch umarme – filmreif. „Mach das nie wieder!“, sage ich zu ihm und mein kleiner bester Freund brummelt aufgeregt und erleichtert. Renate läuft immer noch lachend weiter und sagt nur trocken „Cool, der läuft ja wirklich nicht weg!“. Ich muss nicht erwähnen, wie erleichtert und voller Liebe ich war, …und wie brav „bei Fuss“ Jux den Rest des Weges ging.

Den Spätnachmittag verbringen wir am Stall. Wir testen die Wippe auf dem Reitplatz (welche Jux wie ein wahrer Streber auf Anhieb meistert), er wälzt sich mehrfach genüsslich im Sand, beschnuppert sich mit Renates Pferd Kyra (welche ihn völlig uninteressant findet), und schauen Frieda und Jux beim Kuscheln zu. Jux hatte sie sogar mit einem Wiehern begrüßt, welches sie mit einem süßen, herzigen „ Juuuuuuux!!!“ beantwortete, um direkt zu ihm zu rennen und ihn zu umarmen. Es kommt nur auf die Energie an, denke ich mir und werde nicht fertig mit Staunen.

Wir gönnen uns ein Radler und genießen die schöne Atmosphäre auf dem Hof. Da es am Stall direkt eine Gaststätte gibt, sind wir gut versorgt. An diesem Abend nach der Heufütterung fängt leider auch Funi an, Jux zu schicken und zu jagen. Wir beobachten das Ganze eine Weile, in der Hoffnung das es sich beruhigt, doch das tut es leider nicht. Ich möchte kein weiteres Risiko eingehen und so stellen wir Funi zum Rest seiner Herde und Jux bleibt in dem schon abgetrennten Bereich des Paddocks für sich alleine. Er hat aber direkten Sichtkontakt zu seinen Isländer-Freunden. Sicher ist sicher, denn Pferde können sehr rabiat untereinander sein und für 2 Nächte müssen sie keine Rangordnung klären. So kann das Wanderpony außerdem genügend Ruhe finden und sich erholen, denn morgen geht es die 17km wieder zurück nach Hause.

TAG 3

Es hat die halbe Nacht geregnet und so begrüßt mich am nächsten Morgen ein nasses, aber gut gelauntes Pony. Shettys sind robust und wetterfest – das Wetter macht Jux also gar nichts aus. Ich binde ihn in der Stallgasse an, um wenigstens im Trockenem packen zu können, denn es regnet immer noch relativ stark. Jux ist etwas aufgeregt und steht kaum still. Ich beschließe seine Packtaschen hier zu lassen, um sie die darauffolgenden Tage abzuholen, und nur meinen Rucksack plus Regenponcho zu tragen.

Romy und ihr Pferd Black begleiten mich die Strecke bis nach Oberau. Ich berichtete bereits im Beitrag Heimatliebe über die Zwei. Ich warte mit Jacky und Renate vorm Stall, Jux grast noch etwas. Es regnet nicht mehr so stark. Da kommen sie auch schon geritten – gebisslos nur mit Knotenhalfter, Fellpad und Cowboyhut – ein tolles Bild, wie direkt aus der kanadischen Serie Heartland gesprungen! Wir plaudern kurz, drücken uns alle zum Abschied und dann laufen Romy und ich schon los. Im Morgen im Regen durch den Wald zu gehen hat eine eigene schöne Atmosphäre – es riecht wunderbar, alles ist so ruhig und pur. Ich berichte von meinen Erlebnissen und wir denken bereits wieder über nächste Touren nach. An einer Lichtung machen wir ein paar Fotos und Romy schwingt sich auf ihren hübschen Schimmel und ich knipse sie im Galopp. Wir sind uns sicher, das Black teils spanisches Blut hat, so anmutig wie er sich darbieten kann und voller Power loslegt– mit ca 30 Jahren!

Am Waldende verabschieden uns auch wir und Jux und ich laufen im leichten Nieselregen den Rest des Weges. Wir machen wieder mehrere kurzen Pausen und kommen zügig voran. Nach 17km und insgesamt 5 Stunden sind wir wieder Zuhause. So sind wir in 3 Tagen 45,95km gelaufen, die wir unserem Konto für Mut zur Strecke gutschreiben können.

Mein Fazit für unsere erste Tour mit Übernachtung ist: Jux ist ein geprüftes waschechtes Wanderpony! Cool, neugierig, offen und mit Spaß an der Sache voll dabei. Für seine Hufe werde ich Hufschuhe bestellen, denn mit dem ganzen asphaltierten Wegen und Schotterpisten, haben sie sich vorne doch etwas mehr abgenutzt.

Als nächstes Vorhaben steht die waschechte Outdoor-Übernachtungs-Variante an, mit der ich eigentlich unterwegs sein will: Ich mit Zelt und Jux mit einem mobilen Weidezaun-Paddock – alleine ohne Pferdekumpels. Seid gespannt – ich bin es auch!