Heimatliebe

Es ist Ostern, ich habe Urlaub und eigentlich wollte ich mit Jux meine erste Wanderung mit Übernachtung unternehmen. Doch dann kam Corona. Die geltenden Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen machen uns einen Strich durch die Rechnung. Nun gut, aufgeschoben ist ja bekanntlich nicht aufgehoben und so machen wir eben lokale Tagestouren.

Natürlich haben wir schon so manche Routen in unserer Umgebung getestet, haben unsere Lieblingsrunden und kennen unser Gebiet recht gut. Aber es gibt hier etliche Wanderrouten und hinter jeder Biegung, unauffälligem Pfad oder dem schlichten Feldweg kann die Landschaft schon anders aussehen oder sich ein schöner Weg offenbaren. Zudem wohnen wir, wie ich finde, in einer wunderschönen Gegend, die einfach zum Wandern generell, Reiten, Fahrradfahren und Laufen mit Tieren einlädt.

Diera-Zehren liegt mitten auf der sächsischen Weinstraße, welche sich von Pirna bis nach Diesbar-Seußlitz entlang der Elbe schlängelt. So haben wir quasi einen Weinberg neben dem anderen liegen, von einem verträumtem Weingut bis zum nächsten mit herrlichen Ausblick, ist es nicht weit. Dann haben wir die Elbe mit ihren schönen Ufern und Wiesen, den Radweg und den Göhrischfelsen, der sich auf der anderen Elbseite abhebt. Der Golkwald beginnt gleich ein Stück hinter unserem Haus und besitzt viele schöne unterschiedliche Wanderwege, mystische Heidengräber und den Nonnenstein. Der kleine Gosebach plätschert auch durch den Wald. Als kleines Dorf bzw Gemeinde gibt es hier natürlich auch unzählige Felder und schöne Wege, die praktisch immer wieder anders aussehen und sich von Dorf zu Dorf hangeln. Jux, Sansa und ich können quasi in jede Richtung laufen und haben ein vielfältiges Angebot an Landschaften, dazu alles Wander-und tierfreundlich, – ein Privileg.

Welche Wege und Routen kenne ich also noch nicht? Ich studiere bei Google Maps, einer Wander-App und diversen Fahrradtouren und Wanderreitkarten meine Möglichkeiten neue Wege zu erkunden. Die Winzerhöfe haben meist wunderschöne Anlagen und Wege und wir haben gleich 3 in unsere Nähe. Winzerhof Golk, am Wald gelegen und gleich um die Ecke, kennen wir bereits.

Das wunderschöne Schloß Proschwitz mit seiner großen Anlage, Weinbergen und schönen Ausblicken auf die Elbe und Meißen ist echt ein Traum und eine große Tagestour mit knapp 20km. Ich möchte mir diese tolle Wanderung aber aufheben, um sie mit Freunden zu teilen und zu genießen – wie guter Wein eben.

Und dann haben wir noch das Weingut Jan Ulrich in Diesbar Seußlitz, wessen Restaurant wir auch gerne besuchen. Durch diese Weinberge soll auch ein schöner Wanderweg führen und den werde ich als 1. testen.

Für Mitte April ist es gegen Mittag schon recht warm und da die Route nur etwas über 10km beträgt, erspare ich Jux das Gepäck. Sansa kommt natürlich auch mit. Wir starten am Elberadweg und biegen dann bald schon am Weingut Jan Ulrich an der ausgestellten Doppelspindelpresse in die Anlage ab. Seit über 25 Jahren werden hier auf 16 Hektar Rebfläche diverse Weinsorten angebaut. Die Tour durch die Weinberge wurde mir schon mehrfach empfohlen. Der schmale Weg führt aufwärts entlang an kleinen Steinmauern und wird anfangs von blühenden Obstbäumen gesäumt, dann aber bald von Reben und bunten Blumen abgelöst. Es ist früher Vormittag, ich höre nur Vögel singen und Jux kleines Hufgetrappel. Ich liebe diese Ruhe und die frohe Neugierde der Tiere, wenn wir neue Wege erforschen. Jux läuft dann auch gut frei ohne Strick mit und hat sichtlich Spaß – es wird geschaut, geschnüffelt, fix ins grüne Gras gebissen und schnell zu mir aufgeholt. Es ist so ruhig und idyllisch, das wir sogar ein Reh, welches in einem Gestrüpp ganz nah unentdeckt bei uns liegt, erst spät aufschrecken, um dann verzaubert hinterherzuschauen, wie es gemütlich davon springt.

Wir genießen den Weg durch die Anlage und laufen dann von Löbsal aus, über Felwege zurück in den Golkwald hinein. Jux kennt sich schon so gut aus, das er, als ich den falschen Weg an einer Lichtung abbiegen will, stehen bleibt und den Weg anschaut, welcher der Richtige bzw der Schönste nach Hause ist. Meinen Fehler, besser gesagt, weniger schönen gewählten Umweg, bemerke ich bald und staune nicht schlecht über mein Pony. Jux hat eben auch alle Qualitäten eines Großpferdes und kennt den besten Weg nach Hause.

Wir kommen mittags wieder an und während ich Kaffee schlürfe, Sansa einen Knochen kaut, grast Jux auf unserem Rasen – welchen er stolz seine ganz alleine Koppel nennen darf. Seinen Stall mit seinen Pferdekollegen sehen wir von hier aus, und ab und an blickt er hinüber, und ich schwöre, er grinst dabei.

Die anderen Tage machen wir mehrere kleinere bis größere Touren entlang der Elbe und durch den Wald, alles Routen die ich noch testen wollte und allesamt für gut befinde. Die größte Tour machen wir entlang des Sächsischen Fernreitweges, welcher am Golkwald entlang und über die Dörfer führt.

Richtung Naundörfel geht es komplett gesattelt und ausgestattet mit meinem Lieblingsduo Sansa & Jux durch den Wald, vorbei an Rapsfeldern und Rinderherden. Vor Letzteren hat Jux Respekt. Er wird aufgeregt und die kleine Hufen werden flink, aber er bleibt immer bei mir und händelbar. Das erste Mal, als wir auf Kühe getroffen sind, ganz am Anfang unserer Pony-Mensch-Beziehung, rollte Jux panisch die Augen, stieg und wollte sich losreißen. Zum Glück konnte ich ihn damals schnell beruhigen und mit Lob und ruhiger Art davon überzeugen, das eine Kuh nur eine Kuh ist. Der Ponymann ist von Haus aus ein neugieriger Typ und dieser Bonus kommt uns in solchen Momenten zu Gute. Vor den Rindern gab es im Wald aber schon die erste Prüfung – ein relativ großer umgestürzter Baumstamm mitten auf dem schmalen Weg. Unumgänglich lag er da, es hieß drüber steigen oder umkehren und einen anderen Weg gehen. Hop oder top dachte ich mir, entweder springt mein vollbeladenes Pony und folgt mir, oder eben nicht. Jux schaut verdutzt, denn der Stamm geht ihm bis zur Brust und Sansa und ich warten schon auf der anderen Seite. Das Pony, welches auf dem Reitplatz sogar nicht gerne springt, kalkuliert, schaut und springt mit einem Riesensatz gekonnt darüber. Ich juble ihm zu, lobe und baue in Gedanken schon einen Freispringparcour für ihn – vielleicht hat es ja etwas in ihm motiviert.

Hinter dem Naundörfel in einem kleinen Wäldchen auf der Winzerwiese treffe ich mich mit meiner Freundin Romy, ihrem Schimmel Black und Hund Martini. Wir laufen einen kleinen Teil der Strecke zusammen und testen die Harmonie unseres Wanderteams, da wir zukünftig auch zusammen mal loslaufen wollen. Wir wandern ein Stück und lassen die Pferde grasen. Wir haben uns quasi in der Mitte kurz getroffen, bevor jeder den Heimweg antritt. Romy und ihr fast 30 jähriger Black sind schon ein Leben lang, seit ihrer Kindheit, zusammen und ein ganz tolles Team. Er wurde ihren Eltern damals als viel älter, turniergängig und pechschwarz verkauft, daher der Name. Doch das Pferdchen vom Händler war quasi roh, blutjung und wechselte nach einiger Zeit die Fellfarbe, denn Schimmel werden schwarz geboren. So erlebten die Zwei viele Abenteuer und sind das Dreamteam, welches sie heute sind. Wir verabschieden uns, schmieden Pläne und Videochatten noch ein Stück auf dem Heimweg miteinander. Es ist sehr warm an diesem Tag und nach 17km zurück im Stall, sind wir alle selig und müde.

Wir lieben die Ruhe auf unseren Touren zu Dritt, aber geteilte Freude ist bekanntlich doppelte Freude und so plane ich die erste Tour mit Übernachtung und Freunden nun für Mai. Ich bin gespannt und freue mich schon darauf!